Berlin ist die denkbar ungeeignetste Stadt, um Olympische Spiele auszurichten

Wenn es nach dem Berliner Senat geht, soll unsere Hauptstadt die Olympischen Spiele 2024 ausrichten. Müssen wir wirklich erklären, warum das die schlechteste Idee aller Zeiten ist?

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Juni 25 2014, 2:04pm

Foto: Cristina MJ | Flickr | CC BY 2.0

Das ist wahrscheinlich der sinnloseste Artikel, den wir je geschrieben haben, und wir haben eine Menge sinnlose Artikel geschrieben. Müssen wir wirklich erklären, warum es eine absolut beschissene Idee ist, dass Berlin die Olympischen Spiele veranstalten will? Worum es geht: Wie der Berliner Senat am Dienstag verkündet hat, wird sich unsere Hauptstadt am Rennen um die Ausrichtung der Olympischen Spiele 2024 beteiligen. Ja, die Stadt, die es trotz offiziellem Baubeschluss vor zehn Jahren nicht gebacken bekommt, einen Flughafen zu eröffnen. Während Wowereit sich schon mal vorsorglich Schampus nachschenkt, muss allerdings erst noch ein Fragenkatalog seitens des Deutschen Olympia Sportbunds (DOSB) ausgefüllt werden. Der will nämlich unter anderem wissen, inwiefern die jeweiligen Bewerberstädte für den Sportler- und Touristenansturm gerüstet sind, wie sie gedenken, die Durchführung zu finanzieren und auf welche Art und Weise die olympischen Anlagen auch im Nachhinein nachhaltig und zum Wohle aller genutzt werden sollen. Sollte sich Berlin dabei gegen den einzigen deutschen Mittbewerber Hamburg durchsetzen, sind die Olympischen Spiele und damit der absolute organisatorische Supergau einen ganzen Schritt näher. Hier kommen die ultimativen Gründe, warum Berlin der wohl ungeeignetste Kandidat für diese Ausrichtung ist.

Niemand in Berlin hat Geld

Während die Perle an der Alster schon durch ihr reines Äußeres den Gedanken an alten Adel und Rentner mit gebürsteten Hunden aufkommen lässt, versucht Berlin noch nicht einmal, seine Asozialität und Armut zu verhehlen. Was für angereiste Modeblogger nach Casual-Streetstyle aussehen mag, ist in vielen Fällen entweder ein Obdachloser oder B.Z.-Kolumnist Franz Josef Wagner. Spätestens wenn bekannt wird, dass es für solche Sportevents keine Gästelistenplätze gibt, wird sich deutlicher Unmut innerhalb der Bevölkerung breitmachen, denn niemand in Berlin hat Geld und dabei ist nicht einmal die Stadt selbst eine Ausnahme. Zwar will man zum Teil bereits existierende Sportstätten für die Spiele umfunktionieren, mit 25 Euro in gesammelten Flaschenpfand wird sich das Ganze aber trotzdem nicht finanzieren lassen. Vielleicht thront die Regierung aber auch auf einem riesigen Berg Gold, den sie sich für ganz besonders schwere Zeiten aufgehoben hat, und wir wissen alle nur nichts davon.

Berlin ist nicht barrierefrei

Was viele nicht wissen: Mit der Ausrichtung der Olympischen Spiele ist es für die auserwählte Stadt noch lange nicht getan. Gleichzeitig verpflichtet die sich nämlich auch dazu, die darauffolgenden Paralympics im Jahr 2028 auszurichten. Wer einmal abseits der touristischen Hotspots unterwegs war, weiß, wie schwierig es für Leute mit körperlicher Behinderung ist, sich in Deutschlands größtem Bierflaschencontainer fortzubewegen. Zwar wurde Berlin von der EU-Kommission zur „barrierefreien Stadt 2013“ gewählt, wenn Rolltreppen und Fahrstühle allerdings nicht gewartet werden und Rollstuhlrampen an öffentlichen Gebäuden noch keine Selbstverständlichkeit sind, dürften solche Auszeichnungen recht wenig bedeuten. Als die Rolltreppe am Bahnhof Neukölln zwischen S41 und U7 das letzte Mal überraschend funktioniert hat, gab es Applaus der Fahrgäste. Die Leute haben allen Ernstes geklatscht.

