Mit Sami Khedira kann man sich nicht nur über Fußball unterhalten

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Mit Sami Khedira kann man sich nicht nur über Fußball unterhalten

Als Profifußballer lebst Du den Traum, den Millionen Kinder und Jugendliche auf der Welt haben. Du hast das Spiel, das Du liebst, zu Deinem Beruf gemacht und wirst in der Regel verdammt gut dafür bezahlt.
15.12.14

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Als Profifußballer lebst Du den Traum, den Millionen Kinder und Jugendliche auf der Welt haben. Du hast das Spiel, das Du liebst, zu Deinem Beruf gemacht und wirst in der Regel verdammt gut dafür bezahlt. Die Frage stellt sich nur, wie sehr musst du dem Erfolg alles unterordnen? Kann man sich selbst und das Leben kennenlernen, wenn Du Dir im Endeffekt keine Schwächen erlauben kannst?

Weltmeister Sami Khedira kennt den Druck. Vor vier Jahren wechselte er als 23-jähriger vom VfB Stuttgart zu dem wohl größten Verein der Welt: Real Madrid. Khedira hat den Traum wahr gemacht. Aber wie viel hat er dafür geopfert? Wenn man sich mal Interviews von Khedira anhört, dann stellt man erfreut fest, dass sich sein Kosmos wohl nicht nur zwischen Training, Spielen und Playstationsessions mit den Teamkameraden zu drehen scheint. Im Rahmen der ​FromAtoBeyond-Kampagne zur ​moovel-App haben wir mit ihm über vieles gesprochen - nicht nur über Fußball.

Kannst Du Dich noch vor vier Jahren an deinen Wechsel von Stuttgart nach Madrid erinnern? Hattest Du Angst davor, deine gewohnte Umgebung zu verlassen?
Sami Khedira: Klar kann ich mich gut daran erinnern! Wenn Du zu einem der größten Clubs der Welt wechselst, in eine europäische Metropole ziehst und das Ganze in einem Land, dessen Sprache Du noch nicht sprichst, dann passiert das nicht so nebenbei. Aber "Angst" ist hier das falsche Wort, Respekt passt sicher besser!

Was ist für Dich der größte Unterschied zwischen Stuttgart und Madrid? Wann hattest Du das Gefühl, dass Du angekommen bist?
​Stuttgart und Madrid miteinander zu vergleichen wird beiden Städten nicht gerecht. Sie sind beide auf ihre Art besonders für mich. Das Gefühl angekommen zu sein hat sich bei mir sehr schnell eingestellt. Alle dort haben mir das Gefühl gegeben für mich da zu sein. Das werde ich auch nicht vergessen.

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Wie hat Dich der Wechsel als Mensch weitergebracht?
​Mehr als man hier so kurz beschreiben kann. Sich mit einer anderen Kultur auseinander zu setzen, mit einer neuen Sprache und einem komplett neuen Umfeld - da lernst Du viel Neues und auch vieles neues über Dich selbst. Das lässt einen wachsen.

Hat man überhaupt Zeit, sich als Fußballer selbst kennenzulernen oder muss man immer nur funktionieren?
​Du kannst nur dauerhaft auf höchstem Niveau spielen wenn Du Dich gut kennst und, was viel schwieriger ist, immer ehrlich zu Dir selbst bist.

Manchmal bekommt man die Wahrnehmung, dass Fußballer wie Maschinen sind, die nur zum kicken da sind. Liegt das daran, dass man euch vor äußeren Einflüssen schützen will?
​Das kann ich so nicht beurteilen. Ich sehe es ja "von der anderen Seite". Im Kern ist mein Leben wahrscheinlich nicht viel anders als das von vielen anderen. Nur schauen uns halt viele bei unserem Sport zu.

Fällt es Dir schwer, außerhalb des Trainings oder von Spielen das Thema Fußball beiseite zu legen? Oder möchtest Du das überhaupt?
​Sport fasziniert mich im allgemeinen. Es muss nicht immer zwingend Fußball sein. Z.B. habe ich erst in letzter Zeit meine Begeisterung für Basketball entdeckt. Wahnsinn was die Jungs athletisch drauf haben.

Du hast seit deiner Kindheit auf eine Profikarriere hingearbeitet. Hast du das Gefühl, dass Du etwas verpasst hast?
​Da denke ich anders: ich glaube nicht das Du alles haben kannst. Du musst Dich für Sachen entscheiden und Dich darauf fokussieren. Und was das anbetrifft bin ich glücklich!

Würdest Du Dir manchmal wünschen, dass Du Dir einen Rucksack nehmen könntest, um die Welt zu bereisen?
​Wer sagt, dass ich das noch nicht gemacht habe oder nicht machen werde?

War Deine schwere Verletzung ein Grund dafür, dass Du gesagt hast: Die Welt hat noch mehr zu bieten als nur Fußball?
​Nein, das war schon immer meine Meinung. Aber als Profisportler musst Du Dich so professionell herausfordern um an die Spitze zu kommen, dass sich dann nicht viel Platz für anderes bleibt. Während meiner Verletzung hatte ich einfach mehr Zeit mich um meine sonstigen Interessen zu kümmern.

Du hast mal gesagt, dass du weniger verbissen bist als früher. Wie würdest du denn deinen Gemütszustand jetzt beschreiben?
​Bewusst und fokussiert. Ich denke, ich habe viel über mich gelernt und viel erlebt, so dass mich nicht mehr ganz so viele Sachen beunruhigen.

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