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Restaurant Confessionals

Die dreckigsten Geheimnisse meines Jobs bei einer internationalen Kaffeekette

Während meiner Zeit als Barista in einer beliebten Filiale einer internationalen Kaffeekette habe ich sehr viele Mäuse sterben sehen. Obwohl wir teilweise von einer Plage heimgesucht wurden, schaffte wir es, dass das Gesundheitssamt unseren Laden nie...

von Anonym
21 August 2015, 8:00am

Photo via Flickr user nodoca

Willkommen zurück zu den Restaurant Confessionals, wo wir den Leuten aus der Gastronomie eine Stimme geben, die ansonsten viel zu selten zu Wort kommen. Hier erfährst du, was sich hinter den Kulissen in deinen Lieblingsrestaurants so alles abspielt. Dieses Mal hören wir von einem ehemaligen Barista einer großen Kaffeekette.

Es gibt eine ziemlich guten Grund, warum ich keine Lattes Macchiatos mehr trinke. In einem Wort: Mäuseblut.

Während meiner Zeit als Barista in einer Filiale einer großen globalen Kaffeekette habe ich sehr viele Mäuse sterben gesehen. Obwohl wir teilweise von einer Plage heimgesucht wurden—was für New York nicht unbedingt ungewöhnlich ist—, schafften wir es, dass das Gesundheitsamt unseren Laden nie schloss.

In den Madeleines waren Mäuse. Im den begehbaren Schränken waren Mäuse. In Tüten voller Frappé-Mix-Pulver im Keller bekamen Mäuse ihre Babys.

Als wir am Ende des Tages die Lichter ausmachten, kamen die Mäuse in Scharen: Sie waren auf der Theke, auf den Espressomaschinen, im Gebäckschrank. Egal, wie viele Oberflächen wir schrubbten, ich wusste, dass jede einzelne Tasse Kaffee aus unserem Laden auf irgendeine Weise in Kontakt mit Mäusepfoten war.

Als ich in der zehnten Klasse war, fing ich bei dieser Kaffeekette zu arbeiten an. Ich nenne sie jetzt einfach „Coffee Shop", weil ich bestimmt einen Vertrag unterzeichnet habe, mit dem sie noch meine Kinder und Kindeskinder für Rufschädigung zur Rechenschaft ziehen könnte.

In den Madeleines waren Mäuse. Im den begehbaren Schränken waren Mäuse. In Tüten voller Frappé-Mix-Pulver im Keller bekamen Mäuse Babys.

Die Stelle als Barista war mein erster eigenen Job und eine der wenigen Optionen, die man als 16-Jähriger in meiner Heimatstadt damals hatte. Zumindest war es irgendwie der coolste Job, versuchte ich mir einzureden.

Das war vor mehr als 15 Jahren. Die meisten Kunden waren unglaublich freundlich. Viele kannte ich beim Namen—in einer Zeit, bevor das Unternehmen durchsetzte, dass auf jeden Becher den Namen des Kunden geschrieben wird—und ich fing schon an, ihre komplizierten Bestellungen zuzubereiten, wenn ich sie durch die Tür kommen sah. Ich hatte mich vollkommen vom Coffee Shop-Mythos einfangen lassen: Ich kam jeden Tag erschöpft mit klebrigem, gemahlenem Kaffee unter den Fingernägeln und manchmal in den Haaren nach Hause, aber ich hatte das Gefühl, dass ich etwas darüber lerne, wie man Kaffee verkostet und richtig zubereitet. Meine pathologisch fröhlichen Manager drängten uns dazu, jedes Mal einen Espresso zu trinken, wenn unser Lächeln nicht mehr ganz so strahlte. Alle waren irgendwie auf derselben Wellenlänge und komplett high auf Koffein.

Zumindest war das im ersten Jahr so.

„Ich kann mich nicht zu lange mit diesen Gerüchen umgeben", erzählte sie. „Früher habe ich dieses Zeug geschnüffelt."

An meinem ersten Abend in New York verfolgte mich eine Wasserwanze durch den Laden, die so groß wie ein Männerschuh war, während meine neuen Mitarbeiten mich wegen meiner vorstädtischen Naivität auslachten. Ich verstand mich nicht so gut mit ihnen wie mit meinem Team in Kalifornien, aber zu manchen hatte ich eine Verbindung. Eine von ihnen arbeitete als Escort und dealte mit Koks. Wenn sie nicht gerade ihre Schusswaffe mit zur Arbeit brachte, dann hatte sie zumindest ein Stanley-Messer dabei, mit dem sie einmal sogar eine der Baristas bedrohte, die den Fehler gemacht hatte, sie als „Bitch" zu bezeichnen.

