Mann oberkörperfrei
10 Fragen

10 Fragen an einen Stripper, die du dich niemals trauen würdest, zu stellen

Tun dir die Menschen nicht leid, die du antanzt? Bekommst du Sex-Anfragen von deinen Gästen? Ist deine Mama stolz auf dich?
15.2.17

Dieser Adoniskörper hat einen Namen: Bastian Maan. Er ist 31 Jahre alt und Mitbegründer der Menstrip-Gruppe Sixx Paxx. An einem Freitagabend im Sixx-Paxx-Theater in Berlin-Tempelhof sitzen rund sechzig Frauen an kleinen Tischen. Als Bastian seine Hose lüftet, klatschen zwei 80-jährige Frauen mit Dauerwelle und Weißweinglas ebenso begeistert wie die Mädels neben ihnen, ein 18. Geburtstag.

"Ich stand schon auf jedem Flokati-Teppich in Berlin", sagt Bastian. Er strippt nämlich nicht nur auf der Bühnen, sondern auch bei dir zu Hause, wenn du möchtest. Bastian sagt, er habe schon auf unzähligen 18. Geburtstagen und Junggesellinnenabschieden getanzt – und einmal sogar auf einem 100. Geburtstag. Angefangen hat er mit 17. Seine damalige Freundin war Stripperin und suchte einen männlichen Gegenpart. "Da meinte sie: Entweder machst du es oder ich suche mir einen anderen."

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Bastian machte sein Abi, studierte ein Jahr Wirtschaftsinformatik und entschied sich dann, Akrobatik und Strippen zu seinem Beruf zu machen. Neben Polizist und Gentleman ist sein Lieblingskostüm James Bond, "weil es am besten zu mir passt". Ein Stripper, sagt er, verdient in Berlin 120 Euro für eine zwölfminütige Show – wenn er gut ist. Wir haben Fragen an Bastian.

Bastian im Backstage-Bereich vor der Show | Alle Fotos: Lisa Ziegler

VICE: Ist Strippen überhaupt ein echter Beruf?
Bastian: Absolut. Ein Vollzeit-Job, wenn du damit Geld verdienen möchtest. Als Stripper gehst du fünfmal die Woche ins Fitnessstudio, pflegst deine Kostüme, kaufst neue, denkst dir Shows aus, schneidest Musik, übst. Du musst deinen Körper viel gründlicher pflegen als andere. Hinzu kommt noch eine ordentliche Buchhaltung, damit das Finanzamt keine Probleme macht.

Bekommst du Sex-Anfragen von deinen Gästen?
Tatsächlich fragen mich ab und zu Frauen, was ich nach der Show vorhabe. Ich kenne Kollegen, die nehmen solche Angebote an. Ich bleibe professionell: Ich küsse beim Antanzen zum Beispiel nie auf den Mund. Frauen dürfen sehr gerne meinen Po anfassen, sie dürfen mir auch einen Klaps geben. Was gar nicht geht, ist Kratzen – das machen betrunkene Frauen! Da packe ich die Hand der kratzenden Frau, schiebe sie weg und die Frau rafft es. Meine weiblichen Kolleginnen haben es natürlich nicht so leicht mit Grabschern.

Hattest du mal eine Erektion bei einer Show?
[Lacht] Ich glaube, jeder Mann versteht es, wenn ich sage: Gleichzeitig aufgeregt sein und eine Erektion haben, ist sehr schwierig. Ich bin trotz meiner Erfahrung vor jeder Show noch ein bisschen aufgeregt, deswegen regt sich da nichts. Und außerdem: Ich suche die Frau, die ich antanze, nicht nach der Optik aus. Das geht nämlich daneben. Nimmst du die hübsche Prinzessin aus der ersten Reihe, dann fängt sie plötzlich an, eine selbstdarstellende Show abzuziehen – das nervt. Oder du nimmst die Granate mit Doppel-D und alle anderen Frauen denken sich: "Das war ja klar!" Und dann herrscht schlechte Stimmung.

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Die SixxPaxx in Aktion

Tun dir die Menschen nicht leid, die du antanzt?
Manchmal. Zum Beispiel auf Junggesellinnenabschieden oder Geburtstagen, bei denen die Dame überhaupt nicht auf Strip-Nummern steht und ich nur zur Erheiterung oder zum Ärgern gebucht wurde. Was auch scheiße für mich ist: Wenn die überraschte Junggesellin mich sieht, wegrennt, sich ins Klo einschließt und brüllt: "Ich hab euch doch gesagt, ich will keinen Stripper." Dann muss ich die Show für jemand anderen machen. Das sind Situationen, da tun mir die Frauen schon ein bisschen leid. Aber ehrlich gesagt: In solchen Situationen tue ich mir selbst am meisten leid. Ich will ja nicht zur Belustigung gebucht werden.

