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Euron Greyjoy ist der Donald Trump von 'Game of Thrones'

Ein neues Kapitel aus George R. R. Martins kommendem 'Das Lied von Eis und Feuer'-Band beinhaltet einen angeberischen, auf seine Penisgröße verweisenden Außenseiter, der die Iron Islands wieder groß machen will.
13 Juni 2016, 4:00am
Pilou Asbæk als Euron Greyjoy in 'Game of Thrones' | Mit freundlicher Genehmigung von HBO

Anmerkung: Im folgenden Text haben wir uns dazu entschieden, die englischen Namen und Bezeichnungen zu verwenden. Freunde der Eiseninseln, der Flusslande, der Weite und des Hauses Graufreund sollten sich trotzdem zurechtfinden.

Es war ein langer und stetiger Abstieg für die Iron Islands und das Haus Greyjoy. Früher gehörten sie zu den mächtigsten Gruppierungen im Westeros'schen Politikgefüge und herrschten über sämtliche Iron Islands und die Riverlands. In den letzten Jahren allerdings beschränkten sich die Einwohner darauf, wehleidig über die alte Größe zu jammern und gleichzeitig sämtliche Nachbarn im Umkreis zu überfallen. Der letzte Herrscher der Iron Islands, Balon Greyjoy, war, man kann es kaum anders sagen, ein Trottel. Er machte sich vor allem damit einen Namen, einen desaströsen Krieg vom Zaun zu brechen, ohne sich vorher genug Verbündete zu sichern oder zu überlegen, was zu tun ist, falls es doch nicht so rund läuft. Ich sage jetzt nicht, dass Balons Mittelname "Dubya" war, aber sein Kredo dürfte sehr wahrscheinlich das des "einfühlsamen Plünderns" gewesen sein.

Auftritt Euron Greyjoy. In Game of Thrones, der Serie, und den Das Lied von Eis und Feuer Büchern taucht Euron Greyjoy mitten in der Geschichte ziemlich überraschend aus dem Nichts heraus auf, um der neue Führer der Iron Islands zu werden. Auch wenn die Fans Euron zu Beginn als eine Art Clown wahrnahmen—vielleicht nicht ganz unähnlich zu dem, was viele Menschen von Donald Trump halten—ist mit der Veröffentlichung eines neuen Kapitels von George R. R. Martins angeblich-schon-bald-erscheinendem-aber-das-sagt-er-jetzt-auch-schon-seit-Jahren neustem Band The Winds of Winter klar, dass Euron eine große Bedrohung für ganz Westeros darstellt.

OK, "Veröffentlichung" ist vielleicht etwas übertrieben. Martin las das Kapitel bei der Fantasy-Convention Balticon vor und ergebene Fans schrieben jedes Wort mit. Das transkribierte Dokument mit dem Titel "The Forsaken" ist voll von Lovecaft'schen Elementen und deutet an, dass die Welt von Westeros eine noch düstere Wendung nehmen wird, als ohnehin schon.

Bevor wir uns aber mit dem Kapitel an sich beschäftigen, werfen wir einen Blick auf den Trump'schen Aufstieg von Euron Greyjoy.

Die Iron Islands sind der einzige Teil von Westeros, an dem ansatzweise so etwas wie Wahlen abgehalten werden. Anstatt den Thron einfach von König an Prinz weiterzureichen, wird auf den Inseln ein "Kingsmoot" abgehalten, bei dem die Kapitäne einen neuen Anführer wählen. Sowohl in den Büchern, als auch der Serie sieht es anfangs so aus, als könnte Balons Tochter, Yara Greyjoy (in den Büchern Asha), die Wahl für sich gewinnen—genau wie jeder dachte, dass Jeb Bush den Vorwahlkampf der Republikaner locker für sich entscheiden würde (und bis vor Kurzem auch jeder dachte, dass Trump gegen Clinton absolut keine Chance hat). Stattdessen kommt aber plötzlich Euron in die Szene gesegelt und schafft es mit Beleidigungen und Schimpftiraden zum Königstitel.

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In den Büchern prahlt er mit seinem enormem Reichtum—den er zwar nicht durch krumme Immobiliengeschäfte, dafür aber durch Piraterie angehäuft hat. In der Serie gibt er einfach mit der Größe seines Schwanzes an. Oh, das kommt dir bekannt vor? Dann kündigt er an, 10.000 Schiffe zu bauen (und will die Lannisters dafür zahlen lassen?).

