NSFW-Fotos von meinen vier Jahren hinter den Kulissen von Pornoproduktionen
Alle Fotos mit freundlicher Genehmigung von Dylan Schwarz

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Sex

NSFW-Fotos von meinen vier Jahren hinter den Kulissen von Pornoproduktionen

Wir haben mit Dylan Schwarz über seinen Job als Fotograf bei Pornodrehs geplaudert und dabei herausgefunden, was ihn an der Industrie am meisten überrascht hat.
Jamie Clifton
London, GB
13.5.16

Die britische Pornoindustrie hat nicht gerade den besten Ruf. Was hier produziert wird, hat nichts von der Hochglanzästhetik amerikanischer Studios. Die männlichen Stars tendieren dazu, eher mittelprächtig aussehende Herren mittleren Alters zu sein, und wenn du als Brite diese Männer dann über einen "arse", anstatt eines "ass" reden hörst, hast du direkt deinen eigenen Vater vor Augen. Auf der anderen Seite zeichnen sich die Filme aber auch durch eine triste Schönheit und Vertrautheit aus, mit der die oftmals allzu perfekten US-Produktionen nicht mithalten können.

Der südafrikanische Fotograf Dylan Schwarz hat es sich auf die Fahne geschrieben, eben diese Schönheit einzufangen. Er begann 2010 in einem gigantischen Studio vor den Toren Londons als Standfotograf und arbeitete vier Jahre in diesem Bereich. Neben den konventionellen Hochglanzaufnahmen und "Pop Shots" hat er in dieser Zeit auch eine Reihe von eher künstlerischen Behind-the-Scenes-Aufnahmen gemacht.

Ich habe mit ihm am Telefon über seine Bilder gesprochen und darüber, was er von seiner Zeit im Pornogeschäft gelernt hat.

VICE: Was sieht man auf dem ersten Foto?
Dylan Schwarz: Das war eine Szene mit vier verschiedenen Torten, Essen und Schokoladenmousse. Das ist mein absolutes Lieblingsbild, weil man nicht wirklich erkennt, was eigentlich los ist.

Wie bist du zu diesem Job gekommen?
Ich habe mich auf eine Stellenausschreibung aus der Branche beworben und bekam daraufhin diesen Job angeboten. Ich sollte jedes Model in jeder Szene fotografieren; also Einzelaufnahmen am Set machen, die dann als Hochglanzbilder verkauft werden, und die Fotos vom eigentlichen Ficken, die am Ende auf die Websites und die DVD-Cover und so kommen.

Wie war dein erster Tag? Menschen zum ersten Mal beim Sex zuzuschauen, muss gewöhnungsbedürftig sein.
Am Anfang bin ich da gar nicht drauf klar gekommen, aber nach ein paar Tagen merkt man, dass das keine Menschen sind, die echten Sex haben—es sind Menschen, die ihre Arbeit erledigen. An meinem ersten Tag war ich aber extrem eingeschüchtert. Mir war wirklich unwohl dabei, einem Mädchen Anweisungen zu geben, das selber keine Probleme damit hatte, Anweisungen zu bekommen.

Warum?
Ursprünglich geht man davon aus, dass man seine eigenen Grenzen bis hin zu welcher Fantasie auch immer auslotet. Tatsächlich ist das Mädchen aber hier, um das zu tun, was von ihr verlangt wird. Die Fantasie ist also total irrelevant, weil das ihr Job ist und das ist dein Job. Sie ist ein Objekt, das auf die bestmögliche Art gefilmt und fotografiert werden soll. Ich habe schon oft gesagt, dass ein Fashionshooting viel sexueller als ein Pornodreh ist. Pornos sind, was sie sind. Vor allem Typen fragen mich oft: "Bekommst du nicht manchmal das Bedürfnis, einfach mitzumachen?" Aber Fehlanzeige. Am Ende hast du ein Objektiv und eine Kamera. Du bist da [um Fotos zu machen] und du musst dich anstrengen, das Beste aus den Menschen rauszuholen, mit denen du arbeitest.