Wenn sie nicht gerade ihre Schusswaffe mit zur Arbeit brachte, dann hatte sie zumindest ein Stanley-Messer dabei.

Irgendwann wurde mir klar, dass ungefähr jeder um mich herum während der Arbeit auf Drogen war. Ich erwischte unseren Gehilfen—der von den Mitarbeitern aufgrund seiner physischen Ähnlichkeit mit dem gleichnamigen Filmcharakter „Gollum" genannt wurde—, wie er Lagerraum im Keller Crack rauchte. Ein anderer unserer Baristas verpasste regelmäßig seine Schichten, weil er sich mit Heroin weggeschossen hatte.

Der Rest von uns blieb hauptsächlich bei Marihuana. Wir hatten eine Stunde, um den Laden zu schließen. Wenn man länger als acht Stunden arbeitete, musste das Unternehmen die Überstunden ausbezahlen und das wollte der Coffee Shop vermeiden. Einer meiner Manager führte sogar ein, dass wir schon aufräumten, bevor der Laden geschlossen hatte, sodass wir innerhalb von 15 Minuten nachdem wir den letzten Kunden rausgeschmissen hatten wirklich schließen konnten. Die restlichen 45 Minuten—wir mussten mit unseren Chips ein- und ausstempeln—verbrachten wir damit, vor dem dunklen Laden Joints zu rauchen. Regelmäßig kam unser Dealer vorbei und brachte die gemeinsame Graslieferung für den Abend, während alle andere ihre 8-Dollar-Moccas mit extra Sahne bestellten.

Oh, das erinnert mich an: Mäuseblut.

Der Laden wurde also von Ungeziefer überrannt. Es wurde so schlimm, dass wir unsere Arbeitsuniform nicht mehr bei der Arbeit anzogen, weil sich darin Käfer befinden könnten. Ich erinnere mich noch, wie ich mir dachte: Klar. Ich habe einen Schwarm Kakerlaken in meiner Hose und Junkies als Kollegen.

Einmal fanden wir eine Maus, die in einer Packung Cantuccini eingeschlafen war. Sie hatte sich durch zwei Stück gefressen, sich die Wampe vollgeschlagen und pennte dann ein. Für jemanden, der als Kind Tom & Jerry anschaute, war es irgendwie süß. Bis unser Chef die Maus in einem Putzeimer ertränkte.

Aber das einschneidendste Erlebnis war, als ich Mäuseblut über den ganzen Boden des Cafés spritzte. An diesem Tag war besonders viel los und uns war der Vanillesirup ausgegangen. Ich rannte also schnell in den Keller, um eine Kiste zu holen, vorbei an den Mausefallen, die auf der Treppe platziert waren. Als ich mit der riesigen Box in den Händen, die meine Sicht versperrte, nach oben eilte, spürte ich etwas unter meinem Fuß. Irgendwas klebte an der Sohle, aber ich rannte trotzdem schnell zurück nach oben.

Als ich die Kiste abstellte, bemerkte ich, dass ich Teile einer Maus hinter mir her zog. Eines dieser armen Nagetiere hing wahrscheinlich in einer Falle fest, auf die ich getreten war.

Und dann warf er die Falle, was ich mir bis heute nicht erklären kann, die Falle inklusive der zerquetschten toten Maus ins Waschbecken, das voller Tassen, Schlagsahnebehälter und Teller war. Das war das Geschirr, von dem die Kunden jeden Tag aßen. Er bemerkte seinen Fehler ziemlich schnell und holte die Falle hastig aus dem Waschbecken—während er mit seiner anderen Hand eine „Psssst"-Geste machte—und schmiss sie in den Müll.

An diesem Tag hörte ich auf, irgendetwas vom Coffee Shop zu essen oder trinken. Ich weiß, dass es in den meisten Lokalen nicht so schlimm zugeht und dass die Dinge, die ich erlebt habe, eher der Fehler des Gesundheitsamtes und meiner Supervisor als des Unternehmens als Ganzes war, aber ich werde nie das Gefühl loswerden, dass wir wahrscheinlich nicht die schlimmste Crew da draußen waren.

Außerdem schmeckt der Kaffee dort eh nicht.

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