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Hangover-News, 21. März 2016

In Istanbul sprengt sich ein Mann in die Luft, der Drahtzieher der Paris-Attentate soll weitere Anschläge geplant haben und Hulk Hogan bekommt 115 Millionen Dollar zugesprochen.
21.3.16

Wieder einmal erschüttert ein Selbstmordattentäter die Türkei

Ein Soldat sperrt den Tatort auf der Istiklal ab | Foto: imago | ZUMA Press

Die Istiklal in Istanbul ist eine der größten und belebtesten Fußgängerzonen der Welt. Dort sprengte sich am vergangenen Samstag ein Mann in die Luft, verletzte 39 Menschen und riss vier Personen mit in den Tod.

Nach Angaben der türkischen Regierung soll es sich bei dem Selbstmordattentäter um einen IS-Krieger gehandelt haben—der IS bekannte sich bislang nicht zu dem Attentat. Die Türkei ist momentan häufiges Anschlagsziel von Bombenattentaten, so erschütterten dieses Jahr schon mehrere Angriffe das Land. Durch die erhöhte Terrorwarnstufe in Istanbul wurde das für vergangenen Sonntag geplante Fußball-Derby zwischen Galatasaray und Fenerbahce abgesagt.

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Während die Türkei trauert, sollen in der syrischen IS-Hochburg Rakka 55 Menschen bei einem russischen Luftangriff getötet worden sein—vor allem sollen sich Zivilisten unter den Opfern befinden. Trotz der verordneten Waffenruhe dürfen Stellungen des Islamischen Staats weiter bombardiert werden.

In Wien demonstrieren wieder Tausende gegen die europäische Flüchtlingspolitik

Foto von Paul Donnerbauer

Im Zuge des internationalen Aktionstages gegen die Flüchtlingspolitik der EU sind am Samstag mehrere Tausend Menschen—laut den Veranstaltern circa 16.000—durch die Wiener Innenstadt gezogen, um für die Rechte von Menschen auf der Flucht zu demonstrieren. Gefordert wurden offene Grenzen und eine bedingungslose Aufnahme von Menschen, die vor Krieg, Terror und Leid flüchten. Auch die humanitäre Lage im improvisierten Flüchtlingslager in der griechischen Grenzstadt Idomeni wurde thematisiert.

Anders als bei den beiden großen Demonstrationen im Spätsommer und Herbst letzten Jahres, an denen zehntausende Wienerinnen und Wiener teilgenommen hatten, war die Stimmung bei der Demo an diesem Wochenende wesentlich kämpferischer—laut einem der Redner lag das vor allem an der „rassistischen Mobilmachung dieser Tage". Abgesehen von einer Provokation eines Mitgliedes der rechtsextremen Identitären, gab es am Samstag aber keine weiteren Zwischenfälle. VICE war vor Ort und hat berichtet.

Zwei Schweizer Bundesräte wollen die Grenzen für Flüchtlinge schliessen

Foto: Kecko / Flickr / CC BY 2.0

Nach Recherchen der Sonntagszeitung stellen die beiden SVP-Bundesräte Ueli Maurer und Guy Parmelin am Mittwoch den Antrag, im Fall einer erneuten Flüchtlingswelle im Frühjahr, die Schweizer Grenzen zu schliessen. Maurer ist im Bundesrat für den Grenzschutz zuständig, Parmelin würde als Armeeminister die zur Schliessung benötigten Soldaten stellen. Der Grenzschutz soll so berechtigt sein, Asylsuchende umgehend abzuweisen, anstatt sie ins Asylverfahren aufzunehmen. Dadurch käme es zu einem grundsätzlichen Wechsel in der Schweizer Flüchtlingspolitik.

