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Eine Frau hat sich absichtlich mit Abflussreiniger geblendet, weil sie eine Behinderung wollte

Jewel Shuping leidet unter Body Integrity Identity Disorder—einer umstrittenen, psychischen Störung, bei der Menschen vom dringenden Wunsch erfüllt sind, eine bestimmte Behinderung zu haben.

von Arielle Pardes
02 Oktober 2015, 9:30am

Titelbild: Screenshot von YouTube aus dem Barcroft TV Interview„I Made Myself Blind: Living With BIID"

Wie sie selber sagt, wollte Jewel Shuping schon immer blind sein. Die 30-Jährige aus North Carolina hatte zuvor schon Jahre damit verbracht, sich als Blinde auszugeben: Sie trug dunkle Brillen und benutzte einen Blindenstock. Als Kind starrte sie in der Hoffnung, ihre Augen zu schädigen, lange in die Sonne; mit 20 hat sie sich die Blindenschrift beigebracht.

Als Shuping endlich einen Psychologen fand, der bereit war, ihr bei der Erreichung ihres Zieles zu helfen, nahm sie die Gelegenheit wahr. In einem Interview mit Barcroft TV sagt Shuping, dass ihr der Psychologe betäubende Augentropfen verabreichte, bevor er dann in jedes Auge etwas Abflussreiniger gab und diese damit irreparabel schädigte.

Es dauerte sechs Monate, bis sie ihr Augenlicht vollkommen verlor—ein Auge musste am Ende sogar entfernt werden. Seitdem ist Shuping blind.

Bei Shuping wurde Body Integrity Identity Disorder (BIID) diagnostiziert—eine kontrovers umstrittene, psychischen Störung, bei der Menschen von dem dringenden Wunsch erfüllt sind, eine bestimmte Behinderung zu haben. Shuping ist davon überzeugt, dass sie dazu bestimmt war, blind auf die Welt zu kommen. Schon in ihrer Kindheit identifizierte sie sich mit Blinden. Für eine Körperintegritätsidentitätsstörung gibt es keine Heilung und einer Person dabei zu helfen, sich absichtlich eine Behinderung hinzuzufügen, ist ethisch heftig umstritten. Was Shuping angeht, sagt sie: „Ich habe mich absichtlich geblendet, aber ich habe nicht das Gefühl, dass ich eine andere Wahl hatte."