Foto: Andreas Lehner | Flickr | CC BY 2.0

Berliner hassen Touristen

Die Einwohner Berlins sind im Allgemeinen nicht als die freundlichsten Vertreter unserer wunderschönen Bundesrepublik verschrien. Während der normale Bewohner oftmals schon versucht ist, sich dafür zu entschuldigen, dass er es wagt, beim Bäcker das falsche Brötchen zu bestellen, muss ein Tourist in hiesigen Gefilden ein absoluter Adrenalinjunkie sein. Offene Anfeindungen, böse Blicke, ruppige Bedienung— nie war eine deutsche Stadt dem olympischen Gedanken ferner.

Das Berliner Nahverkehrsnetz ist absolut unzuverlässig

Ja, ja, natürlich ist man als Berliner extrem verwöhnt, was Bahntaktung und Busnetze angeht, aber ganz ehrlich: Was nützt das bestgeplante System, wenn es einfach nicht funktioniert? Wenn es regnet oder schneit, zu warm oder zu kalt ist oder irgendwelche anderen mysteriösen Dinge passieren, von denen wir alle absolut nichts mitbekommen, wird gerne mal der halbe Nahverkehr lahm gelegt. Von den nie näher erklärten „Störungen im Betriebsablauf“ wollen wir erst gar nicht anfangen. Wie zur Hölle soll dieses instabile Netz der BVG und der Deutschen Bahn dem touristischen Ansturm einer Olympiade standhalten? Und wie ist es eigentlich möglich, 50 Meter Kupferkabel an Bahnhöfen zu stehlen, wenn man nicht mal heimlich rauchen kann, ohne dass es irgendjemand mitbekommt?

Die Berliner Polizei ist sowieso schon überfordert

Um das Ausmaß der Berliner Polizistenunfähigkeit begreifen zu können, muss man sich nicht unbedingt Großereignisse wie den 1. Mai oder Widerstandsaktionen gegen die Räumung von Flüchtlingsheimen ankucken. Es reicht schon zu sehen, dass die Polizei sich zwar einerseits sehr um den Sonnenschutz der Bevölkerung sorgt, andererseits aber Dealer Koks jonglierend an der U8 entlang flanieren können (Das ist passiert. Ich habe es gesehen!), während sich die Beamten drei Meter weiter mit einem Obdachlosen streiten. Entweder es wird so gut wie nichts getan, oder die Situation eskaliert komplett, und es wird alles festgenommen, was nicht bei drei auf dem Baum ist.

Sämtliche Versuche Berlins, irgendetwas zu bauen, enden in einer Katastrophe

Wir wollen uns an dieser Stelle gar nicht weiter über das Flughafendebakel auslassen, wobei die Frage berechtigt scheint, ob zusätzliche zehn Jahre nicht eine etwas kurz gefasste Zeit sind, um das Projekt fertigzustellen. Im Allgemeinen ist es kaum möglich, sich in Berlin mehrere hundert Meter weit zu bewegen, ohne an irgendeiner Baustelle vorbeizukommen und neben der reinen Quantität der aufgerissenen Straßen, halbfertigen Gebäude und gesperrten Strecken ist auch die Dauer der jeweiligen Arbeiten absolut skurril. Wenn es über ein Jahr in Anspruch nimmt, um die U-Bahn-Station Leinestraße in einen nutzbaren Zustand zurückzuversetzen, wie sollen dann mehrere Großprojekte olympischen Ausmaßes realisiert werden? Und wo überhaupt? Wenn Berlin für eine Sache nicht bekannt ist, dann für seine ungenutzten Freiflächen im Stadtraum.

Warum sollte man das alles überhaupt wollen?

Zugegeben: Dieser Punkt lässt sich nicht nur auf Berlin, sondern auch auf den Bewerbungskonkurrenten Hamburg beziehen, aber haben die Olympischen Spiele abseits der Sportwelt überhaupt noch irgendeine Relevanz? Als hauptberuflicher Athlet würde ich mir natürlich auch gerne eine Goldmedaille übers Bett nageln, aber gibt es sonst tatsächlich irgendjemanden, der sich aktiv und flächendeckend mit dem Thema beschäftigt und die Wettbewerbe verfolgt? Wer 2024 unbedingt mit fiebrigen Augen und „Schland!“-brüllend im Autokorso durch die Straßen ziehen will, kann auch einfach darauf hoffen, dass die Bewerbung Deutschlands für die Fußball-Europameisterschaft erfolgreich ist.

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