FYI.

This story is over 5 years old.

Stuff

So wirst du den ganzen Dreck wieder los, den du dir diesen Sommer reingezogen hast

Drogen, fettiges Essen, Eis, Alkohol. Wir haben uns mit einer Ernährungsspezialistin darüber unterhalten, wie man sich von einem zu exzessiven Sommer erholt.
7.9.15

Foto: Robert Foster

Mann, das war doch mal wieder ein erfolgreicher Sommer, oder? Denk doch bloß mal an all die im Park verbrachten Tage voller verdächtig günstigem Grillfleisch, Bier vom Späti um die Ecke und Discostaub, den man sich eigentlich gar nicht leisten kann—ein echt wilder Ritt. Leider klopft jetzt so langsam der Herbst an die Tür und es ist an der Zeit, sich wieder der grausamen Realität des Alltags zu stellen.

Nachdem du den Großteil deines Urlaubs damit zugebracht hast, ganz der sommerlichen Dekadenz zu frönen, ist es jetzt wahrlich keine leichte Aufgabe, deinen Körper wieder in einen Tempel der Gesundheit zurück zu verwandeln. Deshalb habe ich mich mit der Ernährungsspezialistin Cristina Muñoz Sedeño in Verbindung gesetzt, um mir ein paar Tipps zu holen, wie man sein vom Partyspaß verdorbenes Inneres wieder hinbiegt.

Anzeige

VICE: Sie als Spezialistin, was sind die größten Sommerexzesse?
Cristina Muñoz Sedeño: Zuallererst sollten sich die Leute wirklich mal fragen, warum sie ihren Urlaub als Ausrede für solche Exzesse benutzen. Viele Menschen sehen ihren Urlaub als Möglichkeit an, ihrem normalen Leben sowie ihrem Alltag zu entfliehen. Ich bin der Meinung, dass man mal darüber nachdenken sollte, ob man wirklich das Leben führt, das man auch will. Falls man diese Frage mit Nein beantwortet, dann muss man herausfinden, welches Leben man gerne haben möchte. Sobald man das weiß, kann jeder Tag wie Urlaub sein.

Das klingt vielleicht utopisch, ist es aber eigentlich gar nicht. Es ist zwar schön, dass wir den Sommer dazu nutzen, Dinge zu tun, die den Rest des Jahres so nicht möglich sind—aber wir sollten uns auch nicht wünschen, vor unserem Leben davonrennen zu können. Wenn wir Drogen nehmen, Alkohol trinken, rauchen oder zu viel essen, dann wollen wir damit Gefühle erzeugen, die uns dabei helfen, das echte Leben zu vergessen. Diese Aktivitäten lösen unsere Probleme allerdings nicht, sie machen sie eigentlich nur noch schlimmer. Nach jeder durchzechten Nacht folgt ein Kater und damit auch das Bedürfnis, sich mit Zucker, Kohlenhydraten, gesättigten Fetten, Schmerzmitteln und verschreibungspflichtigen Medikamenten vollzustopfen. Und damit wird nicht nur der Rauschzustand verschlimmert, sondern auch die Blutzuckerwerte nach oben getrieben.

Anzeige

OK. Aber nehmen wir mal an, dass ich es in den vergangenen paar Wochen mit dem Drogenkonsum ein wenig übertrieben habe. Was sollte ich dann jetzt machen?
Du solltest dich fragen, warum du überhaupt Drogen nimmst. Machst du das aus Spaß oder rennst du vor irgendetwas Tieferliegendem weg? Wenn du diese Frage beantwortet hast, solltest du aufhören, Drogen zu konsumieren. Der Entgiftungsprozess setzt sofort ein, wenn man aufhört, seinen Körper zu vergiften. Unsere Leber und unsere Nieren sind nicht in der Lage, den Körper zu reinigen, wenn sie ständig damit beschäftigt sind, solche schädlichen Substanzen zu verarbeiten.

