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Vice Blog

Was ist Redsploitation?

9.8.10

Von 1950 bis 1970 war die Amerikanische Filminteressierte Öffentlichkeit dazu gezwungen, die Indianer in einem gewissen Licht zu betrachten: Barbaren mit einem nicht zu befriedigenden Appetit auf weiße Skalps und weiße Frauen. Diese Rothäuter konnte man nicht zähmen; die einzige Lösung war eine Winchester Büchse. In John Fords klassischem Western „The Searchers", geht es sogar so weit, dass John Wayne lieber seine eigene Tochter erschießen würde als ihr zu erlauben, mit den verhassten Comanchen eine Familie zu gründen. Diese Misshandlung ist dann auch ins wahre Leben übergeschwappt. Für Jahre hatten Filmemacher echte Indianer aus ihren Reservaten mit Tabak und Alkohol angelockt, damit sie billig als Extras in ihren Filmen mitspielen.

Es war erst ab revisionistischen Western wie „Little Big Man" oder „Soldier Blue" so, dass Indianer nun als „nicht mehr ganz so schlimm" angesehen wurden. Sie wurden zwar immer noch eher negativ dargestellt aber nun hatten auch einige der Weißen schlechte und sündhafte Angewohnheiten. Noch ein wenig später begann dann Hollywood Filme zu drehen, welche die Sympathie für die Indianer wecken sollte, inklusive „Last of the Mohicans" und dem Academie Award Vergewaltiger „Dances with the Wolves".

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Irgendwo in der grauen Gegend zwischen dem noblen Barbaren und barbarischen Barbaren liegt das „Redsploitation" Genre. Diese Prachtexemplare des Billigkinos drehen sich um Indianer, die sich aufrappeln und den Weißen überall im Westen fertig machen. Der Hauptteil dieser Filme folgen einem gewissen Schema: eine Stunde lang wird der Indianische Protagonist angegriffen und nieder gemacht, und dann eine Stunde in welcher der Indianer jede Weiße Person umbringt, die auf der Leinwand erscheint. Und wie alle großen Ausbeutungsfilme sind auch diese im besten Sinne des Wortes albern. Trag deine Kriegsfarbe auf und sattele dein Pferd…es ist Zeit, dass Kriegsbeil auszugraben.

THE RANSOM (1977)

Fernsehregisseur Richard Comptons „The Ransom" (aka Manias! Und The Town that cried for Terror) bringt eine Schar von großen alkoholisierten Charakterschauspielern zusammen doch wer ist am vollsten? Höllen-Aufhezer Oliver Reed. Der selbsternannte „Mr. England" spielt Nick McCormick, ein angeheuerter Freischärler dessen Aufgabe es ist einen Indianer zu erledigen, welcher eine sich aufbauende Stadt um eine Millionen Dollar erpresst. Wenn der Bürgermeister nicht bezahlt, dann wird der Indianer anfangen Bewohner brutal zu ermorden. Der Indianer trägt den traditionell Indianischen Namen „Viktor" und wird vom Deutsch-Kanadischen Schauspieler Paul Koslo gespielt. Macht alles Sinn. McCormick bekommt dann noch Hilfe vom Lokalen Jäger namens Tracker, welcher von James Mitchum (dem Sohn des Gottes Robert Mitchum) gespielt wird.

Es gibt nicht wahnsinnig viel Gewalt in „The Ransom", doch ihr werdet feiern wenn der nervige Bürgermeister (Überraschung) getötet wird. Der einzige Beweis, dass Victor wirklich ein Indianer ist, kommt durch seine großen Fähigkeiten im Schwimmen und Verstecken. Er ist nämlich so gut im Verstecken, dass er 2/3 des Films nicht mal auf der Leinwand erscheint. Dieser Film hier ist nur etwas für „Redsploitation"Experten.

