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Popkultur

Wir haben die meistgegoogelten Fragen 2018 beantwortet

Wie heißt die Mutter von Niki Lauda? Was sind Permanenzen? Und wo zur Hölle ist Martin Schulz?

von VICE Staff
12 Dezember 2018, 1:45pm

Foto: imago | Jürgen Heinrich

Während die Statistiken von Pornhub in diesem Jahr die bemerkenswerte Verbreitung von Fortnite- und Comicfiguren-Fetischen dokumentieren, zeigen die deutschen Google-Trends von 2018 ein Land in tiefster Verunsicherung. Die Hitze, die verkorkste Fußball-WM, der Sohn von Bibi, der Absturz von Bitcoin und der Tod von Daniel Küblböck – all das tauchte dieses Jahr als Trend in den Suchanfragen auf.

Wir haben uns einige der Suchanfragen geschnappt und beantworten sie. Damit ihr nie mehr googeln müsst, wie ihr beim Roulette gewinnt und euch vor Wespen und giftigen Raupen schützt.

Wie alt ist Prinz Harry?

Die Leute scheinen wirklich jeden erfundenen Quatsch über Prinz Harry zu lesen. Nur so kann man erklären, wie lange es dauert, zwischen all den Boulevard-Meldungen sein Alter zu finden. Daher hier die kurze Antwort: Prinz Harry ist am 15. September 1984 geboren. Wenn dieser Artikel erscheint, ist er also 34.

Wir sehen in dieser Frage jedoch noch eine zweite Ebene, die eine etwas längere Antwort erfordert: Wie alt ist Prinz Harry wirklich? Diese Frage stellte sich unter anderem, als er bei einem Besuch in Nordirland unter einem grauen Sakko einen blauen Pullover trug, unter dem ein weißer Hemdkragen hervorspitzte. Ein klarer Hinweis darauf, dass Harry eigentlich ein 50-jähriger Mathematikprofessor ist, gefangen im Körper eines Prinzen. Doch gleichzeitig erinnern wir uns alle noch lebhaft daran, als Prinz Harry 2013 bei einer Südpol-Expedition Champagner aus einer Beinprothese trank. Dieser visionäre Einfall konnte nur einem mindestens zehn Jahre jüngeren Geist entspringen, noch frei von den Begrenzungen und Zwängen des Alters. Wir hätten es heute also mit einem Prinz Harry zu tun, der die Schnittmenge aus einem 24-jährigen Gehirn in den Klamotten eines 50-Jährigen bildet. Sein wahres Alter liegt also bei 37. Und wenn ihr jetzt sagt, was für ein Bullshit das sei, dann haben wir zumindest die These belegt, dass die Leute wirklich jeden Quatsch über Harry lesen.

Wie heißt die Mutter von Niki Lauda?

Elisabeth. Sein Vater heißt übrigens Ernst-Peter, der wiederum der Sohn von Hans Lauda ist, seines Zeichens Sohn des Wasserbautechnikers und k.k. Sektionschefs Ernst Ritter von Lauda, der 1859 als Sohn von Adolf Lauda geboren wurde. Dieser war Direktor der Kaiserin Elisabeth-Bahn, die nach Elisabeth Amalie Eugenie, Herzogin in Bayern und besser bekannt als Sissi, benannt wurde. Und deren Cousine war Eugénie de Beauharnais, die Prinzessin von Leuchtenberg, die niemand Geringeres war als die Stiefenkelin Napoleon Bonapartes. Whoa, mama halblang!

Wo ist die ISS?

Während wir diesen Text schreiben, rauscht die Internationale Raumstation ISS gerade über Zentraleuropa. Weil sie aber mit 28.800 km/h unterwegs ist, könnte sie am Ende dieses Textes … ja, da donnert sie schon über China hinweg. In 400 Kilometer Höhe braucht das Weltraumlabor nur 90 Minuten, um die Erde einmal zu umrunden. Und wenn ihr wirklich leicht zu unterhalten seid oder euch Die schönsten Bahnstrecken Deutschlands zu wild sind, könnt ihr die ISS auf der Seite der Europäischen Weltraumorganisation ESA direkt verfolgen.


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Was hilft gegen Wespen?

