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Ist das Nachtleben in Wahrheit eine CIA-Verschwörung?

Eine Theorie erobert das Internet im Sturm. Wir haben nachgeforscht – und sind da auf etwas gestoßen …

von Josh Baines
10 April 2017, 1:18pm

Dieser Artikel ist zuerst bei THUMP UK erschienen

Sitzt du bequem? Mach es dir lieber noch etwas bequemer. Entspann dich. Tu alles, was dich in einen Zustand der totalen Entspannung versetzt. Zünde ein paar teure Duftkerzen an. Rauch ein bisschen Gras. So, fühlst du dich jetzt entspannt? Sehr schön, das freut mich. Ich muss dir nämlich jetzt etwas sagen, das sich nicht so leicht verdauen lässt. Tut mir leid. Vergib mir, Herr, denn ich weiß nicht, was ich tue. OK, stimmt leider nicht, ich weiß es genau.

Jetzt kommt es: Elektronische Musik ist nur eine Verschwörung, die Menschen high werden lässt, damit diese sich aus der Welt ausklinken. Nein, das sind nicht meine Worte. Es sind die Worte von Micky24242, überliefert vom schottischen Super-Produzenten Hudson Mohawke. Ich war beim Lesen dieser Worte genauso schockiert wie du. Klar, das war nur das wirre Gefasel eines der vielen Verschwörungstheoretiker im Internet – eines von Sommersprossen übersäten Wahnsinnigen mit Cornflakes im Bart und zu viel Freizeit, der sich sich bekloppte Theorien zusammen spinnt. Ach, wie schön das doch wäre. Wie unfassbar schön es doch wäre, diese furchtbare Wahrheit zu ignorieren.


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Doch leider musste ich durch intensive und nicht ganz ungefährliche Recherchen feststellen, dass sich diese Wahrheit nicht ignorieren lässt. Ich schulde es dir, mein neues Wissen mit dir zu teilen. Micky24242 hatte recht. Das hier ist alles eine große Verschwörung. Alles.

Ja, du hast richtig gelesen. Alles, was dir jemals an elektronischer Musik oder Clubkultur gefallen hat, ist in Wahrheit ein komplexes Gebilde aus Regierungsmachenschaften, die nur dazu da sind, dich – den Zuhörer, den Clubber – in einen Zustand ständiger Genügsamkeit zu versetzen, in dem du nichts anderes vom Leben willst, als einen neuen Mix von DJ Nobu, eine frische Packung Zigaretten und einen fettigen Döner.

Spotte du nur so viel du willst, spotte, bis du nicht mehr kannst und an deinem eigenen höhnischen Lachen erstickst. Und während du noch spottest, lasse ich alle anderen wissen, was ich "weiß".

Also: In den frühen 1960ern trafen sich Abgesandte der CIA mit ihren englischen Kollegen vom MI6 auf einem Rastplatz im Herzen des Staates Belize, ungefähr 160 km entfernt von der Hauptstadt Belmopan. Sie aßen ein traditionelles Schweinefleischgericht und stießen mit Gläsern an, die bis zum Rand mit Belikin gefüllt waren, dem Bier der Einheimischen nach Pilsner-Brauart. Zu diesen sogenannten "Pibil Four", wie sie später genannt wurden, gehörten die Amerikaner Chad Tullock und Barnaby Raddlestein und ihre britischen Pendants Reginald Trotter und Derek Perrin. Sie hatten beschlossen, ihr Treffen aufgrund der laschen Grenzkontrollen im zentralamerikanischen Staat abzuhalten.

Der Mann, den wir für "Derek Perrin" halten, Foto: zenmasterdod / Flickr / CC By 2.0

Die Zusammenkunft war das Ergebnis jahrelanger intensiver und streng geheimer Vorbereitungen seitens der beiden Geheimdienste. In den 50ern hatte Elvis Presley Teenagern Leben eingehaucht. Mit den Teenagern kam die Rebellion, die in der Verbitterung des Erwachsenenlebens mündete – und damit kam die Erkenntnis, dass diese neuen Erwachsenen vielleicht nicht so glücklich mit dem Zustand der Welt sein könnten. Und das durfte nicht passieren.