Ganz schön weit hergeholt, Donald Trump mit Euron Greyjoy zu vergleichen? Nun, ich gehe jetzt auch nicht davon aus, dass Trump ein Schiff voller stummer und verstümmelter Sklaven hat, aber trotzdem gibt es ein paar offenkundige Parallelen. In beiden Fällen scheint der Außenseiterkandidat weder Loyalitäten noch Prinzipien zu haben, sondern gibt einfach von sich, was die Leute seiner Meinung nach wahrscheinlich hören wollen. Hardliner-Konservative in den Reihen der Republikaner waren geradezu entsetzt über Trumps unorthodoxen Wahlkampf und seine Bereitschaft, frühere Anführer wie George W. Bush und John "Er ist kein Kriegsheld!" McCain zu beleidigen. Ganz ähnlich zieht Euron über den kürzlich—durch seine eigene Hand!—verstorbenen Balon Greyjoy her und, zumindest in den Büchern, dreht er wegen dem religiösen Aeron durch, der meint, dass Euron für einen König nicht gläubig genug ist.

Die größte Gemeinsamkeit besteht allerdings darin, dass sich beide Männer zur Macht schimpfen und lästern, indem sie mit ihren Genitalien und ihrem Reichtum prahlen. Beide behaupten, alles besser zu machen, ohne einen echten Plan vorzulegen. Trump will Amerika wieder groß machen, indem ... wer weiß? Das wird er schon noch irgendwie ausklamüsern. Euron will ganz Westeros für die Iron Born erobern ... irgendwie. Vielleicht mit Drachen, falls Daenerys seinen Penis mag? Man weiß es nicht.

Auch wenn Trump sehr wahrscheinlich keinen magischen Geheimplan hat, sehen wir in dem neuen Kapitel, dass Euron sehr wohl so einen hat. Er hat sich vielleicht mit Prahlereien seinen Weg an die Macht geredet, aber dort angekommen, benutzt er sein Volk, um ein paar wirklich krasse Sachen abzuziehen. (Achtung: Es folgen Spoiler!) Das neue Kapitel wird aus der Perspektive seines gefangen genommenen Bruders erzählt, dem Priester Aeron. Euron zwingt Aeron dazu, ein halluzinogenes Gebräu zu trinken, wodurch dieser erschreckend unheimliche Visionen hat—darunter auch eine von Euron, der umringt von den toten Göttern jeder Religion auf dem eisernen Thron sitzt:

Impaled upon the longer spikes were the bodies of the gods. The Maiden was there and the Father and the Mother, the Warrior and Crone and Smith... even the Stranger. They hung side by side with all manner of queer foreign gods: the Great Shepherd and the Black Goat, three-headed Trios and the Pale Child Bakkalon, the Lord of Light and the butterfly god of Naath. And there, swollen and green, half—devoured by crabs, the Drowned God festered with the rest, seawater still dripping from his hair.

In einem weiteren Ausschnitt wird beschrieben, wie Euron in einer abgefahrenen Rüstung komplett aus Valyrischem Stahl auftritt! Valyrischer Stahl ist das stärkste und seltenste Metall und dementsprechend gibt es nur sehr wenige Schwerter daraus.

In all the Seven Kingdoms, no man owned a suit of Valyrian steel. Such things had been known 400 years ago, in the days before the Doom, but even then, they would've cost a kingdom.Euron did not lie.

He has been to Valyria. No wonder he was mad.

Das Kapitel endet dann damit, dass Euron Priester und Priesterinnen der unterschiedlichen Religionen am Bug seines Schiffes festbindet und damit in den Kampf gegen eine Flotte des Reach segelt. Was macht er mit diesen ganzen religiösen Menschen? Wahrscheinlich etwas ziemlich Fieses. Vielleicht deutet es sogar die Bewahrheitung einer Fantheorie an—die von dem sehr schlauen ASOIAF-Blogger Poor Quentyn in Umlauf gebracht wurde—, dass der Subplot um die Iron Islands vielleicht die Erweckung eines Lovecraft'schen Gottes vom Kaliber eines Cthulhu beinhalten könnte. Ganz genau, als wären White Walkers, Zombies, Drachen und ständiger Krieg nicht genug, wird vielleicht schon bald noch zusätzlich ein Schrecken aus den Untiefen des Meeres ganze Landstriche verwüsten.

Wird Euron die Welt von Westeros unterjochen? Wird der Euron der Serie uns ähnlich unheimliche Schrecken bescheren? Wird Donal Trump beim Parteitag der Republikaner Cthulu heraufbeschwören? Was auch immer passiert, die Leute werden darüber schreiben.