Urlaub

Wie du dich im Ausland im Club verhältst, ohne ein Arsch zu sein

Trag keine Badehose und piss nicht überall hin, OK?

von Angus Harrison
30 Juni 2016, 1:45pm

Photo by Adrian Choa.


Zu den wichtigsten Dingen im Urlaub—oder auf Reisen—gehört, eine Menge fragwürdiger Clubveranstaltungen zu besuchen, die dich zu Hause kein bisschen interessieren würden. Ob es dir gefällt oder nicht, du wirst dich selbst in einem grell violetten Raum mit Klimaanlage wiederfinden, billiges Bier trinken und mit einem Typen aus Australien oder England Kette rauchen, während im Hintergrund „Alors En Danse" schallt. Die Luft draußen steht vor Hitze, deine Haare sind eine zerzauste Mischung aus Sand und Haargel und du bist mit deinen Kumpels auf der anderen Seite der Welt, also fühlt ihr euch, als läge selbige euch zu Füßen. Selbst wenn ihr nur eine Stunde in einem Billigflieger saßt.

Aber oh nein. Du hast beschlossen, dich wie ein Idiot zu verhalten. Du hast beschlossen, dass du, nur weil du in Ibiza/Kroatien/Thailand/Holland/Budapest/ Vietnam/Belgien/Australien/Frankreich/Schottland bist, all deinen Selbstrespekt zusammen mit dem Stapel Socken zu Hause vergessen hast. Und jetzt versuchst du, auf der Raucherterrasse den Worm-Dance zu machen. Wenn du nicht aufpasst, dann triffst du die Art von Lebensentscheidung, die dich die nächsten 20 Jahre nachts nicht ruhig schlafen lassen wird.

Nicht, dass wir uns falsch verstehen: Das soll nicht heißen, dass du keine dämlichen Lebensentscheidungen treffen sollst. Daraus lernen wir und sie machen ungefähr 98% aller Unterhaltungen in Kneipen aus. Es gibt allerdings einen Weg, unbekümmert, frei und ausgelassen zu sein, ohne sich wie ein Oberarsch aufzuführen.

So geht's:

1. Kauf keine Drogen von Leuten, die eindeutig Polizisten sind

Komisch, dass jeder hier 22 Jahre alt, bis auf diesen einen Typen, der aussieht wie ein wirklich mitgenommener, gebräunter Stefan Effenberg. Komisch auch, dass er der einzige mit Bauchtasche ist. Komisch auch, dass er ein Walkie-Talkie hat, das recht offensichtlich unter seinem T-Shirt hervorblitzt. Komisch, dass er deinem Kumpel gerade Handschellen anlegt. Komisch das Ganze.

2. Trag keine Badehose

Hier ist die Sache: Nur weil du tagsüber Schnorcheln warst—und nur weil du die letzten sechs Wochen damit verbrachst hast, dir Proteinpulver reinzuhauen um deine, zugegeben einwandfreien, Bauchmuskeln zu perfektionieren—heißt das nicht, dass die Einheimischen oder sonst jemand im Club sehen will, wie du dich in deiner knappen Badehose über den Tresen lehnst, um Wodka E zu bestellen. Das ist dieselbe Logik, mit der du überall barfuß hingehst und vier Pizzen am Tag isst und ja, wir verstehen es, es ist heiß, trotzdem bist du in einem Nachtclub. Wenn sich jemand nur mit Hawaii-Shorts bekleidet an dir vorbeiquetscht, um zu den Toiletten zu gelangen, dann wirst du nicht dankbar dafür sein. Oben ohne geht gar nicht. Außerdem hast du keine Taschen. Und ich kann sehen, wie du das Netz der Badehose aus deiner Arschritze ziehst.

3. Rauch keine Selbstgedrehten

Niemand weiß warum, aber sobald du das Land verlassen hast, sobald die Sonne auf dich knallt und sobald du an deinem ersten riesigen Bier nippst, wird das Drehen einer Zigarette ein vollkommen unmögliches Unterfangen. Nein, du brauchst Fertiggedrehte aus der Packung. Schöne, dicke, komischerweise viel schöner als zu Hause aussehende Zigaretten aus der Packung, die hier nur einen Bruchteil kosten.

4. Sing nicht Unmengen von Stadionhymnen

Er will nicht deine Interpretation von „Will Grigg's On Fire" hören. Auch nicht „Atemlos" oder „Seven Nation Army". Er will einfach, dass du deine Getränke bezahlst und abhaust.

5. Imitier nicht andere Nationalitäten

Du hast einfach Spaß. Nur ein bisschen Spaß. Nur ein wenig harmlosen Spaß. Du rufst einem Türsteher einfach nur „Por favor senor" für einen frechen, komplett unangebrachten Lacher zu. Es gibt einen Grund, warum im Berghain keine Touristen willkommen sind.