Eine Veränderung der Ernährung oder des Lebensstils kann dabei helfen, unterschiedliche Süchte abzulegen. Wir können die Serotonin- und Endorphin-[also die Neurotransmitter, die einen glücklich machen] selbst erhöhen—und zwar nicht nur mithilfe von chemischen Mitteln, sondern auch ganz natürlich. Eine auf Obst und Gemüse basierende Ernährung hilft dem Körper dabei, chemisch gesehen gut zu funktionieren. Die darin enthaltenen Vitamine und Nährstoffe werden den Reinigungsprozess beschleunigen. Wenn man das mit verschiedenen Ölen verbindet, dann tut man seiner Darmflora damit nur Gutes. Dadurch erhält man im Gegenzug seine natürliche Energie, Vitalität und Motivation wieder. Aber noch viel wichtiger: Man fühlt sich in seinem Körper wieder wohl.

Foto: Peter Dench

Sollte ich zusätzlich noch ins Fitnessstudio gehen?
Man sollte vermeiden, auf irgendwelche Kurzdiäten hereinzufallen oder eine Gym-Mitgliedschaft abzuschließen, nur um dann einen Monat später nicht mehr hinzugehen. Was wirklich funktioniert, ist eine Veränderung der langfristigen Verhaltensweisen. Man muss den Quellen der Giftstoffe abschwören, ohne sich dabei zu sehr zu verbeißen. Man muss chemische Aufputschmittel, Alkohol, Limonaden, abgepacktes Essen und Gluten weglassen und mehr Obst und Gemüse konsumieren. Ein guter Anfang sind Säfte oder grüne Smoothies zum Frühstück. Danach kann man immer weitergehen, bis man irgendwann rohe Salate zu Mittag und zu Abend isst. Rohkost wirkt nicht nur stärkend, sondern ist auch noch reich an Nährstoffen und versorgt den Körper mit einem Haufen Vitamine und Mineralstoffe.

Alles klar. Sollte man sonst noch irgendetwas Bestimmtes essen?
Direkt nach dem Aufstehen presst man eine halbe Zitrone über einem Glas Wasser aus und verrührt darin noch einen Teelöffel zerdrücktes Weizengras oder Chlorella. Zwischen diesem Getränk und dem Frühstück sollte jedoch mindestens eine halbe Stunde liegen. Wie bereits gesagt, könnte ein guter Start in den Tag aus einem grünen Smoothie oder einem Saft bestehen. Grüne Blätter sind voller Chlorophyll, was sowohl das Blut als auch das Gewebe reinigt und regeneriert. Außerdem enthalten sie eine Menge Ballaststoffe, die reinigend wirken und voller Nährstoffe stecken.

Anzeige

Zu Mittag gibt es dann einen schönen Salat aus verschiedenem Grünzeug und Gemüse, gefolgt von einem Teller glutenfreier Körner und Samen (Hirse, Buchweizen, Quinoa, Amarant, brauner Reis) mit Gemüse. Vielleicht gehen auch ein paar mit Quinoa gefüllte Tomaten. Zum Abendessen bereiten wir schließlich einen Salat aus Äpfeln, Sellerie, Walnüssen und geriebener Karotte zu—inklusive einem Dressing aus Zitronensaft, Kreuzkümmel, Ingwer und etwas Agavensirup. Kürbissuppe mit einem Schuss Kokosmilch ist ebenfalls sehr gut.

Munchies: Aktivkohle ist der neueste Gesundheitstrend aus den USA

Wie lange dauert es, bis man sich von einem durchgefeierten Sommer erholt hat?
Das kommt ganz auf die Intensität der Intoxikation an. Heutzutage haben sich in jedem Körper viele Giftstoffe angesammelt—nicht nur wegen eines witzigen Sommers, sondern auch aufgrund einer jahrelangen schlechten Ernährung, mit Chemikalien vollgestopfter Hygieneprodukte und Umweltverschmutzung. Es reicht also nicht, nur eine einwöchige Detox-Kur zu machen. Man muss seinen Lebensstil progressiv umgestalten, um seinen Gesundheitszustand zu verbessern und sein langfristiges Wohlergehen zu gewährleisten.

