Ein Mann bei einem Autorennen
Fotos: Piotr Pietrus
Popkultur

Diese Fotos zeigen polnische Mad-Max-Autorennen

Keine Sponsoren, keine Grid Girls. Hier gibt's Staub, Stahl – und selbstgebackenen Kuchen.
6.12.19

Es ist nicht leicht, in einer von Kommerz und Erfolgsdruck dominierten Welt Sportevents zu finden, bei denen es keine Werbebanner und Security gibt – dafür aber billiges Bier und Zuckerwatte. Fotograf Piotr Pietrus aber hat das geschafft. Nicht weit von der deutsch-polnischen Grenze hat er ein "Wrak Race" abgelichtet: ein DIY-Autorennen mit Karren, die manchmal gerade noch so ins Ziel rollen.

Piotr ist 39, fotografiert oft politische und umweltbezogene Themen. Das Wrak Race zu dokumentieren, war ihm aber ein besonderes Anliegen – wegen seiner Familie.

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VICE: Wie bist du auf das Wrak Race gekommen?
Piotr Pietrus: Mein Vater hat mich drauf gebracht. Er ist seit jeher Motorsportfan, wir haben früher zusammen Rallye-Rennen geschaut. Ein Freund von ihm, so Typ alter Hardcore-Rebell, macht beim Wrak Race mit.

Und dann seid ihr einfach hin?
Der erste Eindruck hatte sofort etwas von Mad Max. Wir fuhren über einen Hügel, unten war ein Stoppelfeld, eine dicke Staubwolke hing über allem, und darin waren die Silhouetten der Schrottautos schemenhaft zu erkennen.

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Wie funktioniert so ein Wrak Race?
Die Rennstrecke wird einfach auf dem Feld markiert, mit Absperrband. Die Teilnehmer machen ihre Karren so fertig, dass sie irgendwie noch fahren. Dann treten sechs bis acht Autos gegeneinander an, die ersten paar kommen in die nächste Runde. Bis dann im Finale der Sieger ermittelt wird. Aber es geht nicht um den Sieg.

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Warum sieht es auf deinen Fotos so aus wie in einem Sandsturm?
Tatsächlich eine Auswirkung der Klimakrise. Polen ist deutlich trockener als Deutschland. Wenn im Sommer länger kein Regen fällt, steht bei so einem Rennen der Staub in der Luft.

Die Sicht war also mies.
Für meine Fotos war das sogar gut, das gibt ihnen diese Endzeit-Ästhetik. Aber für die Fahrer war das ein Problem, weil sie halt nichts gesehen haben. Manche sind deshalb sogar ausgestiegen aus dem Rennen.

Bei solchen Bedingungen gibt’s sicher viele Unfälle.
Ja, aber da sind natürlich auch viele Mechaniker, Tüftler und Autonarren unterwegs. Ich habe beobachtet, wie ein kaputter Reifen nicht vom Auto runterzukriegen war, etwas musste sich verzogen haben. Am Ende kam so ein Riesentyp mit einem 15-Kilo-Hammer und hat den Reifen vom Auto geschlagen. Die Veranstalter kooperieren mit einem Schrotthändler, der ist beim Rennen direkt vor Ort, um all das Altmetall einzusammeln.

Warum überhaupt gerade Polen?
Dort waren Rallye-Wettbewerbe früher sehr populär. Gerade nach 1990 hatten die Leute zudem oft sehr schlechte Autos, sie mussten also viel selbst reparieren, das hat diese DIY-Kultur begünstigt.

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