Sex

Weil Rocco Siffredi kein Priester sein konnte, wurde er Porno-Star

Mit 52 hat sich der "Italian Stallion" schon durch vier Porno-Generationen geschlafen. Eine neue Dokumentation beschäftigt sich nun mit Siffredis langer Karriere und noch längerem Penis. Zeit für ein Interview.

von Kaleem Aftab
19 September 2016, 10:48am

Alles Fotos: bereitgestellt von DDA Press

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Seine Mutter wollte eigentlich, dass er irgendwann Priester wird. Doch der frühere Messdiener hatte den "Teufel"—so bezeichnet er seinen eigenen Penis—in der Hose, also war eine Karriere in der Erotik-Branche quasi nur noch eine Frage der Zeit. Du kennst vielleicht seinen Namen nicht, aber wenn du irgendwann im Laufe der vergangenen 30 Jahre schon mal einen Porno angeschaut hast, dann kennst du wahrscheinlich zumindest Rocco Siffredis 25-Zentimeter-Penis.

Siffredi erblickte als Rocco Tano im italienischen Ortona das Licht der Welt. Mittlerweile stand der 52-jährige "Italian Stallion" schon über 1.500 Mal vor der Kamera und hat dabei mit fast viermal so vielen Frauen geschlafen. Deshalb nennt man ihn auch in einem Atemzug mit anderen Porno-Größen wie etwa Ron Jeremy oder John Holmes.

Er hat sich durch vier Porno-Generationen gefickt und alles begann dabei mit den Hauptrollen in 35-Millimeter-Spielfilmen mit richtigen Drehbüchern und Handlungen, bis er nach unzähligen Auftritten in VHS- und DVD-Pornos nun auch in der Online-Welt angekommen ist. Jetzt scheint der Italiener jedoch genug vom Schmuddelgenre zu haben, denn er hat letztens (mal wieder) sein Karriereende angekündigt. Es bleibt abzuwarten, ob sein legendärer Schwanz nun endgültig nicht mehr im Rampenlicht stehen wird.


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Solche biografischen Fakten interessieren die französischen Filmemacher Thierry Demaiziere und Alban Teurlai nicht. Ihre außergewöhnliche Dokumentation Rocco feierte vor Kurzem bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig Premiere und porträtiert den Porno-Star, der dem Zuschauer einen tiefen Einblick in sein Leben gibt. Er erzählt vom Tod seines Bruders, von seiner sexuellen Reaktion auf den Tod seiner Mutter, von seinem Leben mit Frau und zwei Kindern und natürlich auch von seiner großen Leidenschaft, dem Sex vor der Kamera. Das Hauptthema des Films sind jedoch die religiösen Schuldgefühle des Porno-Stars.

Die erste Szene der Dokumentation ist mit einer Nahaufnahme von Siffredis Penis schon bezeichnend. Anschließend können wir zusehen, wie er die Darstellerinnen für seine Filme castet und dabei auch eingehend auf die gewünschten sexuellen Extreme vorbereitet—egal ob nun Analsex oder Würgen. Die beiden Filmemacher begleiten Siffredi dann nach Budapest, Italien und Los Angeles. Mithilfe ihres Hauptdarstellers schaffen sie es, uns hinter die Kulissen der Porno-Industrie blicken zu lassen. Dabei zeigen sie uns beispielsweise auch auf, wie weit manche aufstrebenden Porno-Sternchen bereit sind zu gehen, um berühmt und erfolgreich zu werden.

Rocco Siffredi ist gleichzeitig faszinierend, überschwänglich und verdorben. Genau deshalb haben wir uns nach der Premiere der Dokumentation mit dem Porno-Allstar unterhalten.

VICE: Warum hat man erst jetzt eine Dokumentation über dich gemacht?
Rocco Siffredi:
Ich habe diesbezüglich schon öfters Angebote erhalten. Als ich 40 war, kontaktierte mich ein polnischer Regisseur. Obwohl ich damals schon seit 20 Jahren in der Branche unterwegs war, dachte ich nicht, dass das für eine Dokumentation reichen würde. Dann folgten irgendwelche italienischen Filmemacher, aber ich war der Meinung, dass Italiener das Thema Sex nicht ohne Vorurteilen angehen können. Letztendlich arbeitete ich dann mit den Franzosen Thierry Demaiziere und Alban Teurlai zusammen. Meine Porno-Karriere begann ja auch in Frankreich.

Die beiden wollten am Anfang noch eine allgemeine Dokumentation über Pornos machen, für die sie eine Leitfigur brauchten. Nachdem wir uns ein paar Stunden unterhalten hatten, änderten sie jedoch ihre Pläne und fokussierten sich komplett auf mich. Damals häuften sich in meinem Leben immer mehr Probleme an und ich wollte mithilfe des Films irgendwie alles rauslassen.

In der Dokumentation sprichst du auch über den Tod deiner Mutter und deines Bruders. Fiel dir das schwer?
Weißt du, in meinem Leben habe ich schon viel gelitten. Wenn man mit sechs Jahren seinen Bruder verliert und die eigene Mutter aufgrund des Schmerzes verrückt wird, dann kann man nicht normal bleiben. Dieser Schmerz bleibt für immer. Ich wollte deswegen auch etwas tun, das mein Leben weniger schwer macht. Wegen dieser Tragödien war ich zu allem bereit.

Und warum gerade Pornos?
Ich war mit 11 Jahren schon sexuell aktiv und wusste auch, dass das etwas Besonderes war. Der Hauptgrund war jedoch, dass ich immer versucht habe, meiner Mutter etwas zurückzugeben, um ihr über den Tod meines Bruders hinwegzuhelfen.

