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13.000 Euro sind genug, um Decken für ganz Aleppo zu besorgen. Schnell kam also die Idee, das restliche Geld für andere Dinge auszugeben. Also entschied sich Wijbe, auch Mehl zu besorgen. Ein Problem Syriens ist nämlich das Brot. Der Mehlpreis ist explodiert und die Menschen sind oft gezwungen, stundenlang vor den Bäckereien anzustehen. Dabei sind sie ungeschützt und Ziele für Angriffe. Noch gut im Gedächtnis sind Wijbe zwei Luftangriffe in der Woche vor Weihnachten, bei dem Hunderte Menschen umgekommen sind. Ein Foto von den Auswirkungen hat er auf seinem Telefon. Die Neuigkeiten über seine Expansion und den unerwarteten Reichtum machten schnell die Runde, und auf einmal erreichte ihn unerwarteter Besuch. Die Free Syrian Army, die Hauptoppositionsgruppe in Syrien, wollte auf einmal ins Mehlgeschäft mit einsteigen. „Wenn man viel Geld hat, ist das Hauptproblem das, dass jeder darüber Bescheid weiß und etwas davon abhaben will“, sagt Wijbe.

In den drei Tagen, die ich mit ihm verbringe, dreht sich jede Diskussion darum, was er mit dem Geld machen könnte. Kilis ist mit Mitarbeitern von Hilfsorganisationen überlaufen. Sie folgen alle der einen Idee: Bring regelmäßig Essen und lass es nicht schlecht werden. Auch werden Schuhe benötigt. Ärzte brauchen Lampen und Medikamente für die Feldlazarette. Lokale Organisationen sollen unterstützt werden und Kinder brauchen Spielzeug und Bücher.
Machmal ist Wijbe überwältigt von den vielen Möglichkeiten und Optionen. Dann muss er sich immer wieder daran erinnern, dass er nicht alles lösen kann: „Die Dinge nicht zu kompliziert werden lassen und fokussiert bleiben.“ Oft lässt sich beobachten, wie die Bürokratie die NGOs auffrisst. Eine simple Idee, wie ein paar Decken nach Aleppo zu fahren, kann zu einem Problem werden und sogar zum Stillstand kommen. Wijbe soll das nicht passieren: „Meine Geschichte wird nicht damit enden, dass das Geld in der Bürokratieschublade verschwindet.“
Syrien braucht Hilfe. „Ich bin nur irgendein Typ aus irgendeinem Land, das Hilfe bietet. Ich will einfach zeigen, dass die Welt sie nicht vergessen hat“, sagt Wijbe.