Der Tessiner Lega-Staatsrat Norman Gobbi, der im November noch als möglicher SVP-Bundesrat gehandelt wurde, ist über die Pläne informiert und findet es „richtig, dass die zuständigen Minister diesen Schritt überlegen." Gobbi hat den Bundesrat schon brieflich vor einer Eskalation an der Schweizer Südgrenze im Tessin gewarnt. Widerstand gegen die Pläne von SVP und Lega sind von SP-Justizministerin Simonetta Sommaruga, zuständig für die Asylpolitik, zu erwarten.

Das Netz rätselt über diesen absurden Tweet der (Fake-)AfD

Habe meinen — Victoria Reith (@netterversuch)20. März 2016

Oft ist Grenze zwischen Realsatire und Satire bei Netz-Veröffentlichungen seitens der deutschen AfD nicht wirklich zu erkennen. Manchmal kann man seinen Ohren und Augen nicht trauen, was für grenzwertigen Parolen die Experten der Partei mal wieder auspacken. So auch geschehen am Wochenende, als der Twitter-Account AfD Bremen-Nord gegenüber der Heute-Show „macht euch ruhig lustig über uns…eure sendung setzen wir als 1. ab #heuteshow @ZDF" postulierte.

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Das Netz brach in Gelächter aus und angesichts der ansonsten auch recht abwegigen, ins satirische abdriftenden Postings des Accounts wurde gerätselt, ob nicht vielleicht mal wieder—so langsam könnte es langweilig werden—Jan Böhmermann seine Finger im Spiel hat, da er selbst gebürtig auch aus Bremen-Nord stammt. Kurze Zeit später gab er jedoch selber Entwarnung:

Der Account 'AfD Bremen-Nord' ist kein offizieller AfD Account. Und wir stecken nicht dahinter. — Jan Böhmermann (@janboehm)19. März 2016

Und auch die Alternative für Deutschland postete auf ihrem Bremer Twitter-Account: „Liebe Freunde und Unterstützer, wir weisen darauf hin, dass die AfD Bremen - Nord Seite auf Twitter KEINE offizielle Seite des LV Bremen ist". Nun vermutet das Netz DIE PARTEI als Urheber des Accounts. Wer sich auch dahinter versteckt, er oder sie hat das Internet am Wochenende um einige schöne Minuten bereichert.

Der in Brüssel gefasste Drahtzieher der Paris-Attentate plante anscheinend weitere Anschläge

Nach der Festnahme bewachen belgische Polizisten das Haus von Salah Abdeslam | Foto: imago | Belga

Nachdem der europaweit meistgesuchte Terrorist Salah Abdeslam am Freitag in der Gemeinde Molenbeek in Brüssel gefasst und inhaftiert wurde, kommen nun immer weitere Informationen an die Öffentlichkeit. Nach Angaben der französischen Staatsanwaltschaft sollte er eigentlich einen eigenen Sprengstoffgürtel beim Fußball-Spiel zwischen Deutschland und Frankreich am Stade de France zünden, ist aber vor der Tat geflohen.

Von Belgien aus hatte er anscheinend weitere Anschläge geplant. Der belgische Außenminister Didiers Reynders sagte, dass Abdeslam „bereit war, von Brüssel aus etwas Neues anzufangen." und führte weiter aus: „Wir haben eine Menge Waffen gefunden, schwere Waffen bei den ersten Ermittlungen, und wir haben ein neues Netzwerk von Leuten in seiner Umgebung in Brüssel gesehen".

Wrestling-Legende Hulk Hogan erhält 115 Millionen Dollar Entschädigung im Sextape-Skandal

Hulk Hogan ganz in schwarz vor Gericht | Foto: imago | ZUMA Press

Dass Prominente von im Netz veröffentlichten Sextapes heimgesucht werden, wissen wir spätestens seit 1 Night in Paris, dem Amateurporno von Paris Hilton, das im Jahr 2004 veröffentlicht wurde. Für das millionenschwere Starlet zahlte sich das Tape aus, sie erlangte dadurch extreme Berühmtheit und wir können auf eine weirde DJ-Karriere Hiltons schauen.

