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Was wäre, wenn Waffen beim Parteitag der Republikaner erlaubt wären?

Eigentlich war sie nur als Scherz gedacht, aber dann schaffte es die Petition für Waffen beim Parteitag auf über 50.000 Unterstützer und sorgte landesweit für Schlagzeilen. Und sogar Donald Trump hat darüber nachgedacht.
1.4.16

Foto: Emily Stanchfield | Flickr | CC BY 2.0

Diese Woche hat ein anonymer Internetnutzer, der sich selbst „Hyperationalist" nennt, eine Change.org-Petition ins Leben gerufen, um das Tragen von Waffen beim diesjährigen Parteitag der Republikaner zu erlauben. Sein Vorschlag ging viral, schaffte es auf über 50.000 Unterzeichner und sorgte für einen Haufen ungläubiger Nachrichtenmeldungen. Einige gingen davon aus, dass es sich bei der Petition um einen Witz handelt oder unterstützten sie nur scherzhaft, andere wiederum nahmen den Vorschlag allerdings ernst genug, dass Donald Trump bekannt gab, er würde die Idee in Erwägung ziehen. Am Ende sah sich sogar der Secret Service zu der Klarstellung genötigt, dass Waffen auf dem Parteitag weiterhin verboten bleiben werden.

Wie sich jetzt herausstellte, handelte es sich bei der Petition um die Satire-Aktion eines selbsternannten Liberalen. Man kann es den Menschen aber im Jahr 2016 auch kaum zum Vorwurf machen, nicht mehr akkurat zwischen Satire und Wahrheit unterscheiden zu können. Auch wenn der Vorschlag nicht ernst gemeint war, hat die Petition für einen Aufschwung in der amerikanischen Waffendebatte gesorgt, was auch an Kolumnen in der New York Times und den New York Daily News zu sehen ist.

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Hier berichtet der Hyperationalist—der seine Identität weiterhin geheim halten möchte—, wie sich alles abgespielt hat.

Es begann alles als Scherz. Ich schaute mir eine Debatte der Republikaner an—eine besonders umkämpfte—und es dämmerte mir, dass der bevorstehende Parteitag ziemlich hitzig werden würde. Ich dachte mir also: „Was würden die wohl sagen, wenn dort das Tragen von Waffen erlaubt wäre?" Dieser Gedankengang konkretisierte sich dann in Gestalt der Petition. Sie war eigentlich nur als weitere kleine satirische Spielerei gedacht, die ich mit ein paar Menschen teilen würde, die sie dann wiederum mit ein paar Menschen teilen würden und die dann langsam wieder verschwinden und einen langsamen Social-Media-Tod sterben würde.

Ich hatte die Aktion nur als kleinen Abstecher von dem gesehen, was ich normalerweise mache: Tweets und Facebook-Posts für meinen kleinen sozialen Zirkel schreiben, den ich manchmal damit unterhalte und manchmal damit nerve. „Eigentlich nur ein kleiner Schritt weiter", dachte ich. Rückblickend lässt sich die Aktion wohl eher im Bereich der Performance-Kunst anordnen.

Mein Ziel war es gewesen, etwas in den Worten von jemandem aus dem Lager der Waffenbefürworter zu schreiben. Es sollte aber nicht aus der Perspektive von jemandem sein, der total rechts steht und entsprechend leicht zu karikieren ist. Ich stellte mir viel mehr jemanden vor, der auch als Gast bei Fox News auftreten könnte, und habe versucht, das sprachlich auch so durchzuziehen. Ein paar kleine Kniffe, wie das Großschreiben von „HUSSEIN" in „Barack Hussein Obama", konnte ich mir allerdings nicht verkneifen—auch als Hinweis für Menschen, die meinen Scherz verstanden. Ich habe mich beim Schreiben also in die Perspektive eines Republikaners versetzt, um nicht deren Prinzipien zum Waffenbesitz zu widersprechen.

