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Titten retten Leben im Giftgas

Was sich erstmal nach einem bizarren Fetisch anhört, kann Leben retten: Eine ehemalige Ärztin aus Tschernobyl hat einen BH entwickelt, der nicht nur sexy Unterwäsche ist, sondern sich auch jederzeit in eine Gasmaske verwandeln lässt.
18.7.13

Der Emergency Bra, oder kurz EBra, ist ein Büstenhalter, der sich im Handumdrehen in zwei Gasmasken verwandeln lässt. Entwickelt wurde das sexy Riot- und Katastrophen-Accessoire von der Medizinerin Elena Bodnar.
Bodnar war als junge Ärztin während der Katastrophe von Tschernobyl im Einsatz und behandelte evakuierte Kinder, die an der Strahlenkrankheit litten. Damals selbst noch junge Mutter eines einjährigen Kindes fragte sie sich, wie es möglich gewesen wäre, all diese Kinder mit einer simplen, billigen und praktischen Lösung zu retten.

Sie setzte sich in den kommenden Jahren intensiv mit der Thematik auseinander und musste durch ihre Studien feststellen, dass „die Menschen es hätten vermeiden können, verstrahltes Jod-131 einzuatmen, wenn sie in den ersten Stunden der Katastrophe billige Gasmasken in ausreichender Stückzahl zur Verfügung gehabt hätten …“

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Als Frau und Mutter kam sie schließlich auf die Idee, einen BH zu entwickeln, dessen zwei Körbchen als unabhängige Gasmasken fungieren. „Als Mutter eines einjährigen Sohnes war ich davon überzeugt, dass jede Frau die Möglichkeit haben sollte, ihr Kind zu schützen.“ Da die viele Frauen die meiste Zeit einen BH tragen, nahm sie einen Standardbüstenhalter zur Hand und entwickelte ihren ersten Prototypen.

Der Büstenhalter bietet vielleicht nicht besonders viel Tragekomfort, doch Bodnar hat einige Funktionen eingebaut, damit die Körbchen in der Lage sind, Luft zu säubern, die durch Explosionen, biologische oder chemische Anschläge und Atomunglücke verseucht wurde. So lassen sich die Schulterbänder zu Kopfbändern umfunktionieren, eine Ventilklappe wurde im inneren verbaut und flexible Einlagen passen den BH luftdicht an das Gesicht an.

2009 reichte sie ihre Idee für den Ig-Nobelpreis ein, einen auf den ersten Blick amüsanteren, aber dennoch wissenschaftlich fundierten Spin-Off des bekannten Nobelpreises. Damals präsentierte Bodnar ihre Erfindung an den Laudatoren und Jury-Mitgliedern Wolfgang Ketterle (Nobelpreis für Physik 2001), Orhan Pamuk (Nobelpreis für Literatur 2006) und Paul Krugman (Nobelpreis für Wirtschaft 2008), die wohl alle so angetan waren, ihre Gesichter in einen BH zu pressen, dass sie Bodnar kurzerhand die Auszeichnung zusprachen. Als sie den Preis in Empfang nahm, sagte sie den sehr wahren und schönen Satz, dass es wirklich wunderbar sei, dass eine Frau zwei Brüste besitzt und somit zwei Leben retten kann.

Die Medizinerin ohne Vertriebserfahrung begann daraufhin, den BH für die breite Masse herzustellen und ihre eigene Firma aufzubauen, und obwohl sie selber weiß, dass viele Leute erstmal über ihren Büstenhalter lachen werden, ist sie sich sicher, dass sie „Menschen dazu bringt, sich daran zu erinnern, wie wichtig es ist, sich auf das Unerwartete vorzubereiten.“

Ab sofort ist der Büstenhalter auch für Privatpersonen erhältlich. Der Emergency Bra ist für 29,99 Dollar in Bodnars Internetshop zu erwerben. Es gibt ihn in Größen 70C bis 90D, doch bislang leider nur in nuttigem Rot.