Nachdem auch von Wrestling-Star a.D. Hulk Hogan im Jahr 2012 ein solches Sextape veröffentlicht wurde, verklagte er das Internetportal Gawker, welches das Video monatelang zum Anschauen bereitgestellt hatte. Das Video zeigt ihn beim Koitus mit der damaligen Frau eines Freundes. Die Anklage lautete, die Regeln des Journalismus aus Profitgier missachtet und damit eine prominente Person denunziert zu haben.

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Nach einer sechsstündigen Diskussionen um Pressefreiheit, Privatsphäre und Penisgrößen verurteilte das Gericht in Florida das Portal Gawker an diesem Wochenende zu einer Schadensersatzzahlung von 115 Millionen Dollar—das ist weit mehr, als Hogans Anwälte gefordert hatten.

Thank you God for justice,only love 4Life. HH

— Hulk Hogan (@HulkHogan)19. März 2016

Warum dieser Prozess auch für Nicht-Wrestling-Fans interessant ist: Einen derartigen Ausgang hätte niemand erwartet, denn bisher war die Privatsphäre von Prominenten in Amerika immer dem öffentlichen Interesse unterstellt. Mit diesem Urteil könnte sich nun einiges an Rechten von Prominenten an ihrem eigenen Bild ändern. So prognostiziert die New York Times, dass dieses Verfahren eine Blaupause für künftige Streitigkeiten zwischen Prominenten und Medienmagazinen werden könne und man es somit einfacher hätte, unliebsame Berichterstattung gerichtlich aus dem Weg zu schaffen.

The — Lorcan Roche Kelly (@LorcanRK)18. März 2016

Heulsuse des Wochenendes: Mann schiebt Merkel-Beleidigung und Hitler-Posting auf einen Hacker-Angriff

Der Vorfall: Ein Mann wird angeklagt, weil er im Internet ein „Heil Hitler" an seinen Betriebsrat sendet und Angela Merkel „in einen Leichensack" packen wolle.

Die angemessene Reaktion: Die Dummheiten bereuen.

Die tatsächliche Reaktion: Seine Postings auf einen hinterhältigen Hacker-Angriff schieben

Da muss Richter Michael Geltl ordentlich gestaunt haben, als er sich auch im bayrischen Freising mit dem Phänomen „Besoffen auf Facebook" im Gerichtssaal beschäftigen musste. Laut einem Bericht der SZ hat ein Mann im vergangenen Oktober mehrmals Personen auf Facebook beleidigt: Erst schrieb er, dass er die Kanzlerin Angela Merkel „in einen Leichensack" packen wolle und anschließend unterzeichnete er einige Beschwerde-Postings an den berufseigenen, aus dem Ausland stammenden Betriebsrat mit der Heil-Hitler-Abkürzung „HH" und der Nachricht, nur Deutsche sollen seine Facebook-Seite besuchen.

Er handelte sich damit eine Anzeige wegen Verwendens verfassungsfeindlicher Kennzeichen ein—wurde dann aber schlussendlich wegen Vortäuschens einer Straftat verurteilt, da er sich herausreden wollte. Denn er selbst erstattete Anzeige gegen Unbekannt: Sein Computer soll gehackt worden sein und jemand anderes die Botschaften übermittelt haben—es soll sich bei seinen Postings also um „böswillige Fälschungen" gehandelt haben. Auch die Abkürzung „HH" sollte nichts mit Adolf Hitler, sondern mehr mit den Initialen eines verstorbenen Freundes zu tun haben. Zur Sicherheit schob er noch die Alternativ-Argumentation hinterher, dass „HH" seine persönlich ausgedachten Initialen in einer Facebook-Gruppe seien. … Aha.

Dummerweise hatte er allerdings zuvor in einem privaten Gespräch mit dem Betriebsrat zugegeben, dass er bei den Postings wohl betrunken war. So wurde er zu einer Geldstrafe von 2.250 Euro verurteilt. Ob er seinen Job behalten darf, steht jetzt auf der Kippe.