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Kritik

"Französisches Essen ist bedauernswert" – der französische Tourismuschef

Philippe Faure kritisiert den derzeitigen Zustand der französischen Küche. Dabei gibt es eigentlich keinen wirklichen Grund für seinen Pessimismus.

von Jelisa Castrodale
19 Dezember 2018, 5:00am

Symbolfoto: StockSnap | Pixabay | Public Domain

2015 war die Top 10 der jährlichen Liste von The World’s 50 Best Restaurants ein internationales Allerlei – dank Einträgen aus neun verschiedenen Ländern auf vier verschiedenen Kontinenten. Was in den Top 10 jedoch nicht vertreten war: ein Restaurant aus Frankreich. Mon dieu! Nach vier Jahren, in denen kein französisches Etablissement höher als auf Platz elf gelistet war, entschied man sich in Frankreich schließlich dazu, einfach eine eigene Liste zu veröffentlichen. Eine Liste, in der die Überlegenheit der französischen Küche gebührend gewürdigt wird. "La Liste" war geboren.

2015 erstmals vom französischen Außenministerium herausgegeben, soll der Guide die 1.000 besten und bemerkenswertesten Restaurants der Welt beinhalten. Der komplizierte Algorithmus setzte zwar das Restaurant de l’Hôtel de Ville aus Lausanne an die Spitze der ersten Liste, aber immerhin befand sich das Guy Savoy in Paris auf Platz vier (in der "World's Best 50"-Auflistung war Guy Savoy gar nicht vertreten).

Nach vier Jahren der eigenen Rankings übt der Chef von La Liste jetzt aber selbst Kritik an der französischen Küche – obwohl Guy Savoy seit zwei Jahren mit an der Spitze steht. "Vor 30 oder 40 Jahren konnte man noch durch [Frankreich] fahren, alle 20 Kilometer irgendwo einkehren und sehr gut essen", sagte Philippe Faure, der Vorsitzende des französischen Tourismusverbands, gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. "Damals gab es überall gute Bistros. Das ist nicht mehr der Fall. Ohne einen Guide kann man heutzutage in der Schweiz, in Spanien und in Italien besser essen."


Action Bronson findet die französische Küche gar nicht schlecht:


Obwohl die französische Haute Cuisine Faure immer noch beeindruckt, ist er der Meinung, dass jüngere Köche, kleinere Restaurants und kleinere Städte kulinarisch gesehen nicht mehr an Bedeutung verlieren. "In der Großstädten existieren nicht mehr genügend gute Bistros. Zu wenige junge Menschen tun zu wenige gute Dinge", sagte er. Vor allem in den Provinzen sei das sehr bedauernswert.

Was laut Faure mit zum Problem beitrage: Die französische Küche sei nicht nur schwer zu meistern, sondern auch teuer. "Italienisch zu kochen, ist im Vergleich sehr einfach", erklärte er mit einem eindeutigen Seitenhieb gegen das südeuropäische Land. "Pasta, Eingemachtes, sonnengetrocknete Tomaten und Parmesan halten sich jahrelang. In einem französischen Restaurant braucht man jedoch frische Salate, frische Fischsoßen und delikate Käsesorten. Das ist um Längen komplizierter und teurer. Und es bedarf einer Menge Know-how."

An dieser Stelle sollte erwähnt werden, dass auf der diesjährigen La Liste das New Yorker Restaurant Le Bernardin an Platz eins steht. Mitbesitzer des Etablissements ist der französische Koch Éric Ripert. "Ich bin froh über die Auszeichnung", sagte der gegenüber der New York Times. "Und es freut mich sehr, dass ein französischer Verband ein amerikanisches Restaurant anerkennt."

Nun, ein zumindest teilweise amerikanisches Restaurant. In einem anderen Artikel der New York Times steht auch, dass das erste Le Bernardin von Maguy Le Coze und ihrem Bruder Gilbert 1972 in Paris eröffnet wurde. Erst im Januar 1986 folgte der Ableger in New York. Dort hat Maguy Le Coze zusammen mit Éric Ripert immer noch das Sagen, die originale Location in Paris verkauften die Geschwister jedoch irgendwann an Guy Savoy.

Egal ob nun bedauernswert oder nicht, ganze 118 der Restaurants auf der diesjährigen La Liste befinden sich in Frankreich. Und es ist kaum zu erwarten, dass das Ranking nächstes Jahr großartig anders aussehen wird. Noch ist also doch nicht alles verloren.

Dieser Artikel ist zuerst bei MUNCHIES US erschienen.

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