Ich weiß auch noch, wie ich mit 13 ein einschlägiges Heftchen fand, in dem Fotos von "Supersex", einem berühmten Porno-Star der 70er Jahre, abgedruckt waren. Erst fickte er eine Brünette, dann eine Blondine, dann eine Rothaarige und schließlich alle drei zusammen. Als ich das sah, wollte ich das unbedingt auch machen. Also rief ich meinen älteren Bruder in Paris an und erzählte ihm davon. Er meinte nur: "Du bist doch verrückt!" Mit 16 rief ich ihn dann erneut an und er sagte: "Du willst das immer noch? OK, du hast wirklich eine Schraube locker!" Mit 20 folgte dann der nächste Anruf und mein Bruder gab mir schließlich den Tipp, in einen Swingerclub zu gehen, weil ich dort garantiert Leute aus der Porno-Industrie treffen würde. Ich folgte seinem Ratschlag und als ich dann zum ersten Mal vor anderen Menschen Sex hatte, veränderte sich mein Leben für immer. Ich war im Paradies.

Warum nennst du deinen Penis den "Teufel" zwischen deinen Beinen?
Weil der Teufel von deinem Körper Besitz ergreift. Viele Jahre lang war Sex für mich eine schöne Annehmlichkeit. Wenn der Sex jedoch die Kontrolle übernimmt, dann ist man süchtig. Und genau das ist dann der Teufel. Gleiches gilt für Drogen und Alkohol. Wenn dich der Teufel ausnutzt, dann machst du alles, was er will—auch wenn es dir gar nicht gefällt.

Du redest nicht zum ersten Mal vom Ende deiner aktiven Karriere. Mit 40 hast du schon einmal angekündigt, nur noch hinter der Kamera stehen zu wollen.
Das war damals für meine Kinder, weil ich eigentlich aufhören wollte, wenn sie das Teenageralter erreichen und selbst sexuell aktiv werden. Ich versuchte, auf die andere Seite der Kamera zu wechseln, um ihnen keinen Schaden zuzufügen. Das brachte jedoch auch viele negative Aspekte mit sich. Zum einen tat mir mein Karriereende selbst richtig weh. Und dann besuchte ich auch noch zwei- bis dreimal täglich unterschiedliche Prostituierte, weil ich es gewöhnt war, so viel Sex zu haben.

Hat sich das auf deine Ehe ausgewirkt?
Natürlich. Ich bin jedoch mit einer richtig klugen Frau zusammen, die meine damalige Situation verstand. Sie riet mir, wieder als richtiger Darsteller zu arbeiten. Wie viel Sinn ergibt denn auch ein Ende der Porno-Karriere, wenn man den Sex vor der Kamera vermisst und dann Prostituierte als Ersatz braucht?

War es komisch, für Sex zu bezahlen, anstatt für Sex bezahlt zu werden?
Ja. Und wenn die Sexarbeiterinnen meinen Schwanz sahen, sagten sie auch manchmal: "Wow, der ist aber massiv. Warum drehst du keine Pornos?" Das fand ich ziemlich witzig und sagte immer, dass ich mal darüber nachdenke.

Wie hat sich die Porno-Branche im Laufe deiner Karriere verändert?
Ich habe vier verschiedene Generationen durchlebt. Da gibt es natürlich große Unterschiede und Veränderungen. Früher hat man pro Woche nur zwei Szenen mit vielen Dialogen auf 35-Millimeter Film gedreht. Und da es so lange gedauert hat, die Kameraposition und das Licht zu verändern, fiel der Sex relativ kurz aus. Heutzutage bestehen Pornos nur noch aus Sex. Dialoge und Romantik sucht man vergebens. Eigentlich sieht man inzwischen ausschließlich verschiedene Aufnahmen des weiblichen Körpers—nur die Titten, nur die Füße oder nur das Arschloch beim Analsex mit drei Männern. Früher war das alles anders.

Findest du diese Entwicklung gut?
Nein, heutzutage ist das Ganze richtig schlimm. Ich bin jemand, der eine Frau mit Leidenschaft fickt. Ich benutze während des Sex auch meine Hände. Ich brauche einfach diese Verbindung, diesen Geruch und diese Macht. Heute ist für solche Aspekte jedoch keine Zeit mehr und sie interessieren auch niemanden. Es zählen nur noch neue Körper, neue Darsteller und neue Schwänze. Sex ohne Leidenschaft liegt mir gar nicht. Es gibt aber auch gar kein Budget mehr für ausgefeilte Pornos in Spielfilmlänge. Die Industrie hat sich verändert, weil das Internet alles kaputt gemacht hat. Zwar hat jetzt jeder die Möglichkeit, wunderschönen Frauen beim Sex zuzusehen, aber man will nicht mehr dafür bezahlen, weil die Inhalte ja irgendwo auch kostenlos zur Verfügung stehen.

Für deinen letzten Film hast du die Darstellerin Kelly Stafford aus ihrem "Ruhestand" geholt. Warum war dir das wichtig? Und hat sie als Frau mehr Macht als du?
Für mich ist Kelly DER Porno-Star überhaupt. Und ja, sie ist auf jeden Fall sehr mächtig und auch total verrückt—im Grunde wie ich. Besondere Menschen ziehen mich schon seit jeher an. Durchschnitt bedeutet für mich Langeweile.

Glaubst du, dass du dich jemals endgültig zur Ruhe setzen wirst?
Eigentlich habe ich gesagt, dass ich diese Frage nie wieder beantworten werde, weil ich einfach nicht mehr sagen will, ob und wann ich aufhöre. Derzeit liegt meine Porno-Karriere auf Eis, aber das bedeutet nicht, dass das für immer so bleiben wird.

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