Tennis in der Wüste, Wasserrutschen und der Nahostkonflikt

Daniel Tchetchik dokumentiert die Hitze Israels.

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Sep. 7 2015, 4:00am


In dem neu erschienenen Fotobuch Sunburn (Kehrer Verlag, 2015) des Fotografen Daniel Tchetchik geht es vor allem um die Erforschung der Beziehung zwischen einem Fotografen und einem Land, und zwar mithilfe des übergeordneten Themas Hitze. Alles begann 2008 in Israel, kurz vor dem Krieg im Gazastreifen: Tchetchik fing im Bezug auf sein komplexes Verhältnis zu seinem Heimatland Israel damit an, Bilder zu schießen. Dabei setzte er sich zum Ziel, das Bewusstsein für das politische und reale Umfeld, für die schwindenden Ressourcen und für die Auswirkungen der Hitze auf das menschliche Befinden zu stärken sowie Fragen zu diesen Themen aufzuwerfen. Deshalb ging er einfach los und erforschte seine Umgebung. Dabei genoss er die so gesehen willkürliche Suche fernab des konventionellen Fotojournalismus, bei dem man eher losgeschickt wird, um bestimmte Ereignisse zu dokumentieren.

Nach einem langen Tag des Fotografierens kehrte Tchetchik zu seinem Auto zurück und musste dort feststellen, dass er aus Versehen mehrere Rollen Film in der extremen Hitze des Sommers liegen gelassen hatte. Nach dem Entwickeln dieser Filme sollte sich herausstellen, dass die sengenden Temperaturen auf besagten Rollen stellenweise massive Brandflecken hinterlassen hatten. Dieser Umstand resultierte in schneeflockenähnlichen „Narbenmustern", die sich in die Emulsion ätzten und auf den Negativen verteilten. Egal, ob nun Brandflecken und Narben oder Wärme und Fürsorge, die Auswirkungen der Sonne des Nahen Ostens auf die dortige Landschaft und die dort lebenden Leute waren jetzt auch leibhaftig in die Fotos von Daniel Tchetchik integriert—eine Fügung des Schicksals, die die Arbeit des Fotografen perfekt repräsentiert.

Mehr von Tchetchiks Werken findest du hier. Außerdem ist er der Chefredakteur des Fotoblogs der israelischen Zeitung Haartez.

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