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Mode

Jeans aus Nordkorea

29.3.10

O.K., wir wissen Jeans sind quasi so spannend wie Westen, aber die aus Stockholm stammenden Noko Jeans werden in Nordkorea gemacht. Dadurch ändert sich die ganze Sache schlagartig von lang-weil-ig zu was-zum-Henker?!

In der Demokratischen Republik Korea ist das tragen von Jeans vergleichbar damit, mit einer US Flagge durch die Gegend zu laufen. Trotzdem haben die 3 Schweden des Noko Jeans Labels 1,100 Hosen im Herzen Nordkoreas produziert. Allerdings hat der Laden der diese Jeans verkaufen sollte, kalte Füße bekommen und die Ware aus dem Verkauf verbannt - aus Angst vor Diskussionen.

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Die ersten beiden Jeans Modele laufen unter dem Namen „Oke Loose Fit“ und „Kara Slim Fit“. Beide kosten um die 150€ und sind auf dem Internetshop verfügbar. Gemacht werden sie seit ungefähr einem Jahr. Wir unterhielten uns mit den Noko Jeans Leuten Jakob Ohlosson, Jacob Aström and Tor Rauden Källstigen.

Vice: Hey Noko Jeans Leute, wieso produziert ihr eure Jeans in Nordkorea?
Jacob Aström: Die Jeans haben uns an den abgeschiedensten Ort der Welt geführt. Zu absolut allem auf der Welt kann man durch Google und Wikipedia einen Zugang finden, außer, nun ja, Nordkorea. Es wurde zu einer Art Besessenheit.

Nordkorea hat noch nicht einmal eine Website
Tor Rauden Källstigen: Das was dem am nähesten kommt ist die Fan Seite: Korea-dpr.com. Die wurde vom Verband der Koreanischen Freundschaft (Korean Friendship Association) ins Leben gerufen. Als wir an einem Sonntagmorgen verkatert auf Tor’s Sofa rumlagen entdeckten wir, dass die KFA auch eine Abteilung für Business hatte. Es gab die Option Motorräder, Tanker, Kosmetika und Jeans zu produzieren. Wir dachten uns: „Jeans! Klare Sache!“

Und da dachtet ihr euch dass ihr einfach mal Kontakt mit ein Paar verrückten aufnehmt, die die nordkoreanische Politik vergöttern?
Tor: Wir begriffen im laufe der Zeit dass alles was sie uns anboten ein überteuerter Geschäftsurlaub war.
Jakob O: Es war eine riesige Enttäuschung. Wir haben aber nicht aufgegeben. Ohne zu wissen wie wir vorgehen sollten nahmen wir mit ein paar Firmen in China Kontakt auf. Die fragten wir dann nach weiteren Kontakten in Pyongyang.

Ihr hattet keine Ahnung was ihr tut?
Jacob A: Wir hatten keinen blassen Schimmer.  Wir riefen wahllos bei Fachleuten aus der Branche an.
Tor: Der Durchbruch kam als wir uns mit Mr Chang in der nordkoreanischen Botschaft in Stockholm trafen. Wir waren ziemlich nervös da der eigentliche Handel mit Europa darauf beruht tausend Tonnen Zink nach Italien zu exportieren. Wir wollten nur ein Paar Jeans machen.

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Musstet ihr ihn mit Absolut Vodka und Strippern bestechen?
Tor: Das schwierige war nicht, sie zu überzeugen ein Geschäft mit uns zu machen. Seit der Handelssperre der Vereinigten Staaten freuen sie sich über jede Art von Geschäft. Die wahre Aufgabe lag darin denen dauernd klar zu machen, dass wir nicht daran interessiert waren eine fussballfeldgroße Zink Fabrik zu kaufen.

Wie funktionierte der Sprung von Jeans zur Zink Fabrik?
Jakob O: Wir wussten nicht, das Jeans in Korea verboten waren und das es als höchst unhöflich gilt bei denen NEIN zu sagen. Sie versuchten uns immer wieder dazu zu überreden andere Sachen herzustellen. Zu beginn des Meetings sagten wir das wir vorhatten 1000 Hosen anzufertigen. Darauf erwiderten sie „Nicht Genug!“ und wollten uns überzeugen stattdessen 150,000 Jacken zu machen. Als wir das ablehnten redete wieder jemand von den Zink Fabriken und wir mussten ganz von vorne anfangen.
Jakob A: Sie wollten auch, dass wir dabei helfen Kosmetika und ein paar Volvo Busse zu importieren.
Tor: Wir trafen Mr. Chang jede zweite Woche. Am Ende waren wir Freunde und er schaffte es uns eine extra auf uns zugeschnittene Geschäftsreise nach Nord Korea zu beschaffen. Wir durften sogar den Zeitplan bestimmen!

Na da schau her, ein VIP Trip nach Nord Korea. Wie war’s denn?
Tor: Wir fuhren mit dem Zug. Eine 25-Stunden Fahrt von Beijing aus. Außer einem Chinesen waren alles Ausländer.

