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Mein Ex hat mich misshandelt, jetzt hat er eine Neue — und ich bin ratlos

"Ich will sie kontaktieren, kann mich aber einfach nicht dazu durchringen. Aber wenn sie mich je fragen würde, wüsste ich, was ich sage: 'Lauf weg.'"

von Madison Griffiths
20 Oktober 2016, 2:22pm

Ich scrolle durch Instagram, als ich ein Foto von meinem ersten Freund mit seiner neuen Partnerin sehe. Ich bin wie vom Donner gerührt. Schon ein komisches Gefühl, wenn Verflossene eine neue Beziehung anfangen. Anfangs fühle ich mich, als habe man mich vergessen. Er war mein erster Freund und ich war damals völlig vernarrt in ihn. Aber da grinst er mich nun aus einem Foto an, mit einer neuen Frau an seiner Seite. Ich habe eine Vision von ihr, wie sie hinten in seinem Kombi sitzt und ihm beim Surfen zusieht, wie ich früher. Es macht mich rasend, aber gleichzeitig freue ich mich tief im Inneren für ihn. Er hat Glück verdient.

Aber mit meinem Ex, der mich misshandelt hat, verhält es sich ganz anders. Als ich ihn mit einer Neuen sehe, ist das Gefühl völlig anders als diese bittersüße Sehnsucht nach meinem ersten Freund. Es ist wie ein Schlag ins Gesicht, der noch mehr wehtut als die echten Ohrfeigen, die er mir damals verpasste.

Wenn jemand dich über so lange Zeit so sehr verletzt hat, denkst du gar nicht an die, die nach dir kommen könnten. Es ist einfacher sich vorzustellen, er sei zu einer neuen Beziehung gar nicht fähig. Ihn neben einer anderen Frau zu sehen, fühlt sich hässlich und verkehrt an. Er ist nicht länger der einsame, schuldige Mann, den du in ihm gesehen hast. Er gehört jetzt zu einer Anderen.

Ich sitze da und überlege, ob ich ihr etwas schuldig bin—als ihre Vorgängerin sozusagen. Ich stelle mir vor, sie zu kontaktieren, aber ich kann mich einfach nicht dazu durchringen. Wenn sie auf mich zukommen und mich fragen würde, wüsste ich, was ich sage: "Lauf weg." Aber vielleicht ist er ja nicht länger der Missbraucher, den ich kannte? Vielleicht wird er sie besser behandeln. Vielleicht ist sie ja auch einfach weniger unmöglich als ich.

Aber was dann? Wo stehe ich dann? Wo ist meine Entschuldigung? Wo ist die Erklärung, warum er mich so lange kontrolliert und erniedrigt hat? Warum er mich davon überzeugt hat, ich sei wirklich die "dumme Fotze", die er mich immer schimpfte?

Ich suche vergebens im Internet nach Rat. Es gibt einen riesigen Wust an Posts und Artikeln, jede Menge "Wie du nach einer Trennung wieder lieben kannst" und "So fühlst du dich wieder wie du selbst"—und absolut null Material für eine Frau in meiner Lage.

Ich will doch nur wissen, welche Verantwortung ich ihr gegenüber habe—oder ob es überhaupt eine gibt. Aber es wirkt, als würde mich das Internet achselzuckend ansehen und mir erklären, dass es sich eben nicht gehört, sich hinterher noch mit unseren Peinigern auseinanderzusetzen. Nein, wir sollen uns einbilden, sie hätten sich in wütende Luft aufgelöst. Verbrenn' die Fotos und tu so, als sei nie was passiert.

Aber jetzt sitze ich hier und scrolle ihr Instagram-Profil durch. "Heiraten, jetzt", kommentiert eine Frau ein Foto der beiden. Mir wird schlecht.

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Die meisten Ressourcen für Menschen, die Missbrauch durchlebt haben, beschreiben Überlebende leider unabsichtlich als blanke Leinwände. Aber dieser ganze "Heute ist ein neuer Tag"-Bullshit motiviert einen nur eine Zeit lang. Ich suche nicht länger nach Wegen, "in Ordnung zu kommen". Die Wahrheit ist: Ich bin in Ordnung. Ich war gestern in Ordnung und ich werde es morgen sein. Die Ressourcen lassen uns immer in einem Punkt im Stich: Sie wollen, dass wir die Scheuklappen aufsetzen und fröhlich vergessen, dass unsere Ex-Partner noch irgendwo da draußen sind.

Ex-Freunde, die dich missbraucht haben, gehen frühstücken, posten Status-Updates und können sich wieder verlieben. Wenn ihr in derselben Stadt wohnt, wirst du ihm wahrscheinlich über den Weg laufen. Aber es gibt keine GuteFrage.net-Antwort, die das düstere, traurige Gefühl beschreibt, das sich dann in deiner Brust ausbreitet. Es gibt keine Website, die uns dabei hilft, andere Frauen zu ermutigen, schneller das Weite zu suchen, als wir es taten.

Ich bin meinem ersten Freund einmal in einer stickigen Kneipe begegnet. "Madison", rief er durch das Stimmengewirr. Seine Freundin war in der Nähe, nippte an ihrem Getränk, unterhielt sich mit ihren Freundinnen. Sie sahen wirklich gut zusammen aus. Es war ehrlich schön, sie zu sehen.

Aber es wird niemals "schön" sein, meinen Missbraucher-Ex mit seiner neuen Freundin zu sehen, und wenn's auch nur ein Foto ist. Ganz bestimmt nicht, weil ich mir wünsche, dass ich es sein könnte, die in voller Touristenmontur mit ihm vor einem buddhistischen Tempel steht und grinst. Bei meinem ersten Freund denke ich an zwei Menschen, die füreinander schwärmen und sich umeinander kümmern—selbst wenn die Beziehung ihr Haltbarkeitsdatum hatte. Er ist zweifellos fähig, jemanden so zu lieben, wie sie oder er es verdient hat—selbst wenn ich dann zusehen muss, wie sie zusammen gebräunt an weißen Stränden stehen, und ich die Meeresbrise schon fast riechen kann. Aber wenn ich an das Leben denke, dass mein Missbraucher-Ex und seine neue Freundin zusammen haben werden, sehe ich nur Schmerz.

Es mag unrealistisch sein, aber ich hoffe, der Missbrauch hat mit mir aufgehört. Dass ich die Erste und gleichzeitig Letzte war, die seinen Zorn ertragen musste. Dass ich in unserer gemeinsamen Zeit all seine Wut in meinen Händen gesammelt habe und einfach nichts mehr da ist, mit dem er sie überschütten könnte. Ich hoffe es um ihretwillen.


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