Diesen Sommer machten viele Medien den Eindruck, gegen Wespen helfen vor allem gute Anwälte. Bis zu 50.000 Euro müsse man zahlen, wenn man eine Wespe erlegt, schrieb etwa der Merkur. Wie eine Nachfrage von Correctiv bei den Landesbehörden ergab, entspricht das nicht der Realität. Es werden höchstens mal Bußgelder im zweistelligen Bereich vergeben, wenn jemand ein ganzes Nest zerstört – aber quasi nie, wenn nur eine Wespe im Handstaubsauger verschwindet. Wenn von den schwarz-gelben Picknick-Crashern eine Gefahr ausgeht, etwa für Allergiker, dürfen sie auch getötet werden. Dann können Notdienste die Nester umsetzen oder vernichten – wobei man sich hier vor Abzockern hüten soll, rät der MDR. Und wer jetzt schon einen Zementsack bestellt, um nächsten Sommer Wespen einzubetonieren und in einem Fluss zu versenken – es genügt auch, ein Glas Cola aufzustellen und dabei zuzusehen, wie die Idioten in die Falle fliegen.

Was hat Maaßen gemacht?

Hans-Georg Maaßen, ehemaliger Präsident des Verfassungsschutzes, war eine der "Persönlichkeiten" in den Google Trends des Jahres. Immer wenn der Verfassungsschutz in der Öffentlichkeit steht, dann verheißt das in der Regel nichts Gutes. Was hat Maaßen also gemacht? Es folgt die Kurzfassung.

Maaßen verwehrte 2006 dem in Deutschland geborenen Murat Kurnaz, der ohne Anklage jahrelang im Gefangenenlager von Guantanamo saß, die Wiedereinreise nach Deutschland. Seine Behörde arbeitete 2013 mit dem US-Geheimdienst NSA zusammen, um deutsche Bürger auszuspionieren. Er stellte 2015 Anzeige wegen Landesverrats gegen die Plattform netzpolitik.org. Er bezeichnete Edward Snowden als Verräter. Er bestritt 2017, von einem Verfassungsschutz-Spitzel im Umfeld des islamistischen Terroristen Anis Amri gewusst zu haben. Er traf sich regelmäßig mit AfD-Politikern wie Frauke Petry und Alexander Gauland und soll ihnen dabei mutmaßlich gute Ratschläge erteilt haben. Er verneinte, dass es in 2018 in Chemnitz eine Hetzjagd gab, und warf stattdessen Medien die Verbreitung falscher Informationen vor. Trotz all dieser Verfehlungen wäre er fast ins Innenministerium befördert worden, hat dann aber in einer Rede von "linksradikalen Kräften in der SPD" gesprochen und wurde stattdessen in den Ruhestand versetzt. Was er immerhin (noch) nicht machen will: der AfD beitreten.

Wie muss Deutschland spielen, um weiterzukommen?

Wir vermuten, es ging um die Fußball-WM (worauf die Antwort wäre: Ein Sieg gegen Südkorea hätte die Chancen verbessert), aber hinter der Frage steckt ja eigentlich viel mehr. Sie spiegelt die ultimative Existenzangst des Kleinbürgertums ("Deutschland schafft sich ab") mit dem spielerischen Wunsch nach Erfolg ("Wir sind wieder wer!") und lässt sich auf so vieles anwenden: Klimawandel, Nazis, EU, Koalitionskrise, Industrie 4.0 und die Weltmeisterschaft im Hallen-Halma – was muss Deutschland tun, um weiterzukommen? Reicht es, Merkel auszuwechseln und der Kohleenergie die rote Karte zu zeigen? Braucht es eine neue Breitbandoffensive und sollte Mesut Özil an die Spitze der CSU stürmen? Was wir wissen: Ein Jahr hat 365 Tage und ein Halma-Kegel ist rund.

Was sind Permanenzen?

