So hast du Nutella noch nie gegessen

Nutella-Milkshake? Na ja. Arme Ritter mit Nutella? Ganz nett, aber haut uns nicht aus den Latschen. Nutella-Muffins? Gähn! Wir haben uns mal an etwas ausgefallenere Kreationen gewagt.

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27 Juli 2016, 7:48am

Bidl via Imago

Sie ist das Synonym für alle Nuss-Nougat-Cremes: Nutella. Von ihr geht eine unfassbare Faszination aus. So findet zum Beispiel jedes Jahr am 5. Februar der inoffizielle Welt-Nutella-Tag statt, an dem man der Nuss-Nougat-Paste huldigt. Für die krassen Junkies gibt es sogar ein Schloss fürs Nutellaglas, damit sie ihren Stoff vor fremden Naschern schützen können.

Nutella ist eine Ikone und findet sich auch in der Kunst wieder: So hatte der Künstler Thomas Rentmeister Ende 2000 in Köln eine Ausstellung namens „Kulturpaste", in der er Nutella-Skulpturen zeigte (zum Beispiel diese hier). „Mit Nutella könnte man ganze Ausstellungshallen in gigantische Butterbrote verwandeln", sagte er damals in einem Interview mit dem Schweizer Kunstmagazin Kunst Bulletin.

Die meisten Leute schmieren sich die braune Haselnusscreme morgens aufs Toastbrot oder auf die Schrippe. Denn so ungesund Nutella auch ist—sie besteht zu etwas mehr als 30 Prozent aus Fett und zu knapp 60 Prozent aus Zucker—, schmeckt sie doch ganz schön gut, wenn wir ehrlich sind.

Aber immer nur aufs Brot schmieren, ist ja auf Dauer auch irgendwie langweilig. Deswegen habe ich mich in die unendlichen Weiten des Internets begeben und ein paar ganz besondere Rezepte herausgesucht: So habt ihr Nutella garantiert noch nie gegessen!

Caffè Marocchino

Der Tag beginnt mit einem Kaffee. Genau gesagt: Mit einem Caffè Marocchino. Der Legende nach wurde diese Kaffeevariante in den Cafés von Alba, der Geburtsstadt der Nutella, erfunden. Für den Marocchino streicht man die Tassenwände, bevor man den Kaffee eingießt, von innen mit Nutella aus. Danach füllt man den Kaffee mit heißer Milch auf. Für jemanden wie mich, der seinen Kaffee am liebsten schwarz trinkt und Kaffeesünden wie Schokoccino oder Caramel Macchiato verachtet, ist der Marocchino ein regelrechtes Vergehen: viel zu süß, viel zu schokoladig. Mit Kaffee hat das nichts mehr zu tun. Wer es allerdings süß mag, sollte es auf jeden Fall mal ausprobieren—außerdem kann man so in Windeseile seine Fett- und Zuckerreserven für den Tag auffüllen.

Bacon mit Nutella

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Fleisch und Schokolade passen gut zusammen: So sind Lamm oder Ente mit Schokoladensoße in der gehobenen Gastronomie keine Seltenheit. Doch wie sieht es aus mit Fleisch und Nutella? Wenn man im Internet nach abgefahrenen Nutella-Rezepten sucht, stößt man immer wieder auf Bacon im Nutellamantel. Der Bacon wird etwa 25 Minuten bei 180 Grad im Ofen gebacken. Währenddessen erhitzt man Nutella im Wasserbad, sodass sie schön flüssig wird. Wichtig ist, dass man etwas Kokosöl unter die Nutella mischt, damit die Nutellakruste auf dem Bacon am Ende auch gut aushärtet.

Wenn der Bacon fertig gebacken und schön kross ist, bestreicht man ihn mit dem Nutella-Kokosöl-Gemisch. Ich habe den Nutella-Bacon anschließend noch mit grobem Meersalz und rosa Pfeffer garniert—einfach weil's schön aussieht. Dann ab damit in den Kühlschrank und nach etwa einer Stunde ist die Nutellakruste ausgehärtet.

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Was extrem pervers klingt, schmeckt gar nicht mal so übel: knusprig, süß und salzig zugleich. Übrigens: Nutella mit Kokosöl schmeckt auch ohne Bacon ziemlich hervorragend—ein bisschen so wie flüssiges Bounty.

Nutella-Lasagne

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Das hippe Brooklyner Café Robicelli's hat sie angeblich erfunden: die Nutella-Lasagne. Im Internet finden sich haufenweise Rezepte für den süßen Nudelauflauf. Ich habe mich an keines der Rezepte gehalten, sondern mich gefragt: Wie ersetze ich die herzhaften Komponenten zwischen den Lasagneplatten durch süße Sachen? Und so habe ich zuerst eine süße Béchamelsoße angesetzt: Mit Butter, Mehl, Milch und Zucker. Die Tomatensoße habe ich gegen passierte Erdbeeren getauscht. Nach dem Zubereitungsschema einer „richtigen" Lasagne legt man dann die Nudelplatten in eine Form und bestreicht sie jeweils mit süßer Béchamelsoße, Erdbeerpüree und natürlich mit Nutella. Obendrauf kommt ja normalerweise Käse, aber das wäre zu krass gewesen. Das „Robicelli's" benutzt Marshmallows, auch das fand ich etwas widerwärtig. Mir wurde schon beim Probieren der süßen Béchamelsoße etwas schlecht. Mein Käseersatz waren gehobelte Mandeln.

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Das Ergebnis nach einer knappen Stunde im Ofen: Sieht aus wie Lasagne und riecht wie Schoko-Erdbeer-Kuchen. Die Nutella-Lasagne schmeckt so lala, ist noch sehr al dente und hat ungefähr eine Million Kalorien. Ich rate davon ab. Vielleicht muss man wirklich nach Brooklyn reisen, um die einzig wahre Nutella-Lasagne zu kosten—oder sich doch an Rezepte halten oder es ganz lassen.

Nutella-Sommerrollen

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Die übrigen Rezepte, die ich im Internet gefunden habe, ähneln sich zu sehr oder sind irgendwie langweilig: Nutella-Milkshake? Na ja. Arme Ritter mit Nutella? Ganz nett, aber haut mich nicht aus den Latschen. Nutella-Muffins? Gähn!

Was könnte man denn noch Verrücktes mit Nutella veranstalten? Na klar doch: Sommerrollen! Darauf ist anscheinend auch noch niemand gekommen, zumindest gibt es im World Wide Web kein Rezept dazu. Zufällig hatte ich noch ein bisschen Reispapier übrig und konnte so ein wenig Pionierarbeit leisten.

Die Nutella-Sommerrolle ist denkbar einfach und innerhalb weniger Minuten zubereitet: Ein bisschen Obst—in diesem Fall Erdbeere, Kiwi und Orange—in Streifen schneiden und auf das zuvor mit Nutella bestrichene Reispapier legen. Wrappen, fertig. Schmeckt super! Die Nutella-Sommerrolle ist, zusammen mit dem Nutella-Bacon, mein persönlicher Favorit.

Notiz an mich: Beim nächsten Mal keine Nutella aufs Reispapier streichen, sondern Obst-Sommerrollen mit warmer Kokosöl-Nutella (siehe Bacon mit Nutella) zum Dippen servieren…

Jetzt ist mir schlecht.