FYI.

This story is over 5 years old.

Papst Franziskus ist erstaunlich gut in Social Media

Vielleicht hab ihr die Reisepläne von Papst Fanziskus nicht so sehr verfolgt wie ich, aber der Pontifex ist gerade in Rio auf dem Weltjugendtag der Katholischen Kirche und füttert als erster Papst seine Social-Media-Kanäle richtig gut. #YOLO
30.7.13

Papst Franziskus und ein Kind, das ihm gereicht wird, via Flickr

Vielleicht habt ihr die Reisepläne von Papst Franziskus nicht so sehr verfolgt wie ich, aber der Pontifex ist gerade in Rio auf dem internationalen Weltjugendtag der Katholischen Kirche. Wahrscheinlich würden selbst die treuesten Katholiken zugeben, dass sich ihre Kirche momentan nicht auf dem Höhepunkt ihrer Beliebtheit befindet. Die Brasilianer sind besonders verärgert, da ihre Regierung so viel Geld für den Papstbesuch ausgegeben hat. Zudem gab's in Rio noch massive Proteste und eine Bombendrohung, als der gute alte Franziskus kam. Aber trotz alledem, sage ich euch, sollten wir auch ein wenig nachsichtig mit ihm sein.

Ich wurde katholisch erzogen. Und obwohl mein engelsgleiches, süßes Babyface mal das Cover der kleinen frankokanadischen Zeitschrift Famille Chrétienne (Die christliche Familie) geziert hat, teile ich nicht den Glauben meiner Familie. Um ehrlich zu sein, glaube ich eher an Außerirdische als an irgendeine Form von einem Gott. Die meisten Leute, mit denen ich zu tun habe, würden von sich das Gleiche behaupten. Ich muss aber dennoch zugeben, dass Papst Franziskus meine Wahrnehmung der Kirche als langweiliger Haufen veralteter Säcke mehr und mehr verändert. Der Typ ist cool.

Als im März weißer Rauch aus der Sixtinischen Kapelle stieg, präsentierte sich ein relativ unbekannter Mann der katholischen Welt—Jorge Mario Bergoglio. Der neugewählte Pontifex entschloss sich dazu, als erster Papst überhaupt, den Namen Franziskus zu tragen. Dieser stammt vom Heiligen Franziskus von Assisi, dem Schutzpatron der Armen, der es sehr genoss, mit Vögeln, Eichhörnchen und Papageien herumzualbern. Papst Franziskus war der erste Papst, der jemals an Gründonnerstag jungen Frauen die Füße gewaschen hat (oh, und es waren nicht bloß irgendwelche Frauen—sie waren Häftlinge und unter ihnen war auch eine muslimische Gefangene). Franziskus hat sich ebenfalls dazu entschieden, nicht in den päpstlichen Palast einzuziehen, den er für seinen bescheidenen Lebensstil als zu edel empfand. Anders als seine Vorgänger, die sich gerne mal mit goldenen Roben von Christian Dior wie märchenhafte Königinnen kleideten, steht Franziskus auch sein simples, weißes Kleid gepaart mit einem Rosenkranz sehr gut. Der Typ weiß einfach, dass er eine große Nummer ist, und muss deshalb auch nichts mit extravaganten päpstlichen Roben kompensieren. Wie das Rapsprichwort sagt: It ain't trickin' if you got it.

Aber wo sich Franziskus wirklich von früheren Päpsten unterscheidet, ist sein Verständnis davon, wie wichtig Jugendkultur heute ist. Deshalb hat er auch entschieden, sämtliche Social-Media-Kanäle im Sturm zu erobern. Papst Benedikt XVI. hatte die Welt schon erstaunt, als er der erste twitternde Papst in der Geschichte wurde. Seinen Kanal betrieb er dort allerdings nur spärlich und ziemlich schäbig. Im Gegensatz dazu bringt Franziskus' Social-Media-Offensive frischen Wind in die päpstliche Kommunikation.

Bei einem von Franziskus' ersten Tweets ging es um den Weltjugendtag. Mehrere nachfolgende Tweets waren direkt an junge Leute adressiert und betonten, wie wichtig es sei, seinen Träumen zu folgen, egal wie groß sie auch sein mögen. Ich gebe zu, Franziskus hat noch etwas Nachholbedarf in Sachen Hashtags, um seine Botschaften besser unter's Volk zu bringen. Ich glaube, #dreamBig, #StartedFromTheBottom oder vielleicht auch der beliebte Drake-ismus von letztem Jahr #YOLO hätten dort eher gepasst. Ich weiß aber, irgendwann wird auch er seine Tweetiquette gut hinbekommen. Und selbst wenn er es nicht schaffen sollte, bietet der Typ jedem seiner Follower einen Freischein „hinaus aus dem Fegefeuer“. Das ist wahrhafter Next-Level-Scheiß. Bei solch einem guten Angebot habt ihr eigentlich keine andere Wahl, als an @Pontifex zu glauben.

Dann gibt es auch noch Papst Franziskus' Facebook-Seite. Die ist eine wirkliche Goldgrube für jeden, der sich sein göttliches Lächeln und seinen eleganten Swag mal genauer ansehen möchte. Dort gibt’s sogar katholische Memes, die meiner Meinung nach zwar wenig Sinn ergeben, aber hey, irgendwen wird’s schon geben, der die lustig findet.

Katholischer Humor … via Catholic Memes auf Facebook.

Wenn ihr jemand wie ich seid, der nicht genug vom Lieblings-Pontifex der ganzen Welt (sorry, Johannes Paul II.—du hattest deine guten Jahren) bekommen kann, würde ich euch auf jeden Fall empfehlen, eure betenden Händen nach der Papst-App zu strecken. Mit dieser Neuheit bietet euch Franziskus die umfassendste Quelle, was alle päpstlichen Angelegenheiten betrifft. Dort könnt ihr live Events anschauen, an denen Franziskus teilnimmt, Bilder betrachten und seine Predigten lesen. Die Nutzer haben sogar Zugang zu den Webcams im Vatikan. Auf diese Weise können Papstfans auf der ganzen Welt den Sonnenuntergang über dem Petersdom bestaunen und dabei wissen, dass irgendwo dort Franziskus in seinem weißen seidenen Kleid den gleichen magischen Anblick genießt. Oder ihr könnt stundenlang auf das Grab von Johannes Paul II. glotzen … aber das ist für meinen Geschmack ein bisschen zu seltsam.

Meine Lieblingsfunktion in der App ist aber die Videothek. Franziskus sieht da aus wie ein totaler Rockstar. Er winkt euch sogar zu und lächelt, weil er genau weiß, wie unfassbar cool er ist. Banner wie „Angelus Domini, jeden Sonntagmittag“ lassen euch vergessen, dass es die Sonntagsmesse ist, die er gerade hält. Stattdessen wollt ihr einfach nur die beste Sonntagstalkshow der Welt einschalten.

All das mag zu viel für manche von euch sein, die lieber die Innenseite ihrer Backen mit einem rostigen Messer abschaben, als ihre Zeit mit dem katholischen Glauben zu verbringen. Aber kommt schon, der Typ gibt sich doch echt Mühe. Und irgendwie kommt es auch nicht aufgesetzt und creepy rüber. Das ist ein großer Schritt nach vorne für eine Institution, die den Kontakt zu ihren Mitgliedern verloren hat. Selbst wenn ihr Atheisten seid, vergesst nie, Coolness ist allgemein gültig und bei Herrn Franziskus trieft diese förmlich aus seiner bescheidenen Perlenkette.