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Die 10 größten Steueroasen

Du hast keinen Bock Steuern zu zahlen? Wieso bist du dann noch hier? Trotz Offshore-Leaks und der dezeitigen Debatte, solltest du schnellstmöglich in eine dieser Steueroasen ziehen, bevor Steinbrück anonyme Briefkastenfirmen verbietet.

Hans Brixen

Titelbild: Nikita Kakowski

Gehörst du zu den 1%? Du profitierst zwar von den Infrastrukturen, die die demokratischen Staaten aufgebaut haben, aber du hast keinen Bock, dafür zu zahlen? Wieso bist du dann noch hier? Du solltest schnellstmöglich in eine Steueroase ziehen. Eigentlich eh verwunderlich, dass du noch in einem Land lebst, in dem du regulär Steuern zahlst. Richtig großes Geld lässt sich auf so was nicht herab, wie auch Uli Hoeneß jüngst bewies. Verwunderlich ist eigentlich nur, dass es irgendjemanden verwundert.

Aber es muss nicht die biedere Schweiz oder das fade Liechtenstein sein. Nur weil du von deinen Zinsen leben willst, heißt das ja nicht, dass dein Leben langweilig sein muss. Und Monaco ist auch schon überfüllt mit Schmalspurmillionären wie Boris Becker. 

Wir schlagen dir also Steuer- und Finanzoasenhopping vor. Gründe einfach in jeder eine Briefkastenfirma. Die Deutsche Bank zeigt dir gerne, wie das geht. Die 10 besten Steuer- und Finanzoasen zeigen wir dir hier.


Nicht nur eine Steueroase: Liechtenstein | Foto von vauvau

10. Liechtenstein

Weiß eigentlich irgendjemand wirklich, wo das überhaupt liegt und was das eigentlich ist? Interessiert das jemanden? Das Fürstentum Liechtenstein von der Größe Kuhkaff zwischen Schweiz und Österreich ist in den letzten Jahrzehnten zu Reichtum gekommen. Wieso? Na, weil die so toll wirtschaften, viele Produkte herstellen und reich an Rohstoffen sind. NOT. Steueroase ist das Zauberwort, das Liechtenstein nach vorne treibt und von einem bedeutungslosen Fürstentum zu einem weltbekannten Zufluchtsort für Briefkasten gemacht hat. 

9. Die Schweiz

Die ewig-neutrale Schweiz nimmt ganz neutral gerne die Anfragen Superreicher entgegen, die die große Schweizer Kultur genießen und deshalb dorthin ziehen möchten. Hat natürlich nichts mit den Steuervorteilen zu tun. Der schwedische IKEA-Gründer Ingvar Kamprad, seines Zeichens reichster „Schweizer", ist natürlich nur wegen Käsefondue, Taschenmesser und Toblerone dorthin gezogen. Abgesehen davon belegt die Schweiz international Platz 1 auf dem Financial Secrecy Index. Leider ist es da halt stinklangweilig.


Andorra la Vella ist ein Paradies | Foto von xiquinhosilva

8. Andorra

Wo Andorra liegt, ist den meisten wohl noch unbekannter als die geographische Lage Liechtensteins. Irgendwo zwischen Spanien und Frankreich in den östlichen Pyrenäen. Fährst du gerne Ski? Dann ist Andorra genau das Richtige für dich! Zudem werden keine Steuern auf Vermögen und Einkommen erhoben, das Bankgeheimnis ist sogar von der Verfassung gesichert, aber die Landessprache ist katalanisch. Andererseits ist Geld ja eine international gesprochene Sprache. 

7. Luxemburg

Wenn Luxemburger das Wort Steueroase hören, werden sie sauer. Jean-Claude Juncker, Luxemburgs Premierminister, hat 2009 Steinbrücks (damals noch Finanzminister) Kritik Luxemburgs als Steueroase mit der Nazi-Besetzung seines Landes verglichen. Na, wenn der Vergleich mal nicht hinkt und die künstliche Empörung zeigt, wie wahr  Steinbrücks Kritik doch gewesen ist. Luxemburg ist zwar ein lächerlich kleines Land, war aber 2011 „mit Investitionen in Höhe von 110 Milliarden Euro der größte Investor" in nicht EU-Ländern, wie aus einem Bericht von Eurostat hervorgeht. Wo die Milliarden wohl herkommen? Na, aus dem Ausland! Luxemburg ist immer beliebtestes Ziel von Investitionen, die aus dem EU-Ausland kommen. Nix hier Berliner Wohnungen. Luxemburg ist der Shit. 

Luxemburg ist ein tolles Land. Dreisprachig, beste Schulen, bequeme EU-Beamtenjobs und ein einwandfreies Rentensystem (also wenn du genügend verdienst). Aber vielleicht auch gar nicht mal mehr die beste Wahl unter den Steueroasen. Denn wie am Wochenende bekannt wurde, will Luxemburg das Bankgeheimnis jetzt lockern. Das setzt Luxemburgs Reaktion auf Steinbrücks Kritik dann doch wieder in ein ganz anderes Licht.


