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Reisen

Lang lebe Detroit

6.8.10

Letzten August hatte Vice einen Artikel mit dem Namen “Something Something Something Detroit – Lazy Journalists Love Pictures of Abandoned Stuff” gebracht, welcher sich mit den herumstreunenden Fotojournalisten auseinandersetzte, die durch die leere Stadt ziehen und sich an der äußerst photogenen Leiche laben. Seitdem haben einige der schlimmsten Täter wie das Time Magazine ihre Herangehensweise an die Stadt verändert, aber die meisten anderen sind immer noch fixiert auf die „All-You-Can-Click“ Chance, welches sich schon fast wie ein Kummerporno der verfallenden Motorstadt anbietet.
Letzen Monat nahmen wir Palladium Boots mit nach Detroit um für ihre „Uneven Terrain“ Seriezu zu erforschen, was sich unter dem Schrott einer kaputten Industrie, erschreckend peinlichen Kommunalfehlentscheidungen, und nach Jahrzehnten sozialen und wirtschaftlichen Ungleichgewichts befindet. Was wir vorfanden war eine entstehende Klasse eines kreativen Jungvolks, das sich fest vorgenommen hatte ein gesundes „Fuck You“ in die Richtung derer zu schicken, die sich schon am Tod ihrer Stadt bedient hatten.
Natürlich hat sich an der Oberfläche der Stadt nicht viel verändert - leere, siebenspurige Autobahnen, Berge zurückgelassener Gegenstände, zugemauerte Gebäude neben verkohlten Überresten einer ehemaligen Nachbarschaft, Grasflächen die sich ganze Straßenblocks zurückhohlen, grelle Back to the Future 2 Casinos in den tiefsten Ghettos (für diese Referenz bedanke ich mich bei Ben Blackwell). Aber darüber habt ihr ja alle schon etwas gehört. Sogar die BBC hat schon ihr eigenes Requiem über die Stadt gefilmt, und NBCs „Dateline“ hat die Detroiter durch Berichte von verarmten Bewohnern, die sich gerade noch mit frisch gefangenem Waschbärenfleisch über Wasser halten können gegen sich aufgebracht. Es läuft auf eine gewisse nihilistische Sensationsgier hinaus, gepaart mit einem kitschigen Rest von Hoffnung.
Die Fakten zeigen ganz einfach, dass Detroit in vielerlei Hinsicht einfach gefickt ist. Die Stadt, die in den 1950ern so erfolgreich den Amerikanischen Traum verwirklicht hat, ist nun ein sichtbares Testament eines grandiosen Untergangs. Aber sind das wirklich News? Wir finden, dass die Geschichte besser erzählt wird von denen, die noch bleiben und denen, die extra hingehen, genau weil die Stadt eben so am Arsch ist. Die Stadt ist ein Platz geworden wo kreative endlich die Chance haben ohne Zeit-/und Gelddruck alles zu machen, was sie wollen. Es ist eine seltene Chance die ganze Gemeinde von innen umzustrukturieren und neu zu erbauen. Die Menschen mit denen wir geredet haben wollten alle nur über die Gründe reden warum sie Detroit so lieben, und auch darüber, was ihre Visionen für diese Stadt sind. Jeder macht irgendwas - Musik, Land kaufen und herrichten, neue Geschäfte aufziehen, den Grundstein für ein neues, mit einem kreativem Kern bestücktes Detroit setzen, was uns natürlich sofort an (die Europäer unter uns jedenfalls) Ost-Berlin nach dem Mauerfall erinnert hat. Was wir dort vorgefunden hatten ist ein DoItYourself Paradies, wo Menschen anschaffen um zu überleben und einen anarchischen Sinn der Kreativität benutzen um Sachen zum Laufen zu kriegen.
Haltet Ausschau nach unsere Detroiter Erkundungstour in Palladiums VBS Serie „Uneven Terrain“, welches am 15. August rauskommt. Bis dahin labt an diesem Set von Fotos, die von Peter Sutherland während unseres Trips gemacht hat.