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Osama Bin Laden: Eine Retrospektive

Nun da er tot ist, bleiben uns nur noch die Erinnerungen. Aber was sind schon flüchtige Erinnerungen?

Nun da er tot ist, bleiben uns nur noch die Erinnerungen. Aber was sind schon flüchtige Erinnerungen? Ich denke an ihn, wie er in Zeitlupe durch Weizenfelder läuft, an den Wind, der seinen Bart umspielte, als wir außer Atem zum Flussufer, unserem ganz geheimen Ort liefen. Bin Laden durchlebte wie eine überalterte Rockband einige Reinkarnationen im Laufe seiner Karriere. Hier sind nur ein paar davon.

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Punkstudent: Osama studierte Volkswirtschaft und BWL an der King Abdulaziz University, was ungefähr das saudiarabische Equivalent dazu ist, ein Mitglied von Oi Polloi zu sein.

Kampf gegen die Sowjets in Afghanistan: Ein schwieriges zweites Album? Keinesfalls. Wie seine politischen Mitstreiter U2 wurde Osama ernst und erwachsen und verschrieb sich der Sache. Er sammelte Geld für seine Mudschahidin und prostituierte sich selber, um auf dem amerikanischen Mark Erfolg zu haben. Es waren die 80er und Osama kopierte Madonnas „pop chameleon“ Lifestyle und die Amerikaner liebten ihn dafür und warfen ihm Geld und Waffen nur so nach.

Hass auf die USA von 1988 an bis ans Ende aller Tage: Vollkommen desillusioniert von den USA kehrt Osama dem amerikanischen Markt den Rücken, findet seine Wurzeln und seine ursprüngliche Fanbase wieder (Extremisten) und schärft wieder sein Profil.

Die afrikanische Phase: Fragt Damon Albarn oder Paul Simon – jeder Künstler muss irgendwann dorthin zurückkehren, wo „der Mensch seinen Anfang nahm“ um neue Inspiration zu finden. Osama fand seine Inspiration in der Wüste des Sudans. Doch wo auch immer er hinging, andere folgten ihm und Mainstream-Amerika war nicht weit. Die Co-op zwischen den USA und dem Sudan führte zu Osamas Flucht, untermalt von dem polyrhytmischen Sound afrikanischen Gewehrfeuers, dass er so zu lieben gelernt hatte.

Der 11. September: Das große Konzeptalbum. The Wall und Dark Side of the Moon verschmolzen, zu einer gigantischen Kakophonie. Es hat sogar Osamas eigene Erwartungen bei weitem überflügelt, doch während die wahren und echten Fans eine Epiphanie erlebten, wurde ihm von Kritikern der grässliche und pompöse Horror angekreidet und er wurde als Pariah verstoßen. Er zog sich fürs erste zurück und versteckte sich, gab aber an, dass er an einem Folgealbum arbeiten würde.

Die wilden Jahre: Immer auf der Suche nach Inspiration und im ständigen Kampf gegen die Sucht, verbrachte Osama die vergangenen Jahre in einer Art Brian Wilson trifft auf die Eagles Psychose. Das Folgealbum zum 11. September kam nie zustande und Gerüchte über verlorene Tapes und geheime Aufnahmen von ihm machten die Runde.

Tod: Osama stirbt schließlich aufgedunsen mitten in der Nacht. Eine Beerdigung im engsten Kreis findet statt und sein Andenken scheint zerstört zu sein. Oder werden seine Fans seiner Karriere posthum neuen Auftrieb verleihen, so wie es damals schon bei Lennon passierte? Die ersten Reaktionen aus der Welt der Social-Networks waren vernichtend. Doch vielleicht werden seine engsten Fans jetzt das langerwartete Folgealbum zum 11. September doch noch veröffentlichen? 2Pac-Style?