Monte Carlo | Foto von HerryLawford

6. Monaco 

Monaco war im 19. Jahrhundert der ärmste Staat Europas. Wundert dich das? Hat genau so viel zu bieten wie Liechtenstein. Doch im Gegensatz zu Liechtenstein hat Monaco wenigstens Glamour, Sonne, Meer und Tragik. Dafür haben die Garibaldis gesorgt. In Monaco kannst du also nicht nur Steuern sparen, sondern auch das Überlebenselixier von Promis kosten: sehen und gesehen werden. Doch der alte Glanz aus den Tagen, als Grace Kelly noch durch die Straßen Monte Carlos raste, ist eigentlich auch längst vorbei. Proleten und Betonbunker haben Monaco überflutet. Ganz ehrlich, Boris Becker hat da mal gelebt. Das ist doch eigentlich eh das Ende von allem.

5. Zypern

Zypern—der asiatische Bastard Griechenlands—ist nicht nur völlig pleite, wie wir seit ein paar Wochen mit Sicherheit wissen. Zypern ist auch eine Finanz- und Steueroase par excellence gewesen. Russisches Geld hat seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion die von Billigzinsen befeuerte (Finanz-)Wirtschaft Zyperns überhaupt erst auf die ökonomische Landkarte gesetzt. Viel mehr außer niedrigen Kreditzinsen und Steuervorteilen hatte Zypern nur leider nie zu bieten. Jetzt ist die Monokultur ausgelaugt und die Eurozone dem Abgrund einen Schritt näher. 

4. Deutschland 

Wie jetzt Deutschland? Kann doch gar nicht sein! Spießbürgerland zahlt doch seine Steuern brav. Das vielleicht schon. Aber laut der NGO Tax Justice Network belegte Deutschland im internationalen Vergleich den 9. Platz unter den Steuer- und Finanzoasen und scort damit höher als Bahrain oder die Britischen Jungferninseln. Wieso das? Wegen des Finanzstandorts Frankfurt. Laut der NGO gelten dort so jämmerliche Kontrollen und ein so rigides Bankgeheimnis plus Steuervergünstigungen für ausländische Anleger, dass Deutschland den internationalen Vergleich mit anderen prunkvollen Horten der globalen Geldwäsche nicht scheuen muss. Dein Vorteil: Du kannst direkt zu Hause bleiben, wenn du die richtigen Banker kennst.

3. Jersey

Jersey, nicht New Jersey. Falls du dich jetzt schon darauf gefreut hast, dich mit The Situation vollgeballert mit Tribal-Tattoos und aufgepumpt an Snooki ranmachen zu können. Jersey ist die größte Insel im Ärmelkanal und direkt der englischen Krone unterstellt. Tourismus und Finanzgeschäfte sind die wichtigsten (d.h. einzigen) Einnahmequellen Jerseys. Und Jersey ist perfekt für Reiche. Denn man ist unter sich. Golfplatz reiht sich an Golfplatz. Wellnesscenter an Wellnesscenter. Insgesamt werden rund 600 Milliarden Euro von 50 Banken in Jersey verwaltet. Bei gerade mal 98.000 Einwohnern und 117 Quadratkilometern Fläche. Dazu kommen die angenehme British Politeness, Birdwatching und das erhabene Gefühl, direkt der englischen Krone und nicht einer dahergelaufenen gewählten Regierung unterworfen zu sein. 


Foto von chriswsn

2. Die Cayman Islands

Die Cayman Islands dürfen natürlich nicht fehlen. International belegen sie nach der Schweiz Platz 2, was die Verschwiegenheit angeht. Auf dem Papier sind die Cayman Islands natürlich mittlerweile vorbildlich. Aber selbiges ist ja bekanntlich geduldig. Noch immer tummeln sich dort zu Häuf Briefkastenfirmen. Die Cayman Islands sind natürlich angenehmer als die kalte Schweiz. Außerdem sind da die richtig fiesen Geldwäscher am Start. Über Jahre hat wohl HSBC, die britische Großbank mit dem Slogan „the world's local bank" auf den Cayman Islands Milliarden Dollar für Terroristen, Drogendealer und Mafiosi gewaschen. Hier gibt es also um einiges mehr zu erleben als in Liechtenstein. Gemütlich mit einer Piña Colada in der Hand die Südsee befahren, während deine kriminellen Millionen von einer angesehenen Bank direkt vor Ort reingewachsen werden. Tropical Feeling meets James Bond. Spannung pur für die gelangweilte Oberschicht. 

1. Liberia 

Ja, Liberia ist auch ein Tax Haven. Das Unternehmen Offshore Manual, das dir diskret dabei hilft, deine Milliarden zu hinterziehen, preist Liberia vor allem für Schiffsbesitzer an. Um dein Vermögen zu sichern, ist Liberia sicherlich nicht der richtige Ort. Bürgerkrieg, korrupte Regierung und alles, was ein gescheitertes Land so braucht. Aber wenn du gerade darüber nachdenkst, deine Millionen mit einer Reederei oder irgendeiner anderen zwielichtigen Offshore-Unternehmung reinzuwaschen, dann ist Liberia bestimmt das Spannendste. Erinnerst du dich noch an Butt Naked? Den kinderfressenden vom Teufe besessenen General, den wir dir in unserem VICE Guide to Liberia vorgestellt haben? Für die gelangweilte Oberschicht bietet Liberia sicherlich genügend Abwechslung. 

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