Habt ihr euch mit Nord Koreanern unterhalten?
Jacob A: Sie konnten kein Englisch, also mussten wir uns auf anderem Weg mit ihnen unterhalten. Der Slapstick- Humor kam gut an.  Wir hatten Schnupftabakdosen dabei und taten immer so als könnten diese reden. Wir öffneten und schlossen die Dosen so, das es so schien als würden sie „Hallo“ sagen. Der Verschluss diente als Mund. Das liebten sie! Während unserer ganzen Zeit dort steigerten wir uns immer mehr. Die Box durfte bei immer wichtigeren Sachen mitreden. Das Highlight war als wir sie benutzen um ein Business Dinner zu begrüßen. Manche lachten so sehr, dass sie weinen mussten. Hat das auch bei der obligatorischen Übersetzerin funktioniert?
Jacob A: Sie brachte UNS zum lachen. Stell dir mal ein junges Nord Koreanisches Mädchen vor, die plötzlich mit dem stärksten texanischen Akzent spricht: „Haye Gaaays, Where ye’ going?“ Zum schief lachen!

Neugier ist der Katze Tod
Wir wohnten in einem riesigen 1,500 Zimmer Hotel. Außer uns wohnten da nur eine russische Stepp Tanz Mannschaft, ein alter Schwede der als Aufzugingenieur arbeitete und eine Gruppe Ägyptischer Zementexperten die 3,000,000 €  in Nord Korea investierten.

Servierten sie euch riesige Kaninchen?
Jacob A: Ähm, nein. Aber es gab leckere Riesen Burger.  Das war deren Version des Big Macs. Wir fanden das Restaurant auf einem unserer Spaziergänge. Ja, die haben uns wirklich alleine umlaufen lassen. Wir mussten Sie allerdings ein bisschen nerven.
Tor: In der Nacht umherzuwandern war das Beste.  Es gibt dort keine Straßenlaternen und es war stockdunkel. Man konnte jeden Stern sehen und die riesigen Wohngebiete leuchteten immer bläulich – wie LEDs. Die Leute konnte man auch sehen: wie sie sich bewegten oder eine Zigarette rauchten.
Jacob A: Es gibt ein Auto mit riesigen Lautsprechern. Das fährt um 6 Uhr morgens durch die Straßen und weckt die Menschen auf. Wir nannten es das „Shout! Auto“

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Aber wie genau habt ihr Nordkorea von Jeans überzeugt?
Tor: Wir hatten Unmengen von Meetings! Man fing mit dem Manager, dann traf man den der über diesem Manger stand, dann den darüber und so weiter. Für jeden musste man die Präsentation von neuem vorstellen, sie Überzeugen und die Idee von den Jeans verkaufen – oder wie wir sie nannten „Fashion Pants“

Hört sich an wie ein Video Spiel
Tor: Genau. Man schaffte immer ein Level, kämpfte gegen den Boss und dann ging das so weiter bis der Big Boss dran kam.

Habt ihr gegen den Big Boss gekämpft?
Jakob O: Er hat unterschrieben, ja. Wir hatten Glück. Er war jung und nett.
Tor: Klamotten gehören zu ihren Hauptunternehmen da China viel in Nord Korea in Auftrag gibt, um Geld zu sparen. Es ist ziemlich geheim und auf den Sachen steht dann immer noch „Made in China“. Und dann kamen wir, wir versprachen nicht nur offen darüber zu reden wo die Jeans gemacht werden sondern auch ein Konzept dazu auszuarbeiten.

Warte mal. Ihr macht ja quasi Propaganda für Nord Korea. Wie könnt ihr noch in den Spiegel schauen? Jakob O: Wir glauben daran, dass wir etwas verändern können, indem wir mit ihnen reden. Zum Beispiel haben wir ihnen erklärt das alle Europäischen Firmen auf CSR, Corporate Social Responsibility, bestehen. Wenn sie mit Europa Handel betreiben wollen, müssen sie sich anpassen. Das stimmt nicht voll und ganz, aber es tut gut Moral zu verbreiten – dass es anständige Arbeitszeiten geben muss, und keine Kinderarbeit. Wir sind davon überzeugt, dass wir gutes tun.

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Und ihr denkt, dass die auf euch hören?

Tor: Wir haben unsere Fabrik gesehen – im Vergleich zu den anderen ist unsere wie ein Erholungsort. Es ist brandneu, wir haben 200 Arbeiter in farbigen Uniformen und die Atmosphäre ist ruhig und entspannt. Wir haben sogar Karaoke Maschinen auf jedem Stockwerk! Die old-school Variante mit den CDs. Und es gibt einen Federballplatz ganz oben, also nehmen wir nächstes Mal unsere Schläger mit. Hört sich an als hätten die euch eine gute Show geliefert.

Fotos: Tor Rauden Källstigen

Wenn ihr mehr über Fashion aus aller Welt und bizarren Ländern lesen wollt, dann geht auf VICESTYLE.COM