Wie du Halloween erfolgreich aus dem Weg gehst
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HORROR

Wie du Halloween erfolgreich aus dem Weg gehst

Du bist also ein Halloween-Grinch. Das Kürbisfest gänzlich zu meiden ist zwar nicht einfach, aber dennoch möglich. Ein paar Tipps.
30 Oktober 2016, 6:00am

Endlich wieder Club-Events mit verranzter Spinnweben-Deko und Kunstblut, endlich wieder Idioten als Heath Ledger als der Joker, endlich neue Idioten als Jared Leto als der Joker, endlich wieder Partyfotos von Heidi Klum, endlich wieder überall das _Stranger Things_-Logo und endlich wieder gestörte Clowns. Mal ehrlich, Halloween ist nicht gerade der beste Feiertag im Jahr.

Eigentlich ist Halloween sogar genau das Gegenteil davon—Gründe dafür gibt es viele. Einer davon sind die frischverliebten Herbst-Pärchen, die aufeinander abgestimmte Kostüme in Sexshop-Optik tragen. Ein anderer sind Kostüme generell. Wieder ein anderer ist der vorübergehend exzessive Gebrauch von Kürbis- und Geister-Emojis. Das einzig Positive, das mir auf die Schnelle einfällt, sind T-Shirts mit "It's Britney, Witch"-Aufdruck. Ansonsten bereitet mir Halloween ungefähr so viel Freude wie ein Song von Adele.

Zum Beispiel lebt man in ständiger Angst, dass Helene Fischer vielleicht doch noch überraschend ein Halloween-Album veröffentlicht und alle Songs daraus in der vierstündigen Sondersendung Die Helene Fischer Show: Halloween mit Helene Fischer zum Besten gibt, darunter eine "Everybody"-Performance mit den wiederauferstandenen Backstreet Boys, eine _Rocky Horror Show_-Musical-Einlage und "Thriller" im Duett mit einem Michael Jackson-Hologramm.

Sollten darüberhinaus tatsächlich Kinder bei mir anläuten und versuchen, mich zu trick-or-treaten, werde ich ihnen jedenfalls keine Süßigkeiten, sondern Krebs-Wurst und Zigaretten geben. Das nennt man Erziehung. Dem 31. Oktober aber gänzlich aus dem Weg zu gehen—oder ihn gar zu ignorieren—ist zwar nicht einfach, aber durchaus machbar. Ungefähr so.

Geh nicht fort

Jeder, wirklich jeder Club deiner Stadt wird irgendein leidiges Halloween-Clubbing ausrichten. Wenn du keine Lust auf mexikanische Zuckerschädel und farbige Kontaktlinsen hast, bitte—geh einfach nicht hin. Zwischen den ganzen Zombies und sexy Hexen wirst du dir in deinem Spielverderber-Kostüm nur blöd vorkommen, und die Antwortmöglichkeiten auf "He, warum bist nicht verkleidet?" sind nun mal leider begrenzt. Spar dir das. Überleg dir Alternativen. Fernsehlose Alternativen.

Kein Fernsehen

OK, pass auf: Wenn du das wirklich durchziehen willst, und nicht mal das geringste Anzeichen von Halloween mitbekommen möchtest, solltest du dir folgenden Leitsatz gut verinnerlichen—und ihn nebenbei gleich zum Lebens-Mantra machen: Trust no bitch. Niemand ist dein Freund, nicht mal Jennifer Love Hewitt—vor allem nicht Jennifer Love Hewitt. Zumindest nicht an Halloween.

Denn für viele große Fernsehanstalten ist er jetzt gekommen, der richtige Zeitpunkt für den zwanzigsten Charmed_-Marathon, _Ghost Whisperer in Dauerschleife und eigentlich jede Halloween-Spezial-Folge jeder Serie die jemals produziert wurde. Im Hauptabendprogramm gibt es meistens Filme mit Titeln wie Mutanten-Kürbisse aus dem Weltall, wenn ihr Glück habt Harry Potter. Ansonsten solltet ihr euch diesmal wirklich voll und ganz auf Netflix verlassen, no chill.

