„Wo waren die Deutschen in Srebrenica?“—Kurden fordern Hilfe für Kobane

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„Wo waren die Deutschen in Srebrenica?“—Kurden fordern Hilfe für Kobane

„Wenn die internationale Gemeinschaft helfen wollen würde, hätte sie das schon längst getan!“—Fotos von der Großdemonstration „Berlin ist Kobane“.
13.10.14

„Wo waren die Deutschen in Srebrenica, wo waren sie in Ruanda? Wo sind sie jetzt in Kobane?“ Mohammed kann seine Enttäuschung kaum verbergen. „Deutschland schaut nur zu, denn im Endeffekt geht es darum, mit Waffenverkäufen Geld zu machen. Wenn die internationale Gemeinschaft helfen wollen würde, hätte sie das schon längst getan!“ Um dagegen zu protestieren, ist Mohammed bei der Großdemonstration unter dem Slogan „Berlin ist Kobane“ am Sonntagabend mitgelaufen.

Zuvor hatten sich am Nachmittag mehrere tausende Anhänger kurdischer Organisationen und deren Unterstützer am Berliner Hermannplatz versammelt, um ein Zeichen gegen die islamische Terrormiliz IS zu setzen—darunter auch viele in kurdischen Farben gekleidete Familien. Angeführt von dem großen „Berlin ist Kobane“-Transparent, begann sich der Demonstrationszug kurz nach vier über den Kottbusserdamm in Richtung des Kreuzberger Oranienplatzes in Bewegung zu setzten.

Der Demonstrationszug macht sich auf den Weg in Richtung Oranienplatz.

Aufgrund der bisherigen gewalttätigen Ausschreitungen zwischen kurdischen Demonstranten, türkischen neo-faschistisch gesinnten Gruppen und IS-Sympathisanten während Kundgebungen in anderen deutschen Städten wie Hamburg und Celle, waren mehrere mit Feuerlöschern und Helmen ausgerüstete Hundertschaften der Polizei im Einsatz. Auch in Berlin war es in der Vergangenheit bei kurdischen Kundgebungen mehrfach zu Bränden und schweren Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei gekommen. Bei der gestrigen Demonstration blieb es jedoch bis auf einen kurzen Zwischenfall überwiegend ruhig.

Zwischenfall vor dem türkischen Restaurant Hasir

Als der Zug vom Kottbusser Tor auf die Admiralsstraße einbog, skandierte eine Gruppe von jungen Männern lauthals „PKK! PKK!“ Schon mehrfach war es bei früheren Kundgebungen vor dem türkischen Restaurant Hasir, dem nachgesagt wird, dass sein Besitzer eine türkisch-nationalistische Gesinnung vertrete, zu Ausschreitungen gekommen. Nachdem einer der jungen Männer auf eines der vor dem Restaurant geparkten Autos hämmerte, kochte die Stimmung hoch, schien kurzzeitig sogar fast zu eskalieren. Teilweise flogen Steine und vereinzelt auch Flaschen in Richtung des Restaurants. Schnell wurde dies jedoch von Polizeikräften und diversen Demonstrationsbegleitern unterbunden, die aufgebrachte Menge beruhigt und weiter zum Oranienplatz geleitet.

Berivan nach der Abschlusskundgebung

„Mein Cousin kämpft selber für die kurdische Einheiten, ich habe nicht nur Angst um ihn, sondern um alle, die dort kämpfen und das teilweise unter den schwierigsten Bedingungen“, sagt Berivan, die mit einer Gruppe von Freundinnen am Rand der Demonstration steht. Sie könne es nicht verstehen, warum IS-Terroristen in türkischen Krankenhäusern behandelt werden und Kurden nicht. „Das PKK-Verbot muss auf jeden Fall aufgehoben werden, Waffen müssen geliefert werden“, nur so hätten sie eine wirkliche Chance, gegen die IS anzugehen. Die Meinungen scheinen klar: Es besteht Handlungsbedarf, um ein Massaker zu verhindern.

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Am Montagmorgen wurde immerhin bekanntgegeben, dass die Türkei ihre Militärflughäfen für Flugzeuge der amerikanischen Luftwaffe freigegeben hat, damit von von dort aus Angriffe auf die Stellungen der Dschihadisten geflogen werden können.

Unterdessen wurde am Sonntagmorgen bekannt, dass drei Berliner Fotojournalisten in der türkischen Stadt Diyarbakir festgenommen wurden. Ihnen wird vorgeworfen, Kinder zu Protesten angestiftet zu haben und als Agenten des Bundesnachrichtendienst entsandt worden zu sein, um Unruhe zu stiften. Nach 31 Stunden in Gefangenschaft wurden die drei Berliner wieder freigelassen und warten derzeitig auf ihr Verhör bei der Staatsanwaltschaft.