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Der Waffenbesitz ist ein einzigartig irrationaler Aspekt unseres amerikanischen Lebens und es ergibt in gewisser Weise Sinn, dass wir unsere Fähigkeit eingebüßt haben, vernünftig darüber zu sprechen. Was ich wirklich nicht verstehe, ist, dass Donald Trump oder Ted Cruz den Anschlag von San Bernardino so ausschlachten können, bei dem 14 Menschen getötet wurden. Das war eine Tragödie, keine Frage, aber am Ende ist es mir doch egal, von wem ich erschossen werde. Es könnte ein Muslim sein, ein Rassist, ein Depressiver oder ein Kind, das eine Waffe in der Handtasche seiner Mutter findet. Ich will nicht, dass irgendjemand erschossen wird—egal, aus welchen Gründen. Republikaner wie Trump und Cruz scheinen sich nur für Massenschießereien zu interessieren, wenn sie die Menschen nicht mögen, die sie ausführen.

Wie dem auch sei, als ich die Petition dann teilte, breitete sie sich wie ein Buschfeuer aus. Ich glaube, den ersten großen Anstoß bekam sie von Brave New Films, die irgendwie darauf gestoßen waren. Ich habe vergessen, wie sie sich von da an weiter verbreitet hat, aber die Shares wurden mehr und mehr. Als die Petition dann 5.000 Unterstützer hatte, bekam ich es etwas mit der Panik zu tun.

Ich war auch etwas enttäuscht von den Medien, die über die Petition berichteten, als wäre sie real und würde rechtliche Konsequenzen nach sich führen, wenn sie eine Zahl von X Unterschriften überschreitet. Einerseits freute ich mich, dass manche meine Idee dahinter verstanden haben und die richtigen Fragen stellten, auf der anderen Seite sah ich aber viele Meldungen, die einfach nach Copy-Paste-Methode Informationen von anderen Seiten klauten—so in der Art von: „Das geht gerade ab und sieht irgendwie spannend aus." Ich finde, dass sich viele zu sehr auf die Suche nach dem Urheber versteift und es damit nicht geschafft haben, die eigentliche Fragestellung dahinter zu adressieren.

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Ich hatte auch den Eindruck, dass die Unterstützung mehrheitlich von Menschen kam, die die Petition als Satire erkannt hatten. Mit Sicherheit kann ich das natürlich nicht sagen und ich werde auch bestimmt nicht die 50.000 Kommentare durchforsten, um der Sache auf den Grund zu gehen. Was die Vorwahlen angeht, bin ich ziemlich neutral. Ich mag Bernie Senders und habe für ihn gespendet. Ich habe aber auch ein bisschen Geld an Hillary Clinton gespendet. Die Republikaner wollen jetzt sagen: „Seht doch, wer damit angefangen hat!" Aber wen interessiert das? Stimmst du dem jetzt zu oder nicht?

Entweder machen Waffen dein Leben sicherer oder oben nicht. Wenn sie für Sicherheit sorgen—und Republikaner sind fest davon überzeugt, sie wettern ständig gegen „waffenfreie Zonen"—, dann würden sie folglich auch den Parteitag sicherer machen. Warum also dort keine Waffen erlauben? Ist das vielleicht ein Eingeständnis ihrerseits daran, dass es doch unsicher sein könnte, wenn viele bewaffnete Menschen an einem Ort zusammenkommen?

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Für 95 Prozent aller Menschen sind Waffen auf Parteiversammlungen keine gute Idee—vor allem bei der aggressiven Stimmung, die dieses Jahr herrscht. Können wir denn dann nicht von da auf andere Zusammenhänge schließen und schauen, ob nicht ein paar Lehren daraus zu ziehen sind?

Ich würde mir wünschen, dass wir eine Unterhaltung über Waffen führen, in der die einzigen Optionen nicht bloß „Nehmt allen die Waffen weg!" und „Alle können so viel Waffen haben, wie sie wollen!" sind. Mir gefallen generell die Vorschläge mit der Beschränkung auf Waffen mit kleinen Magazinen oder sogenannte „Smart Guns", aber ich habe jetzt kein bestimmtes Gesetz im Kopf, das ich gerne durchgesetzt sehen würde. Ich will einfach nur, dass wir eine rationale Diskussion über Waffen führen können. Das war alles, was ich damit bezwecken wollte.

Du kannst mehr vom Hyperationalist auf seinem Blog und bei Twitter lesen.