Ist deine Mama stolz auf dich?
Ich hoffe. Ich habe mit den Sixx Paxx ja etwas auf die Beine gestellt und tanze nicht nur in Wohnzimmern herum. Ich denke, sie könnte stolz sein. Aber ich habe noch nie konkret gefragt. Meine Eltern haben sich auch schon meine Show angeschaut – und meine Oma hat mich gebeten, auf ihrem Geburtstag zu strippen. Aber vor meiner Familie auftreten – das muss nicht sein.

Fühlst du dich nach deiner Show benutzt?
Nein. Ich möchte eine tänzerische und akrobatische Show machen. Ich tauch ja nicht irgendwo auf und packe die Sahne aus oder lasse mich mit Öl einschmieren. Ohne das Tanzen wäre das Gefühl vielleicht anders. Und ja: Es passiert schon, dass mir mal jemand an den Schwanz packt. Dann hau ich einfach auf die Hand und alle wissen, dass das nicht OK war.

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Wie oft kriegst du es mit eifersüchtigen Männern zu tun?
Das Härteste war, als ich in einer Karaoke-Bar für eine junge Asiatin gestrippt habe. Nach fünf Minuten ist ihr Freund aufgesprungen, hat sie am Arm gepackt und sie aus dem Raum gezogen – wirklich gezogen!

Ansonsten kommt sowas vor allem auf 18. Geburtstagen vor. Die Jungs schaffen das in dem Alter einfach noch nicht. Da kommt dann ein Stripper, der hat Muskeln und kann auch noch tanzen. Oft rennt dann der Freund des Geburtstagskindes aus dem Zimmer und fährt beleidigt nach Hause.

Du machst ja auch gerne mal den Polizisten. Fallen die Leute drauf rein?
Das kommt vor. Meine Polizisten-Uniform hat sogar echte Hoheitsabzeichen. Bei einem 18. Geburtstag war vor mir schon die Polizei da. Ich habe also angeklopft, die Tür geht auf. Die Partygäste schauen erst mich an und dann über mich drüber. Ich dreh mich um und sehe, dass da so ein Zwei-Meter-Polizist und seine Kollegin hinter mir stehen. Fuck, dachte ich. Dann habe ich halt erstmal ernst getan und meinte: "Ich bespreche das mal kurz mit meinen Kollegen." Die Polizisten waren cool drauf und haben mich meine Show machen lassen. Ich bin rein, hab gerufen "Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag" und die Leute haben gegrölt. Da musste ich sie natürlich ermahnen, nicht so laut zu sein.

Wir halten in unserer Polizisten-Uniform auch oft Limousinen an, richtig mit Kelle. Wir sagen, es handele sich um eine Kontrolle und bitten um die Ausweise. Während ich das einmal abzog, fährt ein Streifenwagen vorbei. Ich habe mich nicht irritieren lassen und weiter gemacht: den Stuhl herausgeholt, Musik angemacht und getanzt. Die Polizei fand das offenbar ganz witzig, hat sich daneben gestellt und das Blaulicht angemacht. Am Ende meinte der Polizist noch: "Meiner Kollegin hat das gefallen."

Was denkst du, wenn du in den Spiegel schaust?
Ich würde lügen, wenn ich jetzt sagen würde, ich freu mich nicht, wenn ich da reinschaue. Dafür arbeite ich ja hart und achte auf meine Ernährung. Ich würde den Job nicht machen, wenn ich nicht zufrieden mit meinem Körper wäre. Trotzdem schaue ich auch kritisch hin, ob da irgendwo Pickel sind. Stripper sind definitiv eitle Menschen. Ich dusche dreimal am Tag: nach dem Aufstehen, vor der Show und vor dem Schlafengehen. Ich gehe auch alle zwei Wochen zum Friseur. Es gibt auch Stripper, die kämmen sich die Augenbrauen. Da hört es bei mir aber auf.

Glaubst du ehrlich, dass du Frauen mit deinem Strippen erregst?
Viele schon, ja. Das bekomme ich ja auch mit, wenn eine Frau total aufgelöst auf der Bühne liegt, die Augen schließt oder nach der Show zu mir kommt. Ich weiß aber auch, dass mein Strip andere Frauen anwidert.

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