Dieser Rapper hat ein Album gemacht, das Munchies heißt
Alle Bilder: Elik Küçük
HipHop

Dieser Rapper hat ein Album gemacht, das Munchies heißt

Und Curly hält Wort. Zeit für eine Tour.
23.1.17

Als wir über den Kotti gehen, will uns jemand Gras verkaufen. „Danke, nein", Curly hat jetzt Hunger. Der Berliner Rapper hat ein neues Album gemacht, Munchies heißt es. Zeit, sich ein wenig zu unterhalten und eine maximal unvernünftige Tour zu unternehmen.

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Alle Bilder: Elif Küçük

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Curly unternimmt regelmäßig Raubzüge durch die Restaurants der Stadt, wenn er denn zum Essen überhaupt aus dem Haus geht, denn das „Bestellgame is strong" in Berlin. Als sie auf ihrer Silvesterparty um zehn schon kein Alk mehr hatten, bestellten sie neuen auf Amazon. Heute hat er sich chic gemacht, denn wir gehen zusammen aus, die Kappe mit der Banane, die Ray Ban, die Jacke viel zu dünn für die Minusgrade. Dazu Pfirsich-Eistee. HipHop hat mit Eistee eine merkwürdige Verbindung, Samy Deluxe nannte sich in „Part 2" (2000) den Typen, „der immer 13 Liter Lipton Ice aus Dosen trinkt", die Beginner rappen drüber, Celo & Abdi schwören auf Lipton Sparkling, LGoony hat einen Track gemacht und natürlich auch Curly. Jetzt ist erst einmal „Izmir Köftecisi" dran, das Brot ist weich, das Fleisch gut gewürzt, Curly ist zufrieden. Man kann ihm die Freude am Essen im Gesicht ansehen. Als wir aus dem Laden kommen, hat die Polizei einige Dealer hochgenommen, der Typ, der uns das Gras verkaufen wollte, steht entspannt einige Meter daneben. Zwangspause. Zivilpolizisten schleppen einen Dealer aus den umliegenden Straßen zurück.

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Ins Taxi, denn Curly weigert sich, Bahn zu fahren: „Laber mich nicht voll / ich soll U-Bahn fahren, nicht immer Taxi / das will ich nicht" („Will ich nicht"). Während der Fahrt ärgert er sich darüber, dass manche Burgerläden zu viel Brot benutzen, Sättigungsbeilagen mag er nicht. Deswegen gibt es auch keine Pommes zu der Bratwurst bei „What a Wurst" an der Warschauer Brücke. Es ist schon eine Touristenbude ja, aber er vertraut dem Laden. Es gibt hier auch Ketwurst, der halbe Liter Eistee kostet 2,60 Euro. Die Wurst ist nur ein Snack, mehr als eine Minute braucht Curly dafür nicht. Trotzdem schüttelt er sich in der Kälte. Es ist noch nicht genug, Pizza soll es nun sein. „Hier ist die großartige Roulade, hier gibt es die geilste Carbonara": Wenn Curly über Essen redet, dann gibt es nur Enthusiasmus, er hat dann keinen anderen Modus. Enthusiasmus, davon hat er viel, auch für Rap, für Neues, für Freestyle. Auch wenn er selbst der goldenen Zeit des HipHops im New York der 90er Jahre nachhängt, so verschließt er sich nicht neuen Einflüssen. Mit Crack Ignaz hat er gearbeitet, bevor er auch hierzulande eine Adresse war. Munchies ist ein geschmeidiges Album zwischen klassischem BoomBap und neusten Trap-Einflüssen geworden, er will machen, worauf er Lust hat. Sein Maß für Erfolg ist, wenn er die Miete für ein Jahr zahlen kann (in, natürlich, „Eistee").

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https://www.youtube.com/watch?v=0VLBj5tjRwY

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Zwischendurch gibt es wieder Eistee, jetzt Mango-Ananas. All das scheint, als hätte Curly die ganze zeitgemäße Ess-Etikette nicht gelesen, kein Veganismus, keine Intoleranzen, kein Maß. Lust am Exzess. In einer Zeit, in der Essen sehr kompliziert geworden ist: Alles eine Frage von Leben und Tod, zumindest aber der Selbstdarstellung. Er hingegen will „Geschmacksperversitätenvielfalt".

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Das Il Ritrivo soll in Friedrichshain soll es sein, die Pizza Pazzesca mit Salsiccia und Mascarpone und Parmaschinken. Dabei gibt es eine große Portion frittiertes Gemüse und Cola, 0,25 Liter. Das Besteck kommt in Tüten. Dieses Mal schafft er es nicht, aufzuessen, die Reste kommen in Alufolie. Kurz nach Hause ins Studio, das eine Tür von seinem Schlafzimmer entfernt liegt, morgen muss das Master vom Album fertig sein. Davor Saure Zungen aus dem Späti, dann ins Burgeramt, dann wieder an das Master. Genug gegessen.

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Im Laden läuft HipHop der 90er Jahre, der Beamer wirft einen Graffiti-Film aus dem Berlin aus dem gleichen Jahrzehnt an die Wand, Curly bestellt sich einen Oreo-Shake, den er „unfassbar" findet. Der Shake ist so süß, dass er letztlich ein Einführungskurs in Diabetes ist. Curly bestellt sich noch einen zweiten.

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