Interviews

"Die Leute sollen das Goodmann wieder als gut wahrnehmen"—im Gespräch mit den neuen Goodman-Chefs

Die Hades-Geschäftsführer haben eine neue Aufgabe: einen der verschriensten Afterhour-Schuppen zu einem Hauptabendclub umzugestalten.
1.9.16

Fotos von der Autorin

Thomas Thurner und Antonios Katsantonis sind keine unbekannten Namen in der Wiener Nachtszene. Seit der Eröffnung des Hades haben die beiden Geschäftsführer Blut geleckt und stürzen sich nun auf die nächste Location: Das berüchtigte Robert Goodmann. Das "Goodmanns"—so der wienerische Spitzname—hatte einen dubiosen Afterhour-Ruf. Ein Monat lang war das Lokal geschlossen und wurde renoviert. Diese Woche ist Eröffnungswoche und trotz der sichtlichen Hektik haben sich die Zwei in den renovierten Hallen des Goodmanns Zeit für mich genommen, um über die Änderungen, die neue Türpolitik und Bierpreise zu sprechen.

Noisey: Ich falle mal mit der Tür ins Haus. Wieso sollten Menschen, die sich früher vom Goodmann ferngehalten haben, ab jetzt hingehen? Was ändert sich?
Thomas: Grundsätzlich wollen wir zurück zum Goodmans, wie es früher war—ein Hotspot für Gastronomen, Barkeeper und Nacht-Menschen, die nachihrer Arbeit gern in unser Lokal kommen und essen gehen.
Antonios: Das ist auch unser Hauptaugenmerk—am meisten wurde im oberen Bereich geändert. Unten gibt es natürlich auch Änderungen—Licht, Funktion One und sonstige Sachen. Aber der Fokus liegt beim Essen. Wir wollen für den Abendausklang da sein, nicht nur für die klassischen Party-Menschen, sondern eben auch für Menschen, die einfach nur etwas Gutes essen wollen. Für die, die einfach weiter Party machen wollen, ist der untere Bereich mehr denn je da.

Bleiben wir mal oben: Habt ihr das gesamte Team ausgetauscht—neuer Koch und Türpolitik?
Antonios: Das Team haben wir im Bezug auf Kellner und Türsteher nicht ausgetauscht. Dadurch, dass Thomas und ich dazugestoßen sind, müssen wir uns den Betrieb erst mal anschauen. Aber wie du richtig sagst: Ja, wir haben einen neuen Koch. Sehr engagiert, hat schon viel Erfahrung und er hat die Speisekarte an die heutige Zeit angepasst. Die Klassiker bleiben—Beef Tatar, Schinkenfleckerl und das Steak—aber er hat auch so nette Ideen wie "Robert geht auf Reisen". Da werden wir alle paar Wochen ein anderes Gericht anbieten.

Klingt ja gut. In welcher Preisklasse bewegen wir uns dann?
Thomas: Eigentlich mittelklassig. Es wird nicht teuerer als es bis jetzt war.
Antonios: Im Vergleich zu anderen "Nachtbetrieben": Es wird nicht dem Gast, der es nicht merkt, das Geld aus der Tasche gezogen. Das Essen ist ein Service an unsere Gäste.

Von wann bis wann habt ihr offen? Und die Küche?
Thomas: Grundsätzlich bleibt alles wie gehabt. Von 02:00 Uhr bis 10:00 Uhr haben wir offen, in der Hauptsaison bis 12:00 Uhr. Die Küche hat immer offen, wenn das Lokal offen hat. Und wir fangen am Mittwoch um 02:00 Uhr an und schließen am Sonntag um 10:00 Uhr oder 12:00 Uhr. Es wird Menschen geben, die wegen dem Essen kommen, dann Menschen, die wegen dem Feiern und Essen kommen und dann Menschen, die nur wegen dem Feiern kommen. Die Leute sollen das Goodmanns wieder als gut wahrnehmen—das ist unser oberstes Ziel. Bis jetzt ist das Goodmanns ein Lokal gewesen, in das man ab 05:00 Uhr bis 07:00 Uhr hineingekracht ist und sich an seinen Besuch nicht erinnern konnte. In weiterer Folge ist unser Ziel, dass die Leute sagen: "Ich geh’ ins Goodmans." Und nicht: "Ich geh ins XY und nachher gehe ich eventuell ins Goodmans."

