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Musik

Bentman, der rappende Sohn Charles Taylors

13.8.10

Vielleicht habt ihr zufällig, irgendwo, irgendwann, von irgendwem mal gehört, dass Charles Tayler, der sadistische, frühere Präsident Liberias, gerade vor dem UN Kriegsverbrecher-Tribunal in Den Hague steht. Die meisten Leute bekommen das nur mit, weil das Model Naomi Campbell und die Schauspielerin Mia Farrow sich als Zeugen angeboten haben, um die Großzügigkeit des früheren Despoten hinsichtlich einiger Blutdiamanten zu bezeugen. Andy Capper, der Chefredakteur der englischen Vice, ist deshalb nach Den Haag gereist, um darüber zu berichten, was dort vor sich geht. Dabei ist ihm eingefallen, dass er damals, als er für den Vice Guide to Liberia nach Monrovia reiste, ein Interview mit Charles Taylor Jr. führte, dass auf dem Boden des Schneideraum landete und in Vergessenheit geriet. Jr. ist ein Rapper und nennt sich Bentman, seine Mutter und Sr. sind geschieden. Andy meinte, wir sollen das Ding also entstauben und uns nochmal ansehen. Wir haben alle zugestimmt und ich habe mich mit Andy unterhalten, damit er mir das Ganze nochmal erklärt

VBS: Alle sind sehr an der Taylor-Verhandlung interessiert. Warum ist das so? Wegen des Supermodels?

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Andy Capper: Ja, die Menschen lieben Promis. Das ist eine gute Anekdote: An dem Tag, als mein Blogpost online ging, riefen mich alle, von der Sun zum Telegraph bis hin zum Guardian und der BBC an. Ich nahm an einer Telefon-Debatte mit dem World Service der BBC teil. Mit dabei war eine Dame, deren Namen ich vergessen habe, die jedoch äußerst Intelligent und überaus erfahren in allem war, was Sierra Leone und Liberia betrifft. Äußerst bewundernswert —aber sie war auch sehr großkotzig.

Um was drehte sich die Diskussion?

Es ging darum, ob der Auftritt von Naomi Campbell diese Verhandlung über sehr schwerwiegende und grässliche Verbrechen nicht in einen Promi-Zirkus verwandeln und sie ins Lächerliche ziehen würde. Die Antwort der Dame darauf war irgendwas in der Art "Nein, ich denke, dass Naomi Campbell durch ihren Auftritt den Menschen in Liberia und Sierra Leone einen Gefallen getan hat, da sie so auf den Fall aufmerksam gemacht hat." Meine Antwort darauf war: "Was? Waren sie kürzlich dort? Die Kinder dort spielen in Scheiße. Was ist mit den Drogen, der Kinderprostitution, der kompletten Verwüstung? Was um alles in der Welt haben diese Kinder davon, dass sich Naomi Cambells Fans um das Verfahren scheren, nur, weil sie daran beteiligt ist?"

Ich nehme an, sie war mit den meisten Fragen nicht einverstanden.

Ihre Antwort war, sie sei viele Male in Sierra Leone gewesen, ihre Familie sei in die Kriege dort involviert gewesen, und ich solle aufhören, so ein dreistes Balg zu sein. Mein Ansehen auf dem BBC World Service ging von diesem Moment an rapide abwärts.

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Das heißt?

Der Moderator sagte, ich solle aufhören, über sie zu reden. Sie war wirklich brilliant, als sie im BBC World Service war. Ich war weniger geschickt.

Wie passt Bentman in die Geschichte, so wie du sie siehst?

Dass Bentman ein Rapper ist, trägt zum Showbiz-Aspekt der Geschichte bei. Sein Rapstyle, aka “Flow,” erinnerte mich an Fabolous, und ich mochte es, dass er sein Album L.S.D: Legal Street Dope nannte.

Das ist wirklich ziemlich gut. Waren andere Familienmitglieder da, oder diskutierte er seine 13 Geschwister mit dir?

Seine Mutter machte gerade Abendbrot und wollte uns nicht treffen. Er sprach kurz darüber, dass sein Bruder Chuckie “ein paar Schwierigkeiten” hatte. Die waren, dass er hunderte Jahre Gefängsnisstrafe für Kriegsverbrechen absitzt.

Alles in allem scheint er trotzdem ziemlich fasziniert von seinem Vater zu sein. Oder wenigstens gut abgerichtet—aber er blieb immer konform.

Ja, das Merkwürdigste, was er sagte, war, dass sein Vater jetzt praktizierender Jude sei.