Sollte das alles auf einmal oder eher stufenweise passieren?
Plötzliche Veränderung ist niemals gut. Darum funktionieren Diäten auch nicht wirklich, denn sie machen uns nur hungrig und verursachen Angstzustände. Wenn es um das Eliminieren von Giftstoffen geht, dann sollte man langsam vorgehen und nach und nach mehr Gemüse und Rohkost in seine Ernährung einbauen. Für fast jedes Nahrungsmittel ist irgendein gesundes Ersatzprodukt verfügbar. Sobald man „sauber" lebt und seinen Körper reinigt, werden Giftstoffe eliminiert. Dadurch können allerdings Dinge wie Müdigkeit, Kopfschmerzen oder sogar Übelkeit verursacht werden, denn die Giftstoffe befinden sich in unserem Blut. Es ist also sehr ratsam, eine Detox-Kur stufenweise anzugehen.

Anzeige

Und wie bringt man seinen Schlafrhythmus wieder in Ordnung?
In jedem Menschen befindet sich eine biologische Uhr, die unsere Körperfunktionen reguliert und mit unseren Wach- und Schlafzuständen übereinstimmt. Nachts werden diese Funktionen also durch die Abwesenheit des Tageslichts auf ein Minimum zurückgefahren. Wenn wir diesen Zeitraum also nicht dazu nutzen, uns auszuruhen, dann wirkt sich das negativ auf die Gesundheit aus.

Um die circadiane oder biologische Rhythmik—die im Idealfall von der Sonne gesteuert wird—wieder in Ordnung zu bringen, empfehle ich, vor dem Sonnenuntergang zu Abend zu essen, denn da ist der Metabolismus immer noch aktiv, um das Essen zu verdauen. Zwischen dem Essen und dem Zubettgehen sollten außerdem mindestens zwei bis drei Stunden liegen, damit man sich nicht mit vollem Magen hinlegt. Dazu sollte man auch noch vermehrt Dinge essen, für deren Verdauung nicht viel Energie gebraucht wird—zum Beispiel Salate oder Gemüse (gedünstet, gebacken, als Suppe oder als Eintopf).

Es ist ebenfalls ganz praktisch, sich vor dem Schlafen zehn Minuten zu dehnen und danach noch mal fünf Minuten tief durchzuatmen oder zu meditieren. Außerdem sollte Koffein gemieden und abends nicht mehr viel getrunken werden.

Noisey: Wir haben einen Arzt gefragt, warum es dir nach einem Festivalwochenende so beschissen geht

Welche Auswirkungen haben solche Exzesse auf den Körper?
Die Anhäufung von Giftstoffen, die fehlenden Nährstoffe und die Veränderung der biologischen Rhythmen haben alle negative Auswirkungen—und zwar sowohl auf den Körper als auch auf den Gemütszustand. Einige der Folgen, mit denen man rechnen kann, sind Müdigkeit, Wassereinlagerungen, ein erhöhter Körperfettanteil, ein strenger Körper- und Mundgeruch, ein geschwächtes Immunsystem, Kopfschmerzen, Magenprobleme Angstzustände sowie Depressionen.

Ich habe auch gehört, dass Fasten gut sein soll. Stimmt das?
Wie schon mehrfach erwähnt, muss eine Detox-Kur Schritt für Schritt erfolgen—vor allem wenn sich extrem viele Giftstoffe im Körper befinden. Das Fasten zeigt bei der Entfernung dieser Giftstoffe am meisten Wirkung und wurde schon seit jeher zur Krankheitsbekämpfung eingesetzt. Wenn der Körper nicht mit der Verdauung beschäftigt ist, dann kann er die vorhandene Energie darauf verwenden, angestaute Giftstoffe abzubauen. Wenn man sich dabei jedoch richtig schlecht fühlt, sollte man das Fasten sofort abbrechen.

Vielen Dank, Cristina.