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Ein kanadischer Richter fragt Vergewaltigungsopfer, warum sie nicht „die Beine geschlossen halten“ konnte

„Sex und Schmerz gehören manchmal zusammen [und] das ist nicht unbedingt etwas Schlechtes."
12.11.15

Der kanadische Richter Robin Camp, zur Zeit an einem Bundesgericht in der Provinz Alberta, verdient im Jahr 300.000 Dollar und hat sehr große Macht innerhalb des kanadischen Rechtssystems. Als Richter sollte er grundsätzlich Verbrechensexperte und außerdem neutral sein. All dies sind Gründe, warum seine Aussagen über sexuelle Gewalt während eines Prozesses, dem er als Richter der Provinz vorstand, besonders erschreckend sind: Er fragte das mutmaßliche Opfer, eine 19-jährige obdachlose Frau, warum sie nicht „[ihre] Beine geschlossen halten" konnte, und sagte „Sex und Schmerz gehören manchmal zusammen [und] das ist nicht unbedingt etwas Schlechtes."

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Camp hat sich inzwischen für diese Aussagen entschuldigt, und auch für die Frage, warum sie während der Tat nicht ihren „Hintern hinunter ins Becken bewegt [habe], damit [der Mann sie] nicht penetrieren konnte". Der Richter wird auf eigene Kosten ein Sensibilitätstraining machen müssen. Am Montag leitete der kanadische Justizrat eine Untersuchung gegen Camp ein.

Während seine bisherige Karriere überprüft wird, darf Camp über keine Fälle urteilen, die mit sexueller Gewalt zu tun haben.

Der ehemalige Justizminister Peter Mackay bestellte Camp im Juni ins Amt. Zwar ist es extrem schwierig, einen amtierenden Bundesrichter des Amtes zu entheben (das müsste vom Parlament angeordnet werden), doch der Direktor des Justizrats Norman Sabourin sagte, manchmal würden Richter, gegen die eine Untersuchung eingeleitet wurde, freiwillig zurücktreten, weil sie einsähen, wie ernst ihr Fehltritt gewesen sei.

Eine der vier Anwältinnen, welche die Beschwerde gegen Camp einreichten, ist Alice Wooley, Juraprofessorin an der University of Calgary. Sie sagte, sie habe „in [ihrer] gesamten Laufbahn als Anwältin und Akademikerin noch nie so schlechtes Verhalten gesehen. Es kann dazu führen, dass die Menschen kein Vertrauen in die Gerichte haben."

Dieses mangelnde Vertrauen gibt es zwar bereits und man kann es nicht komplett Camp in die Schuhe schieben, doch sein Verhalten vor Gericht trägt zum Misstrauen und der Angst bei, die Überlebende sexueller Übergriffe in aller Welt gegenüber der Justiz haben. Seine Entschuldigung und seine Einwilligung, sich einem Sensibilitätstraining zu unterziehen, mögen ein kleiner Schritt in die richtige Richtung sein, aber seine Worte lassen sich damit auch nicht ungesagt machen.