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Der Mann mit der mächtigsten Hydraulikpresse des Internets findet seinen Endgegner

Der Finne Lauri Vuohensilta hat mit seinem YouTube-Kanal bereits tausende Zuschauer für die Arbeit der Hydraulikpresse begeistert.
26.4.16
Screenshot YouTube

„Ich habe dieses Buch, ich brauche es nicht mehr und kann es darum in Stücke pressen." Der finnische Betreiber des YouTube-Kanals namens Hydraulic Press Channel freut sich schon auf ein weiteres Abenteuer mit seinem Lieblingswerkzeug, der Hydraulikpresse. Für sein neuestes Video hat er den dicken Wörterbuch-Wälzer „Finnisch-Englisch-Finnisch" ausgegraben, der in Zeiten digitaler Übersetzungsprogramme einfach viel zu dick ist. Doch Lauri Vuohensilta kann nicht fassen, was die alte Papierwelt mit seiner Presse anstellt.

„Welcome to the hydraulic press channel", so begrüßt Vuohensilta mit starkem finnischen Akzent seit Oktober vergangenen Jahres wöchentlich seine Zuschauer und presst fröhlich diverse Gegenstände bis sie zur Unkenntlichkeit entstellt und geplättet sind. Dieses Vergnügen bescherte ihm innerhalb eines halben Jahres 700.000 Abonennten und fast 51 Millionen Klicks. Er plättete bereits einen Obstsalat, einen Wecker, seine Bügelwäsche oder einen Golfball. Das Ergebnis war in den meisten Fällen, wie zu erwarten: matschig, platt und kaputt.

Doch gelegentlich entstehen durch das Pressen von Gegenständen auch Augenblicke der Erkenntnis, wie die, dass Papier nicht nur geduldig, sondern auch ein verdammt ernstzunehmender Gegner für eine hydraulische Presse ist.

Im ersten Durchgang drückt die Presse lediglich den Buchdeckel ein, was Vuohensilta jedoch nicht zufrieden stellt. Er greift also zu einem kleineren Pressaufsatz und legt noch einmal 300

bar

zusätzlich drauf, um den Druck amtlich zu erhöhen und gleichzeitig zu fokussieren. Anstatt sich jedoch schön zusammendrücken zu lassen, explodiert das Buch und zerstört dabei die Kameraausrüstung des Finnen.

„Die Platte hier ist abgefallen, es gab einen furchtbaren Krach und Chaos. Aber das Buch ist ziemlich gut explodiert", fasst Vuohensilta erschöpft und verblüfft das Abenteuer zusammen, das seit dem Upload am Freitag bereits über 2,5 Millionen Mal auf YouTube angesehen wurde.

Bereits vor zwei Wochen presste er schon erfolgreich eine widerspenstige Gummiente. Auch dieses Video ist nicht nur ein physikalisch beeindruckendes Ereignis, sondern besticht in erster Linie durch Vuohensiltas Freude über die Umgestaltung der Gummitiere, seinen enormen Akzent und das hysterische Lachen seiner Frau im Hintergrund.

Vuohensilta wurde in Tampere geboren und übte sich schon früh darin, Dinge kaputt zu machen, um zu gucken was passiert. „Wir zerstörten kleinere Steine mit größeren, dann zerquetschen wir Spielzeugautos mit großen Steinen und so", so der Finne gegenüber der Washingten Post. „Ich glaube, die meisten Kinder zerstören gerne Sachen. Ich vermute, das steckt einfach in uns drin—der Drang, etwas kaputt zumachen."

Die amerikanische Zeitung befragte sogleich eine Psychologin nach einer möglichen Ursache für dieses Verhalten. Diese tippte auf eine Art kathartischen Adreanalinrausch, der Vuohensilta beim Pressen überkommt und zog im nächsten Satz den Vergleich mit einem Kleinkind, das sich beim Zerstören stark fühlt. In seinem Instagram-Account zeigt der Finne neben Hydraulikpressen vor allem seine Leidenschaft für Gewichtheben, Mountainbiking, Essen und natürlich Katzen.

Screenshot YouTube

Vielleicht beruht ein großer Teil des Erfolgs des Hydraulic Press Channel nicht nur auf dem stumpfen Zerdrücken zufällig ausgesuchter Gegenstände, sondern auch auf dem schönen Dialekt des Finnen. Sympathische lokale Eigentümlichkeiten scheinen YouTubern gerne mal einen extra Niedlichkeitsfaktor zu verleihen, von dem beispielsweise auch der großartige Crazy Russian Hacker profitiert.

Vuohensilta ist Eigentümer einer Firma, die Baumaterialien herstellt und hat damit nicht nur alle großen Maschinen direkt zu Hause stehen, sondern möglicherweise seine Leidenschaft zum Beruf gemacht. Sein großer Traum ist eine ganz besondere Hydraulikpresse: „Ich plane eine 1.000 Tonnen-Presse zu bauen, deren Zylinderdurchmesser einen halben Meter beträgt." Damit dieses Wolkenschloss irgendwann einmal eine amtliche Metallpresse wird, sucht er nun Sponsoren.

Vielelicht hat ihn das gar nicht so unschuldige Wörterbuch auch auf eine Idee gebracht. „Ich würde gerne etwas richtig Gefährliches und Explosives pressen, eine Lithiumbatterie vielleicht", träumt Vuohensilta vor sich hin.