Anzeige
fankultur

Wie PSG den eigenen Ultras ihren Slogan „Ici c’est Paris“ klaute

Der Slogan „Ici c'est Paris" wurde 2008 von den Ultras als Marke geschützt. PSG kann die Botschaft frei benutzen und mit ihr Geld verdienen. Doch das reicht dem Verein scheinbar nicht: Nun zieht PSG vor Gericht.

von Benedikt Niessen
12 Februar 2016, 5:20pm

Foto: Imago

„Ici c'est Paris" prangt in weißen Großbuchstaben auf dem Stadion-Dach des „Parc des Princes". Im Fanshop verkauft Paris Saint-Germain T-Shirts, Boxershorts oder Autozubehör mit der gedruckten Botschaft oder hüllt gleich das ganze Feld vor einem Heimspiel mit den Worten ein. Der offizielle Slogan des Vereins ist so knackig, bekannt und mittlerweile auch wertvoll, dass Verein und Ultras nun vor Gericht um ihn kämpfen.

Die Parole, die auf deutsch soviel heißt wie „Dies (bzw. Hier) ist Paris", soll im Jahr 2001 erstmals von den Ultras gerufen worden sein. „Anschließend wurde der Spruch dann durch den Stadionsprecher des Parks übernommen", erklärt Christophe Uldry im Interview mit 20minutes. „Und PSG begann es danach als eine Marke zu betreiben." Uldry ist laut eigener Aussage einer der Erfinder des Schlachtrufs. Das ehemalige Mitglied der Supras Auteuil schützte den Slogan 2008 mit seiner Gruppierung als eigene Marke. „Weil wir den Slogan auch nutzten, versuchten sie Geld von uns zu verlangen. Es war eine Bedrohung und Erpressung. Also schützten wir das, was dafür gedacht war uns zu gehören."

Zwei Jahre später wurden die Supras und weitere Pariser Ultràgruppierungen unter anderem wegen ständiger Gewalteskapaden von PSG offiziell verboten. Die Markenrechte wurden deshalb an die Initiative „Défense des droits des supporters", die sich für die Rechte von Fans einsetzt, übertragen. Somit konnte die Marke in Besitz der aktiven Fanszene bleiben. Dass PSG weiterhin mit „Ici c'est Paris"-Merchandising Geld verdiente, störte die Fans nicht. „Wir nahmen an, dass dieser Slogan Teil der gemeinsamen Geschichte der PSG-Fans ist und, dass sowohl der Verein und als auch alle Fans ihn nutzen könnten. Es ist ein gemeinsames Erbe", erklärt Uldry, der heute Sprecher von „Défense des droits des supporters" ist.

Nun ist PSG vor Gericht gezogen. Der Verein will mit aller Macht vor dem „Tribunal de grande instance de Paris" an die kostbaren Rechte des Slogans gelangen. Ganz so viel Geld scheinen die Rechte dem Verein dennoch nicht wert zu sein. „Im September erhielten wir einen Brief, der uns anbot die Marke an PSG für 2.000 € zu verkaufen", erklärt Uldry. Auf die Frage, ob er die Rechte aber für eine Millionen Euro abgetreten hätte, hat er auch eine klare Antwort: „Das ist uns völlig egal. Es geht nicht um Geld, es ist eine Frage des Prinzips."

„Ici c'est Paris" wird mittlerweile so ziemlich auf alle Fanartikel gedruckt (Screenshot: boutiquepsg.fr)

In dem Streit zwischen PSG und den Fans geht es nicht nur um den Slogan oder den Wert dieser wenigen Wort, es geht vor allem um einen ideologischen Kampf zwischen Verein und Fans. Der Klub will die Rechte des Slogans endlich besitzen, um als einziger Anbieter „Ici c'est Paris"-Fanartikel verkaufen zu können. Die Ultras wollen dies mit aller Macht verhindern, denn die Rechte an „Ici c'est Paris" sind eines der letzten Puzzleteile, die ihnen der „neue PSG" noch nicht genommen hat. Sie kämpfen schon seit Jahren gegen die katarischen Besitzer und die eingeschlagene Linie ihres ehemaligen Herzensvereins. Unter anderem erhöhte PSG die Ticketpreise und ließ fast alle aktiven Fangruppierungen aus dem Stadion verbannen, sodass sich die meisten Gruppen größtenteils vom Verein abgewandt haben.

Der Kampf um die Markenrechte an „Ici c'est Paris" hat die ohnehin schon kaputte Beziehung zwischen PSG und seinen (ehemaligen) Ultras wohl endgültig zerschlagen. Der Verein—wie auch die Ultras—werden wohl bis zuletzt um ihr „Recht" vor Gericht kämpfen. „Sie forderten und bekamen erst unsere Auflösung und jetzt wollen sie uns noch an die Tasche. Es ist ein Raub an der Fankultur", erklärte Christophe Uldry an Le Monde und fügte vielsagend hinzu: „'Ici c'est Paris' gehört der ganzen Welt."

Folgt Benedikt bei Twitter: @BeneNie