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Ein Jury-Mitglied vom ‚Making a Murderer’-Fall denkt, Steven Avery wurde reingelegt

Die Filmemacherinnen hinter der zehnteiligen Netflix-Doku wurden von einem bisher anonymen Jury-Mitglied kontaktiert, das von Averys Unschuld überzeugt ist.
11 Januar 2016, 6:00am

Foto von Netflix aus ‚Making a Murderer'

Ein Jury-Mitglied, das dazu beigetragen hat, dass der aus der Wisconsin stammende Steven Avery wegen Mordes verurteilt wurde, wie die extrem beliebte Netflix-Serie Making a Murderer dokumentiert, hat Berichten zufolge den verantwortlichen Filmemacherinnen gesagt, er oder sie sei von Averys Unschuld überzeugt und glaube nun, er sei reingelegt worden.

Laura Ricciardi, Co-Produzentin und -Regisseurin der zehnteiligen Serie, hat am 5. Januar in der TV-Sendung Today mitgeteilt, der oder die Geschworene habe sie und ihre Partnerin Moira Demos direkt kontaktiert. Dabei habe die Person die Verurteilung Averys für den Mord an Teresa Halbach 2005 in Wisconsin als „Kompromiss" bezeichnet. Die Filmemacherinnen hätten erfahren, dass Geschworene im Jury-Raum um Stimmen gehandelt hätten, wobei laut Ricciardi Sätze fielen wie: „Wenn Sie in diesem Punkt für ‚schuldig' stimmen, dann werde ich in diesem Punkt ‚nicht schuldig' sagen." Avery wurde des Mordes und des illegalen Waffenbesitzes verurteilt, doch im Punkt der Leichenzerstückelung wurde er freigesprochen.

Der oder die nicht näher identifizierte Geschworene kontaktierte die Filmemacherinnen, nachdem die Dokumentation veröffentlicht wurde und sofort ein riesiges Publikum erreichte. Ricciardi und Demos haben bisher noch nicht die Behauptungen der Person durch Rücksprache mit anderen Jury-Mitgliedern verifiziert.

„Die Person hat uns gesagt, sie habe Angst gehabt, dass man leicht feststellen könnte, welches Jury-Mitglied wie gestimmt hat, wenn sie aushielten und den Prozess ergebnislos enden ließen, und sie habe Angst um ihre eigene Sicherheit gehabt", sagte Demos. „Man habe geglaubt, dass Steven einen neuen Prozess bekommen würde, wenn die Geschworenen sich nicht einig wären—das war ein bisschen der Plan der Jury—doch offensichtlich ist es anders gekommen."

Das Jury-Mitglied „sagte uns, es sei überzeugt, dass Steven Averys Schuld nicht nachgewiesen sei", sagte Ricciardi. „Die Person ist der Meinung, dass Steven von Polizeibehörden reingelegt wurde und einen neuen Prozess verdient hat. Außerdem ist sie der Ansicht, dass ein solcher Prozess weit entfernt von Wisconsin stattfinden sollte."

Ricciardi und Demos wurde bereits vorgeworfen, zu Averys Gunsten voreingenommen zu sein und die Ereignisse aus dieser Perspektive dargestellt zu haben. Die Filmemacherinnen sagten, das Jury-Mitglied sei gewillt, selbst an die Öffentlichkeit zu gehen, wenn ein neuer Prozess angesetzt werden sollte.

Avery, heute 53, sitzt für den Mord an Halbach eine lebenslange Strafe ohne Bewährung ab. Er war zuvor 18 Jahre lang wegen einer Vergewaltigung inhaftiert, bis er durch DNA-Beweise entlastet wurde. Die Netflix-Serie behandelt auch diese Verurteilung und die mutmaßliche Involvierung der Polizei von Manitowoc County, die wichtige Beweise und Informationen zurückgehalten haben soll, welche Avery schon früher hätten entlasten oder ganz vor der Haft hätten bewahren können.

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Als Nächstes geht die Serie auf den Mordprozess und die Frage, ob Avery von den Behörden reingelegt wurde, ein. Die in der Dokumentation dargestellten Ereignisse riefen bei vielen Zuschauern Empörung hervor. Hunderttausende haben bereits eine Petition unterschrieben, die eine Entlastung Averys fordert.

Laut dem Staatsanwalt in dem Mordprozess lässt die Serie Schlüsselfakten und Beweise außer Acht, die 2007 zur Verurteilung Averys geführt hätten, und bezeichnet den Vorwurf, der Verurteilte sei hereingelegt worden, als „unverantwortlich". Weiterhin sagte er, dies entspräche keiner eingehenden Berücksichtigung aller vorliegenden Beweise.

Die Regisseurinnen hätten „Fehlinformationen" verbreitet, um ihre eigenen Ziele zu verfolgen und mehr Zuschauer anzulocken, erklärte er gegenüber der New York Times.

Der Sheriff von Manitowoc County, Robert Hermann, betonte in einem Interview mit dem Hollywood Reporter die Falschheit der Darstellung der Ereignisse in der Serie.

„Die Leute urteilen basierend auf einer Dokumentation, wenn man das überhaupt so nennen kann, die vier Stunden aus dem Prozess zeigt, während der Jury und dem Richter wochenlang Beweismaterial und Aussagen vorgelegt wurden", sagte Hermann. „Wenn man die Serie ansieht, dann wird deutlich, dass Steven Averys Verteidiger und seine Familie mit den Filmemacherinnen arbeiten, und die Zuschauer ziehen die falschen Schlüsse. Ich bin sehr überzeugt, dass der Gerechtigkeit Genüge getan wurde."

Die Filmemacherinnen sagen hingegen, die Absicht hinter der Dokumentation sei es gewesen, „einen Dialog in Gang zu setzen".

„Ich bin sicher, ein Teil dieses Dialogs besteht darin, dass die Menschen mehr darüber wissen wollen, was mit Teresa Halbach geschehen ist, und wenn jemand mehr Informationen dazu aufdeckt, dann halte ich das für eine gute Sache", sagte Demos. „Ich finde, das ist man ihr schuldig."