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SCALPS (1983)

Fred Olen Rays „Scalps" darf nicht mit dem 1987er „Scalp" verwechselt werden. Dieser ist nämlich langweilig. Rays „Scalps" erzählt die Geschichte von 6 Archäologie Studenten die in die Wüste ziehen (es kümmert anscheinend niemand wo genau) um Indianische Artefakte auszugraben. Obwohl sie Warnungen von einem alten Indianer erhalten haben, der zitternd von der bösen Schwarzen Kralle erzählte, machen sie mit ihren Grabungen weiter. Und somit wird einer der Studenten von der Schwarzen Kralle besessen. Wir wissen dass es die Schwarze Kralle ist, da sein Geist in der Form einer großen Löwenpuppe hin und wieder auftaucht. Buffalos oder Bisons hätte ich ja noch verstehen können, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass es keine Löwen im mittleren Westen gab. Egal, der Moral hier ist eh, dass du nicht nach Indianischen Artefakten graben sollst. Die Geister hassen es.

THUNDER WARRIOR TRIOLOGY (1983-1987-1988)

Der erste Hauptfilm des Italienischem Genre Künstlers Fabrizio de Angelis war gleichzeitig auch der Anfang einer epischen „Redsploitation" Trilogie. Im ersten Teil kommt der mutige Navajo Thunder (gespielt vom italienischen Hengst Marco do Gregorio) von einem unbekannten Platz (in meinem Kopf ist es Nam) zurück und findet seinen Stamm in Trümmern wieder. Lokale Arbeiter drohen damit eine Sternwarte auf einem heiligen Friedhof zu errichten, was vollkommen verrückt ist, weil es eine Sternwarte ist. Thunder probiert am Anfang den friedvollen Protest und setzt sich höflich in das Büro des Sheriffs. Doch nachdem er brutal rausgeworfen wird und von den fiesen Bauarbeitern/Astronomen durch die Wüste gezerrt wird, geht Thunder auf den Kriegspfad. Du weißt wenn er in den Krieg zieht, da er sein Hemd auszieht.

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Thunder springt dann durch ein Fenster eines Sportladens und stiehlt einen Bogen und Pfeile,  und umgeht dabei die echten Waffen vollkommen. Dann erschießt er einige Polizisten, verursacht Atounfäle und versteckt sich in der Wüste. Am Ende schafft es die Gewalt die heilige Ruhestätte zu retten. Komischerweise wurde „Thunder Warrior" kürzlich auf DVD unter dem Namen „Drug Traffikers" rausgebracht.

Im zweiten Teil ist Thunder von der selben Abteilung ,die ihn im ersten Teil wie ein Halbmensch behandelt hatte, stellvertretender Sheriff.  Ein ziemlich fetter Aufstieg, bis er aber von einem korrupten Polizist angeklagt wird, Heroin an die Indianer zu verticken, und muss ins Gefängnis. Die Wärter dort behandeln ihn genau so wie die lokalen Polizisten und daher entscheidet sich Thunder auszubrechen. Erster Schritt: schnapp dir einen Wärter an seinen Eiern und nimm seine Waffe. Zweiter Schritt: Klau ein Auto (das irgendwie im Hof steht) während du Kugeln ausweichst. Dritter Schritt: Fahr auf die perfekt platzierte Schanze am ende des Hofes und spring über die Gefängnismauern. Vierter Schritt: Spring durch ein Fenster eines Sportladen. Fünfter Schritt: Lass die Waffen links liegen. Sechster Schritt: Nimm dir einen Bogen. Thunder nimmt auch noch ein paar hocheffektive Pfeile mit, die wie aufgespießte Dildos aussehen. Ein Schuss lässt die ganze Polizeistation explodieren! Warum produzieren wir überhaupt solche Dinger?

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Thunder Warrior III ist der schlimmste von allen. Wir finden unseren geliebten mutigen Krieger gegen greise Söldner, die das ganze Reservoir ausnehmen -inklusive Thunders kleinen Kumpel Little Crow. Ich konnte nicht wirklich einen Grund für dieses Gemetzel herausfinden, außer eben das alle Indianer sind. Es gibt eigentlich nur zwei Highlights in Teil III: Thunder schießt komischerweise den Hut vom Kopf eines Söldners und er springt mit Hilfe eines Motorrads über ein Polizeiauto.

Fabrizios Trilogie ist unglaublich unterhaltend, obwohl es jeglicher Verbindung zum Indianischen vermissen lässt. Kein Märchengut, keine Magie, nicht einmal irgendwelche Taktiken. Thunder ist eigentlich nur eine attraktivere Version von Rambo. In der Trilogie spielt auch Bo „Walking Tall" Svenson den moralisch verwirrten Sheriff.