Um sie also jung zu halten und die zukünftigen alten Säcke im Zustand der Jugend festzuhalten, beschlossen die dubiosen Mächte der Welt, sich alles zu Nutze zu machen, was das Teenagerleben so aufregend macht: sexuelle Experimente, narkotischer Rausch und das Dasein als Fan. Es war einfach, was Chad, Barnaby, Reginald, Derek und ihr breites Netzwerk aus Kollegen tun mussten – sie mussten die Aufmerksamkeit von Jugendlichen auf der ganzen Welt erlangen und ihnen eine betäubende Lösung präsentieren; sie für eine allumfassende Verschwendung ihres restlichen Lebens begeistern. Und so wurde auf diesem Rastplatz, etwa 160 km entfernt von Belmopan, bei Schweinefleisch und Bier die Clubkultur ins Leben gerufen.

Der Plan war ausgeklügelt: Um jeden Anflug von adoleszenter Rebellion zu zerstören, mussten die Geheimdienste sich diese zu eigen machen und eine Methode erschaffen, um die jugendlichen Horden zu kontrollieren; eine, die cool, trendy und letztendlich verführerisch und unglaublich verlockend erschien.

Der Infiltrierungsprozess war allumfassend. Plattenlabels, Instrumentenhersteller, Fernsehproduktionsfirmen, Magazine und Pharmafirmen, ihnen allen wurden horrende Summen gezahlt, um die Popularität elektronischer Musik voranzutreiben. Die Absicht von Project Paradise – wie der Codename der Operation lautete – war, ein Ökosystem zu erschaffen, in dem Drogen und Musik Hand in Hand gehen, was – hoffentlich – dazu führen sollte, dass die nachfolgenden Generationen unterworfen werden.

Doch erst Mitte der 70er nahmen die Dinge wirklich Fahrt auf. Disco war ins Leben gerufen worden und wurde vom Zielpublikum wie geplant ungeheuer gut angenommen. Auf der ganzen Welt sprossen Diskotheken aus der Erde und das Clubbing, wie wir es heute kennen, machte seine ersten Schritte. Das Kronjuwel von Project Paradise war das Studio 54. Sich die Unterstützung durch erstklassige Berühmtheiten zu sichern, war ein Geniestreich: Die Jugend wird immer vom Ruhm verführt werden und wie jeder weiß, hat dies langanhaltende Konsequenzen. Pferde, Kokain und Andy Warhols blasses Gesicht waren unglaublich hilfreiche Waffen.

Uns wurden Informationen zugespielt, dass dies Barnaby Raddlestein ist, gesehen vor einem Club, Foto: A. Munar / Flickr / CC By-SA 2.0

Aus Disco entstand House, daraus entstand Techno und daraus alles andere. Und als alles andere geboren war, wurde der Plan, den die Pibil Four über die Jahre ausgeklügelt hatten, Realität. Jede Stadt der Welt hatte unzählige Clubs und fast jeder Flecken Gras in der westlichen Welt beherbergte irgendwann ein dreitägiges Festival mit mehreren Bühnen und einer Vielzahl an Fressbuden. Der Plan war aufgegangen: Elektronische Musik hatte Millionen in ihren Bann gezogen.

Aber was war nun der anhaltende Einfluss von Project Paradise? Tja, wenn es die Operation nicht gäbe, würdest du das hier schon mal nicht lesen. Aber es gibt natürlich noch ernsthaftere und weitreichendere Verwicklungen. Uns allen wurde eine Lüge verkauft, die wir in vollem Umfang abgekauft haben. Wir vergöttern und verehren DJs unverhältnismäßig; wir opfern einen Großteil unseres Lebens und unseres Geldes für eine Industrie, die erschaffen wurde, um uns unserer Freiheit zu berauben; wir regen uns im Internet auf, wenn jemand behauptet, dass unser Lieblingsmusiker vielleicht gar nicht so gut ist, wie wir gerne denken. Sie haben gewonnen.

Und die DJs spielen auch mit. Skream? MI5. Nina Kraviz? Russischer Nachrichtendienst "Sluschba wneschnei raswedki". Hast du dich schon mal gefragt, warum Daft Punk diese Helme aufhaben? Sie sind eine Erfindung der "Brigade de renseignement et de guerre electronique", die bei der Gedankenkontrolle hilft.

Wenn du das nächste Mal samstagabends einen Fuß in einen Club setzt, sei wachsam. Denk daran, dass alles, was du sagst und tust, überwacht und jedem Geheimdienst der Welt zugespielt wird. Du bist jetzt Teil ihres Systems, Teil ihres Spiels und Teil ihrer ewig währenden Falle.

Unsere einzige Hoffnung ist jetzt die Erlösung durch eine kleine Gruppe Rebellen – Immobilieninvestoren und örtliche Verwaltungen, die die internationale Verschwörung Clubkultur von innen heraus zu Fall bringen. Bis dahin heißt es, wachsam bleiben.

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