Mach einen Regentanz

Zugegebenermaßen—das kann etwas knifflig werden. Immerhin beherrscht nicht jeder die hohe Kunst der Regentänze. Trotzdem: Der diesjährige Halloween-Montag scheint ein angenehm trockener Herbsttag zu werden, also freie Bahn für alle Mileys dieser Welt, die glauben, Lil' Kim und ihre Titte wären ein Halloween-Kostüm. Du kannst sie nur aufhalten, indem du sie frieren lässt. Andererseits—a hoe never gets cold.

Hol dir die Utensilien, von denen du glaubst, dass sie benötigt werden—Blumenkronen, irgendwas mit Fransen, vielleicht ein paar Rasseln—und dann tanz, verdammt. Tanz um dein Leben. Tanz deinen Regentanz mit der Inbrunst eines Krochas. Versuch irgendwie, den heftigsten Donnersturm heraufzubeschwören, den diese Welt je gesehen hat. Im Grunde ist es deine einzige Chance, Halloween nicht nur zu vermeiden, sondern gänzlich zu verhindern.

Geh nicht einkaufen

Der 31. Oktober fällt dieses Jahr auf einen Montag. Der Dienstag danach ist wie immer ein Feiertag—das bedeutet: Halloween 2016 ist so was wie ein ohnehin schon gestörter Einkaufssamstag, nur in doppelter Ausführung, weil ja quasi davor und danach Sonntag ist. Um diesem Wahnsinn zu entgehen, musst du noch vor dem Wochenende damit anfangen, Vorräte anzusammeln. Besorg dir so viel Dosengulasch wie möglich und bete. Solltest du das hier lesen, während du gerade deine letzte Tiefkühlpizza isst, könnte es womöglich schon zu spät sein.

Shopping ist übrigens auch keine Option. Abseits der Lebensmittelindustrie schnalzt dir H&M nämlich die Skelett- und Fledermaus-Drucke ins Gesicht. Ich erinnere mich noch an diesen "This is my Halloween costume"-Pulli aus dem vorletzten Jahr, der wahrscheinlich Verkleidungs-Muffel wie mich ansprechen sollte, aber mit dieser Aufschrift hätte ich ihn eben nur an dem einen einzigen Tag im Jahr tragen können, und das stresst mich schon an meinem Weihnachtspulli viel zu arg.

Bleib einfach in deiner Wohnung

Wahrscheinlich die einfachste und zugleich auch die effektivste Methode. Einfach zuhause bleiben, Social Media weitgehend meiden, Halloween totschweigen. Kein einfaches Unterfangen, wenn man bedenkt, dass du ja weder fernsehen noch einkaufen darfst, aber hey, wenn du jemals einem Tinder-Date auf der Uni begegnet bist, den Namen deines Gspusis vergessen hast oder aus einem Bier voller Tschickstummel getrunken hast, ja, dann hast du wahrlich schon ganz andere Minenfelder gemeistert. Alternativ kannst du ja auch eine offizielle Halloween-Gegenveranstaltung organisieren, bei der jeder Vollkoffer, der trotzdem kostümiert andackelt, von Menschen in Unterhemden mit Erdnuss-Flips beworfen wird.

Sollten dich deine "Freunde" dennoch zum Rausgehen zwingen, kannst du ja immer noch so tun, als würdest du einfach überhaupt nicht verstehen, was eigentlich los ist. Wenn dir jemand "Happy Halloween!" zuruft, antworte mit einem verwirrten "Hä? Was? Wieso?" oder leg einen skeptischen Blick auf und sag "¿Qué?". Sei die personifizierte Ahnungslosigkeit. Und wenn dann irgendwann die versammelte Suicide Sqaud_-Mannschaft vor dir steht und nach dem Verbleib deines Kostüms fragt, versuch einfach, deine innere Rachel Dolezal zu channeln und antworte: "Ich ... Ich verstehe die Frage nicht." Gib diesen kostümierten Weirdos das Gefühl, _sie wären hier diejenigen, die sich abnormal verhalten. Irgendwann wird es denen dann auch zu blöd und du kannst in aller Ruhe das sein, was du nun mal bist: Ein Halloween-Grinch.

Franz auf Twitter: @FranzLicht


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