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MDMA per Crowdfunding

Per Crowdfunding wollen zwei norwegische Wissenschaftler genug Geld einsammeln, um kiloweise Drogen herzustellen—einmal für die Wissenschaft, und andererseits zum Spaß.

von Matern Boeselager
17 April 2015, 3:49pm

Magic Mushrooms enthalten Psilocybin, und das macht ziemlich high. Foto: imago/Westend61

Was macht man, wenn man eine gute Idee hat, aber kein Geld, sie umzusetzen? Crowdfunding natürlich. Und warum sollte etwas, das schon riesige Kartoffelsalatpartys und Handtaschenpenisse auf den Weg gebracht hat, nicht auch der Wissenschaft dienen können?

Mittlerweile ist es gar nicht mehr so ungewöhnlich, dass Wissenschaftler (vor allem in dem Bereich) auf Crowdfunding zurückgreifen, um Forschungen zu betreiben, für die sie kein Geld vom Establishment erwarten können—an denen die breite Masse aber trotzdem ein großes Interesse hat. Vor Kurzem hat Dr. David Nutt es so geschafft, die ersten Neuro-Scans von Gehirnen auf LSD zu finanzieren.

Zwei norwegische Wissenschaftler jedenfalls sind überzeugt, dass sie mit Crowdfunding die Welt verändern können. Das Projekt von EmmaSofia, der Initiative des Forscherpaars Pål-Ørjan Johansen und Teri Krebs, ist relativ simpel: Wenn sie genug Geld eingesammelt haben, dann werden sie davon so viel MDMA und Psychedelika produzieren, wie sie können.

Unseren Tribut an Sihkal Shulgin, den Mann, der das Ecstasy erfunden hat, kannst du hier sehen:

Über Pilze gibt es natürlich auch ein Video: Hamilton Morris und das Pilzverbot

Der Grund: Die beiden glauben, dass sowohl MDMA als auch alle Psychedelika einen enorm positiven Beitrag zur Heilung aller möglichen Beschwerden leisten könnten. Vor allem bei Suchterkrankungen seien diese Stoffe eine echte Alternative zu herkömmlichen Behandlungsmethoden (Johansen war selbst Alkoholiker und behauptet, sich selbst geheilt zu haben, indem er ein Jahr lang jeden Sonntagmorgen halluzinogene Pilze aß. „Psychedelika haben mich dazu gebracht, über mein selbstzerstörerische Verhalten nachzudenken, dem ich vorher nicht ins Auge sehen wollte", schreibt er in einem Bericht über diese Zeit.)

Für behandelnde Ärzte und Forscher ist es allerdings schwierig, diese Stoffe zu bekommen, da sie kaum kommerziell hergestellt werden—was wiederum daran liegt, dass sie schon lange patentfrei und damit für Pharmakonzerne unrentabel sind. Daher wollen Johansen und Krebs einfach eine große Menge davon produzieren, um MDMA und Psilocybin (der Wirkstoff, der für die „Magic" in „Magic Mushrooms" verantwortlich ist, wie Johansen mir erklärte) mehr oder weniger frei zur Verfügung zur stellen. Gleichzeitig setzen sie sich auch für eine Legalisierung dieser Stoffe ein.

Diesen Freitag hat die Kampagne schon fast 20.000 Dollar eingesammelt, zwei Drittel des Gesamtziels (die beiden hatten dieselbe Kampagne schon einmal gestartet, sich mit dem Ziel von 1 Million Dollar aber wohl etwas übernommen. Jetzt wollen sie das Geld etappenweise einsammeln). Ich habe Johansen angerufen, um herauszufinden, wie ernst er das meint

Pål-Ørjan Johansen und Teri Krebs

Herr Johannsen, wie läuft die Kampagne?
Wir sind sehr zufrieden und wollen uns bei allen Spendern bedanken, wir haben schon über die Hälfte unseres Ziels erreicht. Und wir sind glücklich über das Interesse und die Berichterstattung in den Medien, sowohl über die Kampagne als auch über unsere Forschungen. Offenbar wissen viele Menschen das, was wir tun, zu schätzen und unterstützen.

Ursprünglich haben Sie ja versucht, eine Million Dollar einzusammeln. Die aktuelle Kampagne wirbt jetzt nur noch um 30.000 Dollar. Mussten Sie ihre Erwartungen zurückschrauben?
Wir wollten ursprünglich auch unsere Kampagne finanzieren, Psilocybin und MDMA zu legalisieren. Jetzt haben wir uns entschlossen, das Ziel erstmal auf die Produktion zu beschränken.

Wenn Sie das Geld zusammen haben, werden Sie also mit der Produktion anfangen. Ist das legal?
Ja. Es ist ja nicht verboten, sowohl Psychedelika als auch MDMA in der Medizin einzusetzen. Das war noch nie verboten, ebensowenig wie Diamorphin oder Amphetamine. Man kann diese Stoffe „Off Label" verwenden.

