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Gamer und Entwickler diskutieren, ob Spider-Man ein Mörder ist

Sony will, dass der Superheld seine Gegner im neuen Spiel nicht tötet, sondern nur verprügelt. Jetzt haben Gamer Szenen entdeckt, die die freundliche Spinne von nebenan schlecht dastehen lassen.
17.9.18
Spiderman
Bild: Sony

Bösewichte haben in vielen Videospielen ein äußerst kurzes Leben. In Doom beispielsweise metzelt sich der Doom Slayer durch die gegnerischen Reihen – selbst dann, wenn sich das Spiel auch ohne Gemetzel bestreiten ließe. Ganz anders ist die Situation, wenn ein Superheld der Protagonist eines Games ist. Superman, Batman und Spider-Man sollen ihre Feinde zwar ordentlich verprügeln – aber nicht töten.

Superman könnte Lex Luthors Kopf zwar mit seinem Laserblick durchbohren oder seine Gegner mühelos entzweireißen. Tut er aber nicht. Das Gleiche gilt für Marvel's Spider-Man für die PlayStation 4.

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Seinem Image als die nette Spinne von nebenan bleibt Spider-Man auch im neuen Game treu. Ja, er verpasst seinen Widersachern einen ordentlich Tritt ins Gesicht, fesselt sie per Spinnennetz an einen Laternenpfahl und versetzt ihnen Elektroschocks, bis sie bewusstlos sind. Aber er bringt niemanden um. Doch jetzt zeigen sich einige Spider-Man-Fans besorgt, ob Spidey im Spiel nicht doch gelegentlich zum Mörder wird.

So überleben Spider-Mans Gegner den Sturz vom Wolkenkratzer

Bei Marvel's Spider-Man schwingt ihr euch mithilfe von Spinnfäden durch Manhattan, daher finden viele Kämpfe auf den Dächern von Wolkenkratzern statt. Bei diesen Kämpfen ist es eine gewinnbringende Strategie, die Gegner einfach vom Dach zu kicken. Im Game gibt es dafür sogar spezielle Moves. Ihr könnt Gegner beispielsweise in einem Netz einspinnen und sie über dem Kopf kreisen lassen, bevor ihr sie im hohen Bogen vom Dach schleudert. Alternativ verpasst ihr ihnen einen Kinnhaken, damit sie in die Luft fliegen und katapultiert sie dann durch einen gezielten Tritt ins Aus.


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Dieses rabiate Benehmen lässt einige Gamerinnen und Gamer an der weißen Weste von Spider-Man zweifeln. Denn wie sollen die Bösewichte den Sturz vom Hochhaus überleben? Motherboard hat bei Sonys PR-Team nachgefragt und eine unerwartete Antwort erhalten: Sony zufolge habe der Entwickler des Spiels, Insomniac, bestätigt, dass Spider-Man niemanden im Spiel töte.

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"Er ist der Beschützer", betont Sony. "Es gibt Animationen im Spiel, die zeigen, wie die Typen, die vom Gebäude fallen, eingesponnen und in Sicherheit gebracht werden."

Tatsächlich lässt sich die von Sony beschriebene Szene im Spiel finden. Springt man einem Bösewicht hinterher, den man gerade vom Dach gekickt hat, erscheint plötzlich aus dem Nichts ein Spinnennetz, das ihn an die Wand des Gebäudes heftet und vor dem tödlichen Aufprall bewahrt. Der Twitter-Nutzer Danny O'Dwyer hat die Szene eingefangen:

Trotzdem lässt die Erklärung von Insomniac einige Fragen offen. Bevor Spider-Man seine Gegner vom Dach kickt … befestigt er etwa in weiser Voraussicht Spinnennetz-Fallen (die es im Spiel tatsächlich gibt) an den Hauswänden? Wann genau tut er das? Und vor allem: Was passiert mit den Bösewichten, die möglicherweise bewusstlos an New Yorker Hauswänden kleben?

Außerdem lassen sich Gegner im Spiel auch von niedrigen Gebäuden werfen. Wer ihnen hinterher schaut, sieht, wie sie regungslos auf dem Gehweg aufschlagen – besonders lebendig sehen sie anschließend nicht mehr aus. Ein Gamer hat auf Twitter einen Clip geteilt, in dem Spider-Man Kriminelle mit seinem Netz an einen gepanzerten Lastwagen fesselt, bevor er explodiert:

Abgesehen davon sollte allein schon Spider-Mans beeindruckende Körperkraft ausreichen, dem Leben von Gangstern ein plötzliches Ende zu setzen. Der Typ ist schließlich stark genug, um einen Hubschrauber hochzuheben. Zugegeben, auch Batman konnte seine Widersacher in den Arkham-Spielen wie Origami-Papier zusammenfalten und irgendwie überlebten sie trotzdem.

Vielleicht sind das die kleinen Ungereimtheiten, über die man als Videospiel-Fan hinwegsehen muss. Inzwischen haben Gamer längst ein neues Problem gefunden, über das sich hervorragend streiten lässt: Spider-Man hilft im neuen Spiel nämlich der New Yorker Polizei dabei, ein Überwachungsnetz aufzubauen, um die Bevölkerung stets im Auge zu behalten. Wie heldenhaft das ist, muss wohl jeder für sich selbst entscheiden.

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Dieser Artikel ist zuerst auf der englischsprachigen Seite von Motherboard erschienen.