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'Yves Saint Laurent' ist der Ausverkauf der Wollstrumpfhosen

Schaut Yves Saint Laurent im Original, auch wenn ihr kein Französisch könnt. Viel Pathos und ohne Hosenträger.
24.4.14

Ende der Achtziger fand ich die Mode der Sechziger super. Dann mit zirka 14 habe ich mich kurz wegen Ambra Angiolini aus der italienischen Nachmittagsshow „Non é la RAI" für schwarze Miniröcke mit Hosenträgern stark gemacht. Danach gab's Fashion für mich erst wieder, als eine talentierte Schweizer Modestudentin bei mir einzog.

Trotzdem bin ich Wiederholungstäterin: Mir fehlt oft die Inspiration, meistens die Zeit und immer die Geduld für „fancy Outfits" und der Hot-Dog-Senf auf den Fingern wird deshalb meist nur in ausgewaschene Jeans geschmiert. Demnach muss ich nicht betonen, dass ich nicht unbedingt die Kernzielgruppe des FilmsYves Saint Laurent bin.

Jemand wie dieser 2008 verstorbene Modedesigner gibt einiges an biografisch-aufregendem Material her. Doch denkt man sich dann bald im Film: Ja, eh klar, steile Karriere ab 18, erst ein hartes Umfeld, dann das coole Umfeld und alles resultiert in krassen Krisen. Egal, wie wichtig er war, ich würde mir solches Pathos und das dramatische Gewicht einer Barockperücke—wie sie in diesem Biopic herbeizitiert werden—eher von einer Oper wie „Tosca" oder einer Marquez-Gedenkfeier erwarten.

Die Versteigerung der gemeinsamen Kunstsammlung von Yves Saint Laurent und seines Lebensgefährten Pierre Bergé als Metapher für den „Ausverkauf" eines Lebenswerks, der gesamten Modewelt und der Liebe geht ja noch. Aber es wird zusehends anstrengend, wenn man diesen Sell-Out-Prozess durch regelmäßige Verknüpfungen mit Originalaufnahmen, -skizzen, Fotos und ähnliche Effekthascherei passieren muss und der Filmfluss auf die Art unterbrochen wird. Vielleicht ist Jalil Lespert ein Fan von „Interdisziplinarität" oder, weil zum ersten Mal hauptverantwortlich für Regie und Drehbuch, einfach nur übereifrig. Mode, Kunst, Burnout und Trauer zu gleichen Anteilen unter einen Hut zu bringen IST nun mal schwierig.

Pierre Niney in der Rolle von Saint Laurent ist zwar ein echter Glücksgriff und hat etwas sehr Humorvolles—wobei hier keinem wirklich zum Lachen zumute ist—und falls doch, sorgt der Soundtrack dafür, dass Heiterkeit im Keim erstickt wird. Die Lichtstimmungen, die Lespert in den unterschiedlichen Wohndomizilen von Saint Laurent und Bergés eingefangen hat, sind ziemlich super, selbst wenn manche Einstellungen an „Universum" auf ORF 2 erinnern.

Ich schaue mir Yves Saint Laurent sicher noch ein drittes Mal an. Der erste Versuch—während eines Langstreckenfluges, übermüdet, mit rudimentären Französischkenntnissen und eben im Originalton—war eher die Wollstrumpfhose unter den Filmerlebnissen. Warm, praktisch und von der Ferne nichts einzuwenden.

Aber da auch der zweite Versuch, mit englischen Untertiteln, kein „Aha"-Erlebnis war, muss ich wohl einfach einen dritten Anlauf nehmen, um doch noch die richtige Zielgruppe werden. Oder wird man hier in China (Gruß aus Peking allesamt!) in kürzester Zeit nicht nur allergisch auf Haute Couture, sondern auch auf solche pathetischen Wollstrumpfhosen.

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