6. Spiel ein wenig mit den Stereotypen

Scheiß drauf. Der DJ dieses winzigen Clubs hat „Wonderwall" aus einem bestimmten Grund aufgelegt. Er hat eure Fischerhüte gesehen, als ihr reinkamt. Habt Spaß. Jeder denkt, dass Engländer betrunkene Fußballfans mit schlechten Zähnen sind, warum solltest du sie also enttäuschen? Amerikaner? Dann scheu dich nicht, ein umgedrehtes Basecap zu tragen und dir den EDM-Track mit Folk-Sample zu wünschen, der gerade der am meisten shazaamte Song des Jahrzehnts ist. Deutscher? Benimm dich und kleide dich vernünftig. So wissen die Leute wenigstens, wen sie reinlassen sollen, wenn du in der Schlange stehst!

7. Akzeptier die schreckliche Musik

Wenn es nicht in die Metropolen geht, dann besteht das Nachtleben vielleicht hauptsächlich aus Restaurants, die erkannt haben, dass sie mehr mit literweise Mojitos als mit Calzones verdienen können. Die Wahrscheinlichkeit ist also hoch, dass sie nicht die neueste L.I.E.S.-Veröffentlichung haben, aber andererseits, wann hast du das letzte Mal gehört, wie jemand von „We No Speak Americano" zu „S Club Party" übergeht ... und das auf YouTube?

8. Mach den Worm-Dance jetzt, bevor es zu spät ist

Der Worm-Dance ist das Schlimmste, was eine Person machen kann. Es ist wirklich auf einer Stufe mit Mord und der Aussage „Das ist einfach deine Meinung" in einer Unterhaltung, in der es eindeutig um verschiedene Meinungen zu einem Thema geht. Trotzdem haben einige Leute da draußen das Bedürfnis, den Worm zu machen. Wenn es also sein muss, mach es jetzt, während du in einem anderen Land und nur von ein paar Leuten umgeben bist, die du kennst. Hoffentlich filmt es niemand. Du schiebst dich ein paar Sekunden über den Boden, während dein Körper sich krümmt wie ein Hund, der in einem Schlafsack gefangen ist, dann stehst du auf, klopfst den Dreck ab und genießt die Scham, dass du das nie wieder machen wirst. Bring es hinter dich, bevor du auf die Idee kommst, es bei der Hochzeit deiner Schwester zu machen.

9. Piss nicht überall hin

Pisst du zu Hause überall hin? Machst du das? Spazierst du in dein Haus, bedankst dich bei deiner Mutter für das Essen, was sie gerade auf den Tisch gestellt hat, erzählst ihr wie dein Tag war und fängst dann an, überall hinzupissen? Pisst du zu Hause die ganze Bushaltestelle voll? Pisst du auf deine Freunde? Machst du das? Gehst du zu deinen Freunden nach Hause und pisst sie voll? Pisst du dich selbst voll? Pisst du dich regelmäßig selbst zu Hause ein? Nein. Ich denke nicht. Dann mach das bitte auch hier nicht, vielen Dank. Wenn du es zu Hause nicht machst, dann solltest du das auch in diesem italienischen Nachtclub nicht machen.

10. Schmeiß keine Terracotta-Blumentöpfe voller Sand und Zigarettenasche vor die Tür eines Clubs, um dann wegzurennen, nur weil man dich nicht reingelassen hat

Definitiv die schlimmste Sache, die ich jemals getan habe. Ernsthaft. Ich weiß nicht, was über mich gekommen ist. Es war mir peinlich, dass ich nicht reingelassen wurde. Der Türsteher hat mich so seltsam angesehen. Ich wollte ihnen zeigen, aus welchem Holz ich geschnitzt bin, also nahm ich diesen riesigen Blumentopf—und ich meine riesig, er ging mir bis zum Oberkörper—und kippte ihn vor den Eingang des Clubs. Es ergoss sich überall hin: Sand, Zigarettenstummel und Müll. Es war furchtbar, der Gestank, der Dreck. Also rannte ich, wir alle rannten, ich und meine drei Freunde. Wir rannten durch die französische Nacht, während die Füße des Türstehers auf der Straße hinter uns in einer wilden Verfolgungsjagd aufschlugen. Ich bin nie zuvor in meinem Leben so schnell gelaufen und wenn ich jetzt so darüber nachdenke, habe ich mich noch nie so lebendig gefühlt. Irgendein erschöpfter Typ, der mich auf Französisch anschreit, die warme Luft, die meine Ohren streift, Meersalz in meinen Haaren und der Rest meines Lebens vor mir. Ich habe meine Meinung geändert: Wirf definitiv einen riesigen Blumentopf voller Zigarettenstummel um, wenn du die Möglichkeit hast. Was ein Spaß.

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