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Klimawandel

Wieso ist es allen egal, dass weniger Fleisch auch besser für die Umwelt ist?

Trotz wissenschaftlicher Beweise glauben nur die wenigsten Menschen, dass Umweltprobleme gelöst werden können, wenn wir weniger Fleisch essen.

von Alex Swerdloff
14 April 2016, 10:00am

In einer neuen Studie hat die Wissenschaftlerin Annick de Witt zusammen mit ihren Kollegen der Technischen Universität Delft untersucht, wie wir es schaffen können, als Gesellschaft weniger Emissionen zu produzieren und den Klimawandel einzudämmen, indem wir weniger Fleisch essen. Dabei haben sich die Forscher vor allem den Aspekt der Motivation angeschaut und sind zu folgendem Ergebnis gekommen: Verbraucher in den Niederlanden und den USA kapieren es einfach nicht. Obwohl es wissenschaftliche Beweise gibt, glauben die Menschen nicht, dass man durch Fleischverzicht die Umweltprobleme lösen kann.

Bei der Studie sollten die 1.000 Teilnehmer—ungefähr zu gleichen Teilen jeweils aus den Niederlanden bzw. den USA—verschiedene Möglichkeiten zur Bekämpfung des Klimawandels bewerten. Einige der Auswahlmöglichkeiten hatten mit Essen zu tun: weniger Fleisch essen, mehr regionales Essen oder Bio-Produkte kaufen; andere bezogen sich auf die Energiewirtschaft. Unterm Strich haben nur jeweils 12 Prozent der Holländer und mickrige 6 Prozent der Amis angegeben, dass es gut für unsere Umwelt wäre, wenn wir weniger Fleisch essen.

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Wie die Forscher meinen, kann ein reduzierter Fleischkonsum ameffektivsten Treibhausgasemissionen reduzieren. Eine weitere Studie mit ähnlichem Fokus hat jüngst gezeigt, dass, in de Witts Worten, „die Kosten für den Kampf gegen den Klimawandel bis 2050 um bis zu 50 Prozent gesenkt werden können, wenn die Welt weniger Fleisch essen würde".

Warum wissen die Menschen das nicht? Warum kapieren sie nicht, dass es der Umwelt gut tun würde, wenn man weniger Fleisch isst?

Why do people still eat meat

Foto von wallyg via Flickr

In einem Kommentar veröffentlicht in Scientific American meint de Witt, dass man einen neuen Ansatz für die Aufklärung und die Information der Öffentlichkeit braucht. Bisher gilt die „Fingerzeig-Taktik". Dadurch werden jedoch bei den meisten fleischessenden Menschen, die sich nicht als Umweltschützer verstehen, nur „Schuld- und Schamgefühle und ein Gefühl der Stigmatisierung hervorgerufen", die dann darauf reagieren, indem sie die Dinge leugnen oder herunterspielen. Eine solche Maßregelung bringt also nur etwas bei Fleischessern, denen auch die Umwelt am Herzen liegt, der Rest der Bevölkerung fühlt sich dadurch eher nicht angesprochen.

Wie de Witt schreibt: „Wir brauchen beim Thema Klimawandel und welchen Einfluss unsere Ernährung darauf hat dringend einen kreativen und wirkungsvollen Ansatz." Wenn die Bevölkerung versteht, dass weniger Fleisch nicht nur Vorteile für die Umwelt hat, sondern auch zu „besserer Gesundheit, Gewichtsverlust, Kreativität in der Küche und zum Wohl der Tiere beiträgt", dann sagen sie vielleicht eher ja.

Aber das bedeutet nicht, so de Witt, dass wir alle komplett auf Fleisch verzichten müssen. Gegenüber MUNCHIES meinte sie, dass sie selbst „Fleisch [isst], wenn auch nicht häufig und nur aus Bio-Haltung." Es geht im Endeffekt darum, bereit zu sein, sich flexitarisch zu ernähren.

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Als wir darüber sprechen, wie befreiend es sein kann, wenn Fleisch nicht im Mittelpunkt des Essens steht, führt de Witt einen interessanten Punkt an:

„Wenn das Fleisch nicht mehr im Fokus ist, beginnen wir zu experimentieren, entdecken neues Gemüse, neue Zutaten und werden allgemein viel kreativer beim Kochen. Anders gesagt: Es macht Spaß und die Ergebnisse können überraschend, bunt und ziemlich lecker sein. Das sollten wir den Leuten zeigen und sie dafür begeistern."

Heutzutage, meint sie, „ist es den Menschen wichtig, wo ihr Essen herkommt, sie schätzen eine Verbindung zur Natur und zeigen sich überhaupt gesundheitsbewusster, auch was ihre Ernährung und ihren Körper betrifft. Der richtige Zeitgeist ist also schon da."

Die Kühe und die Umwelt danken.

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