Ihr wollt also ein Hauptabendclub werden? Obwohl ihr erst um 02:00 Uhr aufsperrt?
Thomas: Naja, Wien ist ja generell so. Wir merken es ja selbst im Hades.
Antonios: Rein theoretisch könntest du jeden Club um 02:00 Uhr aufsperren. Die Primetime ist im besten Fall um eins, meistens erst um 01:30 Uhr oder 02:00 Uhr. Und die Menschen, die länger feiern wollen und später kommen, können nicht. Das ist die Gewerbeordnung in Österreich—deshalb sind wir auch auf der Streetparade vertreten.

Das "alte" Goodmann hat ja keinen Eintritt genommen. Bleibt das?
Thomas: Ja, grundsätzlich schon. Die einzigen Partys, bei denen es einen Eintritt geben wird: Wir werden ein bis zwei Mal im Monat ein internationales Booking haben und da werden wir dann schon Eintritt nehmen müssen. Hat das alte Goodmanns aber auch schon gemacht. Der Vorteil: Wir müssen nicht um 06:00 Uhr schließen. Also bei uns kann ruhig bis 10:00 Uhr gefeiert werden. Sonst kommt man ja irgendwo hin um 02:00 Uhr und um 06:00 Uhr ist schon wieder vorbei. Bei uns nicht.

Dann gehen wir mal kurz runter: Bucht ihr selber? Wie sieht es musikalisch aus?
Thomas: Grundsätzlich buchen wir schon selber. Deep TechHouse bis Techno grundsätzlich. Unter der Woche wird es chilliger, am Wochenende mit mehr Techno. Aber ein Berghain sind wir nicht.

Hades—ein Konkurrent oder ein Kooperationspartner?
Antonios: Eine Ergänzung!
Thomas: Wir werden uns natürlich gegenseitig pushen und es gibt schon Gespräche bezüglich Kooperationen. Aber fix ist noch nichts.

Ihr werbt ja mit einer neuen Türpolitik, aber die Türsteher bleiben. Wie äußert sich die neue Türpolitik?
Thomas: Es gibt gewisse Punkte, die jeder im Goodmann kennt und deshalb auch nicht mehr hingeht. Diese gilt es, auszumärzen. Die Leute, die ein unangenehmes Raumklima geschaffen haben, sind bei uns nicht willkommen. Wir haben das auch im Hades geschafft, dass sich unsere Gäste wohlfühlen.

Und wie ziehe ich mich an, wenn ich hier Party machen will?
Thomas: Das selbe Prinzip wie im Hades: Komme, wie du willst.
Antonios: Man soll sich im Outfit wohlfühlen. Solange man nicht provoziert, ist alles willkommen. Ich versteh auch die ganzen Dresscodes nicht—die Leute sollen sich wohlfühlen. Solange man andere nicht stört, ist es egal, was man trägt.

Darf man hier Rauchen?
Thomas: Im Club unten ja, oben ist der Nichtraucher-Bereich.

Und letzte Frage: Wie viel kostet ein Bier?
Thomas: Ah, die Frage kenne ich doch.
Antonios: Wir haben verschiedene Varianten, das Corona 5,20.
Thomas: Für die Fredi ist das kein Bier. Sie will wissen, wie viel das Ottakringer kostet.
Antonios: 6,10 Euro für das 0,33 Ottakringer.
Thomas: Wir haben an den früheren Preisen nichts geändert—also es kostet genauso viel. Dafür haben wir halt auch keinen Eintritt.

Fredi hat Twitter: @schla_wienerin

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