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DIE WALL STREET ISSUE

Bye-bye, Schweizer Bankgeheimnis

Die Bankiers in der Schweiz bereiten sich auf den Ernstfall vor.

von Philippe Stalder
31 Dezember 2014, 11:00am

Illustration von Ole Tillmann

Die Schweizer Bankiers bereiten sich auf den Ernstfall vor. Im Oktober trafen sich Vertreter von 51 OECD-Staaten in Berlin zur internationalen Steuerkonferenz, um sich zu einem automatischen Informationsaustausch zwischen ihren Steuerbehörden zu verpflichten. Diese Veränderung würde die Schweizer Regierung zwingen, Informationen über ausländische Bankkunden mit den Finanzbehörden ihrer jeweiligen Herkunftsländer zu teilen. Verschwiegenheit ist seit 1935 der Grundstein des Schweizer Bankensektors.

Als 2008 die Finanzkrise ausbrach, suchten die G20-Länder und die OECD-Mitgliedstaaten nach Möglichkeiten, um die Sparmaßnahmen auszugleichen, die sie eingeleitet hatten, um ihre Staatsverschuldung zu reduzieren. In jenem Jahr schätzte PricewaterhouseCoopers die Summe nicht­versteuerter Gelder aus aller Welt auf Schweizer Bankkonten auf 830 Milliarden Dollar. Heute liegt diese Summe Schätzungen zufolge nur noch bei 208 Milliarden. 2009 gaben die Schweizer Behörden internationalem Druck nach und führten ein Gesetz ein, das eine Kooperation der Behörden in Steuerangelegenheiten garantiert. Außerdem begannen verschiedene Länder, darunter Deutschland und die USA, Informanten sogenannte Steuer-CDs mit sensiblen Kundendaten abzukaufen. Die Angst aufzufliegen und verschiedene Steueramnestien führten dazu, dass in den letzten fünf Jahren 650 Milliarden Dollar von Schweizer Bankkonten abgezogen wurden.

Damit gaben sich die USA noch nicht zufrieden und verklagten insgesamt 14 Banken, die damit rechnen müssen, 20 bis 50 Prozent des Guthabens auf ihren Konten als Strafe zu zahlen. Darüber hi­naus wollen die USA weltweit FATCA einführen, ein Gesetz zur Steuerpflicht für ausländische Konten. Neue OECD-Standards werden sich mit gleichem Ziel die verbliebenen ausländischen Kunden Schweizer Banken vornehmen. Dies könnte das dunkelste Kapitel in der bislang so rosigen Wirtschaftsgeschichte der Schweiz werden.