Männer erklären, warum so wenig Frauen in Profi-Küchen arbeiten

Unsere niederländischen Kollegen haben sich mal in Restaurants umgehört – und einige Klischees halten sich erschreckend hartnäckig.

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27 April 2017, 10:00am

Foto: Basheer Tome | Flickr | CC BY 2.0

Einmal habe ich eine Party mit dem Motto „Haushaltsgeräte" veranstaltet. Ich ging als Trockner, meine zwei Brüder und alle anderen männlichen Gäste fanden es witzig, sich als Hausfrauen zu verkleiden. Ein wunderbares Beispiel dafür, dass auch meine Generation immer noch zu einem gewissen Grad denkt, dass Frauen in die Küche gehören.

Doch in Restaurantküchen kehrt sich dieses Klischee auf wundersame Weise ins Gegenteil: Hier stehen Männer hinterm Herd. Nur zehn Prozent aller niederländischen Restaurantköche sind Frauen (und auch in anderen Ländern sieht es nicht besser aus). Ich gehöre zu dieser raren Spezies.

Warum herrscht in professionellen Küchen so ein extremer Frauenmangel? Wir haben ein paar erfahrene Köche gefragt, warum ihrer Meinung nach so wenig Frauen in den Profi-Küchen arbeiten. Wenn man ihnen glauben darf, sind alte Geschlechterstereotype schuld, dass es so wenig Köchinnen gibt: Frauen sind der Arbeit körperlich nicht gewachsen, Frauen mögen das raue Umfeld nicht, Frauen wollen lieber andere Dinge im Leben tun – Kinder bekommen oder für ihren Mann kochen.


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Jason Blanckaert, Chefkoch und Besitzer des J.E.F. in Gent
„Frauen geben den Beruf oft wegen ihres Soziallebens auf – so habe ich das zumindest erlebt. Gute Köchinnen kündigen oft, zum Beispiel weil es für ihren Freund schwer ist, nur an zweiter Stelle zu stehen: Sie ist lange weg von zu Hause und er muss sich selbst was kochen. Auch Frauen mit Kinderwunsch steigen oft aus. Sie suchen sich dann einen anderen Job, der zwar immer noch was mit Essen zu tun hat, aber ihnen mehr Freiraum gibt, sich um ihren Partner und die Kinder zu kümmern. Das kann ich nachvollziehen, aber es ist echt schade. Alle Frauen, mit denen ich bisher zusammengearbeitet habe, waren extrem gut. Sie sorgen für ein gutes Arbeitsklima, sind meistens gut organisiert, pünktlich und sozial. Die Frauen, die doch weiter in Restaurantküchen arbeiten, sind oft lesbisch."

Ich glaube, das liegt vor allem daran, dass wir lange arbeiten, oft zehn bis zwölf Stunden am Tag. Männer halten ein wenig länger durch als Frauen.

Dennis Trappenburg, Chefkoch im GYS in Rotterdam
„Das ist schwer zu sagen. Ich glaube, das liegt vor allem daran, dass wir lange arbeiten, oft zehn bis zwölf Stunden am Tag. Männer halten ein wenig länger durch als Frauen. Verdammt, so wie ich das sage, klingt es echt verrückt. Eigentlich habe ich mit genug Frauen in der Küche zusammengearbeitet und keine von ihnen hatte ein Problem mit den langen Schichten. Sie packen echt an. Aber gut, allgemein haben eben doch eher Männer das Durchhaltevermögen für lange Schichten, oder? Bei mir auf Arbeit gibt es mehr Köchinnen als sonst, denn bei uns gibt es Bio-Essen, das zieht Köchinnen an. Aber, ja, ich denke, Durchhaltevermögen und Kraft sind eine Erklärung dafür…"

Foto: Köchin Dominique Crenn ist mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichnet | imago | ZUMA Press

Es liegt auch an der Küchenkultur: Man bittet nicht höflich darum, ob man mal vorbei darf, sondern man schreit einfach „WEG DA!" Frauen fällt es schwerer, damit umzugehen.

Daniel Lansbergen, Koch im Kafé België in Utrecht
„Es gibt nur lächerlich wenige Frauen in Profi-Küchen, das ist echt bedauerlich. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Frauen oft einen anderen Blick auf die Dinge haben, erfrischende Ideen. Sie kochen saisonaler und haben ein besseres Gefühl für das Ästhetische. Allerdings bleibt die Arbeit in der Küche körperliche Arbeit: Man muss über lange Zeit stehen und hart arbeiten. Das klingt vielleicht dumm, aber zwölf Stunden am Stück auf den Beinen zu stehen ist für Frauen schwieriger, weil sie einfach anders gebaut sind. Versteht mich nicht falsch… Es liegt auch an der Küchenkultur: Man bittet nicht höflich darum, ob man mal vorbei darf, sondern man schreit einfach „WEG DA!" Niemand fragt dich, ob du mal die Eier rüberreichen kannst, sondern man schreit: „EIER!" Es geht furchtbar unhöflich zu, Frauen fällt es schwerer, damit umzugehen. Ich glaube das sind die zwei Gründe[, warum es so wenig Köchinnen in den niederländischen Restaurants gibt.]"

Lucas Jeffries, Küchenchef der Instock-Restaurants
„Ich wünsche mir mehr Frauen in den Restaurantküchen. Sie müssen nicht alle hübsch sein, auch wenn das natürlich ein nettes Plus wäre. Frauen bzw. Vielfalt in der Küche allgemein, sind gut für die Dynamik am Arbeitsplatz. Ein reines Frauenteam funktioniert nicht immer, ein reines Männerteam ist schrecklich. Den ganzen Tag lang schmutzige Witze! Frauen können das allerdings auch. Es ist schwer, Köchinnen zu finden, was, glaube ich, daran liegt, dass Frauen nach etwas mit mehr Substanz suchen. Und weil Frauen intelligenter sind, denke ich. Sie brauchen eine geistige Herausforderung. Männer wollen etwas Cooles machen und finden repetitive Arbeit nicht so schlimm wie Frauen."

Foto: imago | ZUMA Press

Renee Heijnen, Chefkoch im Restaurant der Musikkneipe 't Oude Pothuys in Utrecht
„Es gibt nur ein paar berühmte Köchinnen, die sind extrem gut. Aber der Weg dorthin ist körperlich eben ziemlich hart. Sobald man es nach ganz oben geschafft hat, kann man sich auf andere Sachen konzentrieren: mehr Arbeit vom Schreibtisch aus erledigen, Aufgaben delegieren. Aber man fängt eben als Tellerwäscher an – zuerst macht man die Drecksarbeit. Mädchen wollen das nicht. Ich glaube, nur ein Prozent aller Köche sind Frauen. Die meisten gehen in den Catering-Bereich, da sind es, glaube ich, 60 Prozent Männer und 40 Prozent Frauen. Die Arbeit da ist weniger schwierig für Frauen. Es gibt feste Arbeitszeiten, man kann also Arbeit und Familie besser vereinbaren. Oft erlebe ich, dass Frauen lieber tagsüber arbeiten. Ich glaube einfach, dass traditionelle Geschlechterrollen immer noch eine Rolle spielen: Die Frau muss sich um ihre Familie kümmern. Die Arbeit in der Küche ist hart: Man muss sich behaupten können, womit meiner Meinung nach viele Frauen schwer klarkommen. Das hört sich richtig fies an, das war eigentlich nicht meine Absicht. Frauen wollen einfach lieber abends zu Hause sein und sich um die Kinder kümmern, als in der Küche zu schwitzen."