Terrorismus

Ein Bonner steht jetzt auf einer weltweiten Terrorliste

IS-Kämpfer Denis Cuspert ist sein Kumpel, seine Frau sitzt in Deutschland im Gefängnis und er schändet Leichen in Propagandavideos.
23.6.17
Bild: Erasmus Monitor | Twitter

Fared Saal sitzt am Steuer, neben ihm sein Kumpel Denis Cuspert. Die beiden lachen in die Kamera, sind gut drauf. Gut drauf, weil sie in Tötungsfantasien schwelgen: "Abu Talah und ich wünschen uns schon so lange, mit einem stumpfen Messer einen zu schlachten." Die beiden lachen so albern, als hätte gerade einer laut gefurzt. Dabei meinen sie es bitter ernst, Saal und Cuspert kämpfen gemeinsam für den IS. Abu Talah ist der Kampfname von Cuspert, der vom Gangsterrapper zum IS-Terroristen wurde, als Kämpfer nach Syrien ging und schon mehrfach als tot galt. Saal nennt sich Abu Luqman. Den Zusatz al-Almani – aus Deutschland – tragen beide.

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Laut Spiegel geht der Verfassungsschutz davon aus, dass bisher 910 Dschihadisten aus Deutschland in den Krieg nach Syrien gezogen sind. Die Hälfte davon seien deutsche Staatsbürger.

Einer von ihnen ist Fared Saal, aufgewachsen in Bonn. Seit letzter Woche gehört er offiziell zu den gefährlichsten Terroristen der Welt. Der 28-Jährige steht nun auf der gleichen Liste, auf der Cuspert schon seit Anfang 2015 steht: der Sanktionsliste des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen. Was das bedeutet? UN-Staaten müssen ihm die Ein- und Durchreise verwehren, seine Konten einfrieren und Unterstützung durch Leute aus ihrem Staatsgebiet verhindern.


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In puncto Unterstützung aus Deutschland konnte Saal zunächst noch auf seine Frau Karolina R. zählen. Das hat sich erledigt, als sie 2015 verurteilt wurde: wegen Unterstützung einer terroristischen Vereinigung im Ausland. Im Mai 2013 ging das Paar nach Syrien. Mit dabei der damals sieben Monate alte Sohn. Karolina R. und Sohn gingen später zurück, reisten aber im Oktober wieder für kurze Zeit ein. Im Gepäck: Bargeld und Helmkameras. Danach überwies sie ihrem Mann mehrfach Geld aus Deutschland. Vor Gericht gab sie an, nicht gewusst zu haben, dass Kameras und Geld für Propagandavideos bestimmt waren. Verurteilt wurde die Konvertitin trotzdem. Bis November sitzt die Frau, die sich Umm Luqman nennt, noch im Gefängnis. Mehr als 1200 Leute fordern bei Facebook ihre Freilassung.

Fared Saal begeht währenddessen unmenschliche Taten. In einem Video schreitet er durch einen Haufen lebloser Körper, tritt den Leichen gegen den Kopf. Danach posiert er zwischen einem Haufen Toter und sagt in einem Mix aus Deutsch und Arabisch: "Und wie ihr sehen könnt, die Hanasir (Schweine), die Hajawanat (Tiere), haben wir geschlachtet." Cuspert ist ebenfalls auf diesen Videos, man kann sehen, wie er toten Menschen mit einem Schuh wiederholt auf den Kopf schlägt.

Und jetzt? Nachdem die Vereinten Nationen Saal auf die Sanktionsliste setzten, zogen die USA nach. Vom US-Finanzministerium wurde er als Specially Designated Global Terrorist (SDGT) eingestuft. Bei Twitter und in einer Pressemitteilung schreibt die Behörde, Saal sei ein Rekrutierer und Kämpfer mit einer führenden Position in einem IS-Bataillon.

Das Traurige: An den Hass-Taten der Terroristen in Syrien wird das nichts ändern.

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