Deutschland ist offenbar eine Nation von Roulette-Spielern. Dort bezeichnet die Permanenz eine statistische Aufzeichnung der zuvor gefallenen Zahlen und dazugehörigen Farben an einem Roulette-Tisch. Manche glauben, anhand der Permanenzen vorhersagen zu können, welche Zahlen und Farben als nächstes kommen. Ist ja klar: Wenn an einem Tisch neunmal in Folge schwarz fällt, muss das zehnte Mal bestimmt rot sein, oder? Nee, muss es natürlich nicht. Das ist ein klassischer Spielerfehlschluss, denn wenn nicht gerade der Tisch fehlerhaft ist, sind die vorherigen Spielergebnisse irrelevant für das nächste. Das akribische Mitkritzeln im Casino könnt ihr euch deshalb sparen, ihr seht mit euren Notizzetteln unter dem Sakkoarm ohnehin aus wie Trottel.

Wie lange bleibt die Hitze und was dagegen tun?

Schlechte Nachrichten: Die Hitze geht nicht mehr weg, jedenfalls nicht weltweit. In diesen Tagen findet im polnischen Katowice die UN-Klimakonferenz statt und UN-Generalsekretär António Guterres sprach von einer "Frage von Leben und Tod", wenn die Versprechen des Pariser Klimaabkommens nicht eingehalten würden. Es sieht leider nicht danach aus, als könnte die Erderwärmung auf 1,5 Grad begrenzt werden. Ihr solltet euch deshalb darauf einstellen, dass Jahrhundertsommer auch in Deutschland künftig eher im 10-Jahres-Rhythmus auftreten und dass das Bier im Sommer im Park immer schon nach zehn Minuten warm ist. Was ihr dagegen tun könnt? Schneller trinken. Und euch informieren, was ihr selbst gegen den Klimawandel tun könnt. Weniger Fleisch essen und mehr Rad fahren zum Beispiel.

Eichenprozessionsspinner was tun?

Was zur Hölle ist ein Eichenprozessionsspinner, fragt ihr euch gerade, während ihr auf einem Elektro-Mietroller euer Hoverboard in die Werkstatt bringt. Aber dort, wo das echte Deutschland ist, in tausendjährigen Eichenhainen und Brandenburger Kleingärten, ja, dort war das 2018 eine essentielle Frage. Die Raupen des Nachtfalters verbreiteten sich im Frühjahr wieder in halb Deutschland prächtig. Und der Kontakt mit ihnen ist ziemlich unangenehm. Deshalb beschäftigte sich der wichtige Sender WDR in Hier und heute in einem Beitrag damit. "Sie machen Hautreizungen, richtige Quaddeln, Knoten können das werden", hieß es darin. Die Tiere könnten außerdem Schleimhäute reizen, die Atemwege belasten, eine Bindehautentzündung oder allergische Reaktion hervorrufen. Also: Was tun?

In Hessen, Brandenburg und NRW versprühten Hubschrauber ein Insektenvernichtungsmittel über befallenen Eichen. Außerdem kann man die Tiere beim Gesundheitsamt oder Ordnungsamt melden. Dann entscheiden die Kommunen, ob sie eingreifen. Kommt man mit den Raupen in Kontakt, sollte man sich gründlich waschen und bei allergischen Reaktionen einen Arzt aufsuchen.

Wo ist Martin Schulz?

Das Faszinierende an dieser Frage ist, dass sie am vergangenen Sonntag zuerst beantwortet und dann erneut in den Raum geworfen wurde. Als der ehemalige Kanzlerkandidat Martin Schulz bei Anne Will zu Gast war, konnten viele die Frage abhaken. Martin Schulz lebt also noch. Und er hatte sich offenbar nicht für immer in eine geheime Kolonie für gefallene SPD-Politiker zurückgezogen, die die Partei womöglich irgendwo in einem ehemaligen Kohlebergwerk betreibt. Doch dann kam es zu einer dramatischen Wendung.

Um 22:30 Uhr verließ Martin Schulz plötzlich die Runde, die gerade über Annegret Kramp-Karrenbauer sprach. Viele Zuschauerinnen und Zuschauer fragten sich wahrscheinlich, ob er kurz raus musste, um vorgefertigte Sätze der Illuminaten entgegenzunehmen. Jedenfalls fragte sich halb Deutschland: Wo ist Martin Schulz? Schulz war nur kurz auf der Toilette, teilte sein Büro mit. Dieses Büro hat Martin Schulz übrigens, weil er nach wie vor Bundestagsmitglied ist. Deshalb ist Martin Schulz auch im Parlament häufig anzutreffen.

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