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Schon vor der am Freitag startenden Europameisterschaft in Frankreich versucht die Polizei deutsche Hooligans von Gewalttaten abzuhalten. In Zusammenarbeit mit der ZIS, der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze, sollen laut Landesamt für Zentrale Polizeiliche Dienste (LZPD NRW) schon 242 bereits aufgefallene Gewalttäter in sogenannten „Gefährderansprachen" kontaktiert worden sein. In diesen Gesprächen besuchen die Beamten Fans und Hooligans aus der „Datei Gewalttäter Sport" und machen ihnen klar, dass deutsche Beamte in Frankreich vor Ort seien und ein Auge auf sie werfen.Die Vorgespräche sollen laut Sicherheitsbehörden ein gutes Mittel der Prävention sein. „Durch unsere Anwesenheit holen wir erkannte potentielle Gewalttäter aus der Anonymität", erklärt der für die EM leitende Polizist Uwe Ganz. „Die Erfahrung zeigt: Wer weiß, dass die deutsche Polizei da ist und einen kennt, der überlegt sich zweimal, was er tut." Die ZIS übermittelt zudem die Daten über die Gewalttäter an die französischen Sicherheitsbehörden weiter. Je nachdem können vor und während dem Turnier „konkrete Ausreiseverbote, reisebeschränkende Maßnahmen oder Meldeauflagen" ausgesprochen werden.Darauf alleine verlassen sich die deutschen Behörden jedoch nicht. Neben tausenden Fans werden auch deutsche Polizisten zu der Europameisterschaft reisen.Bis zu zwölf Ordnungshüter aus Deutschland, wovon acht Szenenkundige Beamten (SKB) sind, sollen laut LZPD NRW ihre französischen Kollegen unterstützen. „Die deutschen Polizisten werden an den Spielorten der Nationalmannschaft dazu beitragen, gewaltbereite deutsche Störer von Auseinandersetzungen abzuhalten", erklärte LZPD-Direktor Rainer Pannenbäcker. „Wir haben unser Klientel fest im Blick."
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Die zuerst acht Polizisten bekommen für das zweite Gruppenspiel gegen Polen, das als Risikospiel eingestuft wird, sogar noch vier weitere Beamte dazugestellt. Zudem wollen die Polizisten zwischen deutschen Fans und französischen Behörden vermitteln, um „Irritationen zu vermeiden". Polizeioberrat Uwe Ganz, der die deutsche Delegation leitet, will seinen französischen Kollegen so zum Beispiel die Eigenarten der deutschen Fankultur erklären. „Deutsche Fangruppen sammeln sich gern in großer Zahl am Spielort auf einem innerstädtischen Platz und nehmen ihn quasi für sich ein", erklärt Ganz. „Einige Verhaltensrituale können dabei auf Außenstehende bedrohlich wirken. Wir helfen den örtlichen Sicherheitskräften, das Verhalten richtig zu bewerten und wirken—soweit möglich—deeskalierend auf Fußballanhänger ein."Die Polizei ist sich sicher, dass es zu geplanten Auseinandersetzungen zwischen deutschen und anderen Hooligans kommen kann. „Wir wissen, dass das Thema Europameisterschaft in der Hooliganszene intensiv diskutiert wird", erläutert Ganz. „Wir müssen damit rechnen, dass auch gewaltbereite Störer sich auf den Weg nach Frankreich machen werden."Das „Schwein von Marseille" will bei der EM mit Russen Muslime jagen