Das Problem mit Psilocybin und MDMA ist, dass die Patente auf diese Stoffe abgelaufen ist. Deshalb hat die Pharmaindustrie relativ wenig wirtschaftliches Interesse an ihnen.

Wo können Ärzte diese Stoffe denn im Moment beziehen?
Im Moment gibt es sie nicht im Standard-System. Man kann kleine Mengen von ein paar Universitätslaboren oder von profitorientierten Pharma-Unternehmen vertrieben, aber sie sind extrem teuer und unterliegen nicht der Standard-Qualitätskontrolle für Medikamente der Weltgesundheitsorganisation. Wenn sie einfacher zu bekommen wären, wäre es auch realistischer, dass Ärzte sie verschreiben.

Das war bis jetzt das Problem. Das Ziel dieser Kampagne ist, MDMA und Psychedelika zu synthetisieren und die medizinische Infrastruktur zu erweitern, so dass man diese Stoffe in der Apotheke kaufen kann. Wenn ein Arzt einen Patienten hat, der Probleme damit hat, mit dem Rauchen aufzuhören, oder Alkoholiker ist, könnte er beantragen, diese Stoffe von einer Apotheke zu bekommen, die sie dann von EmmaSofia beziehen würde.

Abgesehen davon, dass sie Spaß machen: Haben Psychedelika wirklich so einen großen medizinischen Nutzen?
Generell gibt es einen großen Bedarf für zusätzliche Behandlungsmethoden bei Suchtkranken. Das geht von Heroin über Alkohol bis zu Zigaretten, und es gibt sehr viele Anzeichen dafür, dass Psychedelika dabei helfen können—besonders bei Alkohol.Wir haben zum Beispiel eine Meta-Analyse über den Nutzen von LSD bei der Heilung von Alkoholismus gemacht.

Im Gegenzug ist der Gebrauch von Psychedelika sehr risikoarm. Es gibt keine Daten, die darauf hinweisen, dass die öffentliche Gesundheit leiden würde, wenn der Psychedelika-Konsum zunimmt. Es gibt auch keine Anzeichen, dass der Konsum dem einzelnen gesundheitlich mehr schaden könnte als zum Beispiel Fahrradfahren oder Fußballspielen.

Weshalb sind sie dann verboten?
Das Verbot ist ein Fehler der Geschichte, der auf vielen Missverständnissen beruht. Die Menschen nehmen an, dass die Drogenpolitik auf soliden Erkenntnissen fußt, aber das stimmt einfach nicht. Was Psychedelika und Drogen im Allgemeinen angeht, geben die Gesundheitsbehörden statt statistischer Informationen immer nur die Worst-Case-Szenarien heraus—um ihre Prohibitionspolitik zu legitimieren und den Menschen Angst vor Drogen zu machen.

Unser Rechtsberater Ketil Lund, der ein ehemaliger Richter am norwegischen Verfassungsgericht und Mitglied der Internationalen Juristenkommission ist hat erklärt: "Das Verbot von Psychedelika, das vor allem auf Unwissen und Vorurteilen beruht, könnte sehr wohl einen unverhältnismäßigen Eingriff in das Recht auf freie Religionsausübung, Glaubenswahl und das Privatleben darstellen, die alle von Menschenrechtsabkommen geschützt sind."

Dabei wäre es gut für unsere Kultur, wenn die Menschen Psychedelika—die nicht abhängig machen—einsetzen würden, statt zu trinken. Stattdessen setzen sie von Strafverfolgung bis zu Gerichten alles ein, um die schädlichste aller Drogenkulturen zu erhalten—das Alkoholtrinken.

Sind Sie optimistisch, dass Sie ihr Ziel erreichen?
Zuerst einmal ist es wichtig, dass so viele Leute ihre Unterstützung für dieses Anliegen ausdrücken. Ich glaube, dass es in der Zukunft eine Menge Organisationen geben wird, die diese Stoffe produzieren.

Wir haben jetzt 18.000 Dollar in 15 Tagen eingesammelt. Wenn das so weitergeht, können wir in einem Jahr mit der Produktion beginnen.

Wäre das dann Ihre Hauptaufgabe?
Die Produktion würde eine Firma übernehmen, die die Kapazitäten und Befugnisse dazu hat. Wir würden weiter für die Rechte der Menschen kämpfen, die es lohnenswert finden, Psychedelika zur persönlichen Entwicklung zu benutzen. Millionen Menschen benutzen Psychedelika außerhalb des medizinischen Kontexts. In den USA hat einer von fünf Erwachsenen Erfahrung mit diesen Stoffen.

Es gibt keinen medizinischen Grund für ein Verbot von Psychedelika und keine Beweise, dass es sinnvoll oder auch nur effektiv ist. Es ist also unlogisch, und es verstößt gegen die Menschenrechte. Darum kämpfen wir dagegen.