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Hat deine Arbeit deine Wahrnehmung des menschlichen Körpers verändert? Hat dich das desensibilisiert?
Nein. Also, es beeinflusst nicht das, was du in deiner Freizeit siehst, aber am Set ist das schon was anderes. Die eine Sache, auf die ich allerdings nie wirklich klargekommen bin, war der Cumshot.

Warum das?
Ich weiß nicht. Das ist einfach eine Sache, mit der ich nie klargekommen bin. Als ich gerade mit dem Job angefangen hatte, musste ich extra nah dran, um das Abspritzen zu fotografieren. Ich musste wirklich würgen. Ein paar von den Frauen, vor allem die Professionelleren, machen lauter komischen Scheiß mit dem Zeug—wie Gurgeln oder Blasen. Ich konnte mich einfach nicht daran gewöhnen. Ein paar von ihnen ist das aufgefallen—die wussten, dass ich darauf nicht klarkomme—, also sind sie, sobald die Szene im Kasten war, zu mir gerannt und haben versucht, mich zu umarmen und zu küssen.

Hast du während deiner Arbeit dort gemerkt, wie sich das Pornogeschäft verändert hat? Mir will immer noch nicht ganz in den Kopf, warum Menschen noch immer für Pornos zahlen, wenn es da draußen so viel kostenloses Zeug gib.
Total. Jeden Tag sind wir mit dem Gefühl zu Arbeit, dass das unser letzter sein könnte.

Was hat dich bei deiner Tätigkeit in der Pornoindustrie am meisten überrascht?
Da gibt es Tausende Sachen. Ich habe nie mitbekommen, dass eine Darstellerin einen echten Orgasmus hatte. Das war natürlich immer nur gespielt. Und wenn man ein Foto von einem Cumshot anschaut, dann betrachtet man da sehr wahrscheinlich nur eine Mischung aus Seife und Gleitgel.

Und wie sieht deine schönste Erinnerung aus?
Ich habe mal etwas ziemlich Witziges mit einer Darstellerin erlebt, die richtig gut drauf ist—also die Art Frau, die Pornos dreht und deren Vater damit einverstanden ist. Mit ihr zu arbeiten, hat mir immer am meisten Spaß gemacht, weil sie einfach zu allem bereit war. Eines Tages habe ich sie auf einem Billardtisch fotografiert und gegen Ende hin meinte ich dann scherzhaft, dass sie sich jetzt die rote Kugel in die Muschi stecken müsste. Sie willigte ein und ich sagte daraufhin panisch: "Nein nein, das war nur ein Spaß!" Da hatte sie die Kugel jedoch schon in sich hineingestopft und bekam das Teil natürlich nicht mehr raus. Also sind wir in die Dusche hinter den Kulissen gegangen und dort ist sie dann durch die Gegend gehüpft und hat versucht, die Kugel aus sich rauszupressen. Als dann mein Chef ans Set kam, bin ich richtig durchgedreht, weil ich mir dachte: "Wir müssen sie jetzt wahrscheinlich in die Notaufnahme bringen und mein Chef wird das auf jeden Fall mitkriegen. Und da er keine Faxen macht und auch keine Fehler duldet, wird er mich auf jeden Fall feuern." Schließlich ist dann aber noch eine der anderen Darstellerinnen gekommen und hat die Billardkugel mithilfe einer Menge Gleitgel rausgebaggert.

Abgefahren. Warum hast du dich dann letztendlich aus der Industrie zurückgezogen?
Am Ende ist einfach alles den Bach runtergegangen. Der Besitzer hat sich anderen Dingen zugewandt und da ist nichts dabei herumgekommen.

Vermisst du das Ganze manchmal?
Ich vermisse vor allem die Kohle.

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Und was machst du heute?
Nun, ich bin als Freiberufler tätig und arbeite für diverse Unternehmen. Dabei geht es oft von einem Extrem ins andere. Aber lass dir eins gesagt sein: In der normalen Unternehmensindustrie wird viel mehr gebumst als in Pornos.

Vielen Dank für das Gespräch, Dylan.

Hier kannst du noch mehr Bilder aus Dylans Projekt sehen: