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So trinkst du auch in Zukunft weniger Alkohol

Die meisten Menschen haben ihre guten Vorsätze fürs neue Jahr schon wieder vergessen. Falls du dein Trinkverhalten aber auch weiterhin mäßigen willst, dann haben wir da ein paar gute Tipps.

von David Hiller
02 Februar 2017, 12:00pm

Wenn ein Arzt während der Behandlung langsam und laut hörbar ausatmet, dann ist das kein gutes Zeichen.

Ich habe vor 15 Minuten einen Online-Test gemacht, um zu schauen, ob ich ein Alkoholproblem habe. Jetzt telefoniere ich mit Adam Winstock, einem Facharzt für Psychiatrie und dem Initiator der Global Drug Survey, der die Drinks-Meter-App mitgestaltet hat. Diese App gibt dir anonym Feedback zum deinem Alkoholkonsum. Basierend auf der eingehenden Analyse spuckt das Programm einen Wert zwischen 1 und 40 aus. Bei mir sind es 18, was ziemlich schlecht ist und Adams Alarmglocken schrillen lässt. Zum Vergleich: Unter 8 ist gut, über 8 ist besorgniserregend, über 15 ist sehr besorgniserregend und über 20 ist ein Suchtindikator.

Natürlich weiß ich, dass ich zu viel trinke. Das habe ich aber nie wirklich als problematisch angesehen. Außerdem trinke ich gerne, es macht mir Spaß. Leider dreht sich in meinem Sozialleben fast alles nur um trinkfreundliche Aktivitäten. Deshalb schwor ich mir zum Jahreswechsel, meinen Alkoholkonsum zurückzufahren, bevor ich ihn ganz aufgeben muss.

Deswegen erhoffe ich mir von Adam wertvolle Tipps.

VICE: Ich habe mein Trinkverhalten nie als abnormal eingestuft. Fast alle meine Bekannten trinken genauso viel.
Adam Winstock: Wir reden uns selbst gewisse Dinge ein: "Ich mache doch nur, was meine Freunde auch machen. Und denen gehts gut!" Dadurch wollen wir uns beweisen, dass wir quasi unverwundbar sind und keine Vorsichtsmaßnahmen treffen müssen.  

Also sollte ich die Leute, mit denen ich normalerweise trinke, von nun an meiden?
So meine ich das nicht. Du kannst nicht immer Nein sagen. Stattdessen solltest du ehrlich sein und erklären, dass du es in den kommenden Monaten beim Feiern langsamer angehen willst. Ignoriere die richtig harten Partys und die Runden mit den Kurzen. Gehe erst später los. Und lass die Finger von Drogen, denn die verstärken die Wirkung von allem. Wahre Freunde werden das verstehen und dich unterstützen. Vielleicht stößt du in deinem Freundeskreis so auch ein Umdenken an.

Forschungen haben ergeben, dass der Besoffenheitsgrad gar nicht so viel mit dem tatsächlichen Alkoholkonsum, sondern mehr mit dem sozialen Umfeld beim Trinken zusammenhängt. Stell dir vor, du bist mit zehn Leuten unterwegs und trinkst fünf Bier. Acht Freunde saufen aber noch mehr. Dann fühlst du dich relativ nüchtern. Wenn jedoch keiner deiner Freunde mehr als fünf Bier trinkt, dann bist du zumindest ein wenig betrunken. In anderen Worten: Wenn alle weniger trinken, hat man genauso viel Spaß.

Das sagt sich so einfach. Manchmal geht es aber um mehr als Willensstärke, oder?
Vor ein paar Jahren haben wir untersucht, ob Menschen mit suchtartigem Trinkverhalten bewusst ist, dass sie sich unnormal verhalten. Das Ergebnis: In Großbritannien dachte eine von drei fast alkoholsüchtigen Personen, dass sie maximal genauso viel trinkt wie der Durchschnitt. Hier schließt sich der Kreis zur Vorstellung, dass man so ist wie jeder andere.

Foto: Bruno Bayley

Irgendwie komisch, diese Unterhaltung zu führen, denn auf der Arbeit läuft es bei mir besser denn je.
Die Medien-, Journalismus-, Entertainment-, Gastro- und Bauindustrien besitzen alle einen hohen Risikofaktor. Dort wird ein solches Trinkverhalten eher als normal angesehen und es ist üblich, Freitagabend auszugehen und sich wegzuschütten. In der Werbebranche ist es manchmal Voraussetzung, mehrmals die Woche mit Kunden Essen zu gehen – inklusive Alkohol. Solche Dinge sind dort die Norm und man denkt, dass man nichts Ungewöhnliches macht. Das stimmt jedoch nicht.

Was ist mit den Menschen, deren Jobs richtig stressig sind und denen der Alkohol abends hilft, abzuschalten?
Ich hatte mal eine erfolgreiche Geschäftsfrau als Patientin, die mehrmals unter der Woche drei große Gläser Wein trank, freitags feiern ging und dann sonntags noch ein alkoholgeschwängertes Mittagessen zubereitete. Obwohl sie an sich ein funktionierender Mensch war, trank sie das Vierfache der empfohlenen Wochenmenge.

Wir erarbeiteten eine Strategie, bei der sie das Trinken nicht komplett aufgab, sondern stattdessen vier alkoholfreie Tage in ihre Woche einplante – plus Fitnessstudio und Aktivitäten mit einer Freundin, die nicht trank. So mäßigte sie sich auf zwei Flaschen Wein pro Woche. Das ist zwar immer noch ein bisschen viel, aber um Längen besser. Ihr Leben hat sich wirklich zum Positiven verändert.

Wie wirken sich Beziehungen auf das Trinkverhalten aus? Bei Dates wird häufig getrunken.
Dazu haben wir noch keine Daten gesammelt, aber du hast wohl Recht. Wenn du nicht mit deiner Freundin unterwegs bist, lässt du es wahrscheinlich mit deinen Jungs krachen. Kuschelige Abende auf dem Sofa werden immer seltener. Viele Beziehungen basieren ja schon fast auf Drogen- und Alkoholkonsum. Und wenn es zwischenmenschlich schlecht läuft, dann kann dich das ebenfalls zur Flasche greifen lassen.

Kommt es nur darauf an, glücklich und mit sich selbst im Reinen zu sein?
Menschen, die zu Alkoholsucht neigen, haben mit größerer Wahrscheinlichkeit auch psychische Gesundheitsprobleme – Depressionen, Angstzustände und ungesunde Beziehungen. Ich konnte schon bei vielen Patienten beobachten, wie es ihnen viel besser ging, nachdem sie das Trinken einige Wochen ad acta gelegt hatten. Sie waren nämlich besser drauf, schliefen ruhiger, sahen frischer aus und nahmen ab. Die Drinks-Meter-App kann dabei sehr hilfreich sein. Sie regt dich zum Nachdenken an. Und sie will gar nicht, dass du dem Alkohol komplett abschwörst. Sie weiß ja, dass du gerne trinkst. Sie stellt lediglich die oben angesprochenen Märchen in Frage, die du dir einredest.

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