SAVAGE HARVEST (1994)

Dieser direkt auf Video produzierter Film von Eric Stanze („I Spit on Your Corpse, I pIss on Your Grave) ist ein doppelter Genuss, da er perfekt in die Genres von Redsploitation und Indianischem Horror passt. Eine Gruppe von Freunden gehen tief in die Missouri Wälder um einem Freund zu helfen eine Hütte auszuräumen. Zurück in 1830 war dieses Land aber von einer Gruppe von Cherokees bewohnt, die aber den Weg der Tränen verlassen haben. Der Stammesführer beschwörte Dunkle Geister, die am Ende den ganzen Stamm vernichteten. So etwas kann schon mal passieren. Die naiven Wanderer, inklusive einem Naschkommen dieses Führers, finden ein paar Steine im Wald, welche den alten Häuptling zurückholen, inklusive seiner bösen Dämonen. Einer nach dem anderen wird von tierisch-dämonischen Geistern besessen (inklusive eines wahnsinnig komischen Schweinemenschen) bis Stanze es auf die Spitze treibt. Der Film is anscheinend von alten Cherokee Geistergeschichten inspiriert worden, die Stanze in Missouri gehört hat, und diese Brise von Indianischer Sagenwelt macht Savage Harvest zum authentischsten Indianischen Film, der hier besprochen wird. Was ziemlich schräg ist.

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JOHNNY FIRECLOUD (1975)

Regisseur William Allen Castlemans „Johnny Firecloud" ist der Bürger Caine des Redsploitation Genres. Er ist erbarmungslos, blutrünstig, feurig und im Gegensatz zu vielen seiner Brüder, ausgestattet mit waren Indianischen Mörderarten. Tomahawks fliegen! Johnny, der seiner eigentlichen Heimat den Rücken gekehrt hat, kommt aus Nam wieder (wo er zusammen mit Thunder gekämpft hat) und findet seinen Vater, White Eagle, als einen erniedrigten ud heruntergekommenen Schatten wieder der nur noch eine Belustigung der lokalen Arbeiter ist. Sie lassen ihn tanzen und ihn die Bälle für eine Poolpartie aufbauen und geben ihm Whiskey. Johnny (gespeilt vom Mexikanischen Schauspieler Victor Mohica) unterbricht eine dieser Veranstaltungen und das nervt den Hauptfarmer Colby so sehr, dass er verlangt, dass White Eagle gehängt wird. Und wenn dass noch nicht genug ist, dann treibt er seine eigene Tochter so weit, bis sie eine Fehlgeburt hat. Rate mal wer der Vater war? Genau, es war Johnny, der Colbys Tochter geschwängert hat, bevor er nach Nam gegangen ist und Colby weigert sich eine Halbbrut als Enkel zu haben.

Johnny befreit sich dann von den Fesseln unserer Welt und entscheidet sich denen mal etwas in wahrer Straßengerechtigkeit zu zeigen. Damit meine ich, dass er einen nach dem anderen auflauert und sie in verschiedensten Methoden tötet: Tomahawk auf den Schädel, bis zum Hals eingegraben und für die Geier dagelassen. Eventuell mordet er seinen Weg is zu Colby, den er so brutal zusammenschlägt, bis er dann von einem Rancharbeiter vertrieben wird. Der Film endet nach dieser Szene so abrupt, dass es für so einen brutalen Film ein viel zu unklares Ende ist, doch selbst das ändert nichts daran, dass dies der beste des ganzen Genres ist.


Wenn du dann immer noch in der Stimmung  bist für Indianische Aktion, dann kannst du auch „The Manitou" (1978) und „War Party" (1988) anschauen. Manitou geht über einen 400 Jahre alten dämonischen Schamanen (Manitou) der aus dem Hals von Susan Strasberg wächst. Der Schamane macht eigentlich eher wenig, außer dass er „an Kraft zunimmt" in dem er am Boden sitzt. In War Party (gemacht von Franc „Quadrophenia" Roddam) geht es um eine wiederaufarbeitete Schlacht zwischen U.S. Cavalary und Blackfeet Indianer welche richtig schief läuft, da die Benutzung von echten Waffen auch zu echten Indianischen Toten führt. Matt Dillons komisch aussehender Bruder Kevin ist drin und alles in allem ist es echt unterhaltsam. Auf jeden Fall wert anzuschauen.