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Ein Liebesbrief an ...

Ein Liebesbrief von Blokkmonsta an den Hater

Hass mit Liebe zu bekämpfen, ist eine geradezu jesushafte Einstellung und Botschaft, die wir von Blokkmonsta und KDM Shey zwar nicht unbedingt erwartet hätten, aber umso erfreulicher finden.

von KDM Shey und Blokkmonsta
10 September 2018, 12:47pm

Screenshot von YouTube aus dem Video "Blokkmonsta & KDM Shey - Es kommt wie es kommt [prod. Isy Beatz & C55]" von HirntotTV

Sagen wir, wie es ist: Im Internet überwiegt der Hass. Ein Blick in die Kommentarfelder von YouTube oder Facebook reicht da meist schon, um den Glauben an das Gute auf dieser Welt täglich aufs Neue zu verlieren. Das ist doch scheiße. Also konzentrieren wir uns lieber auf die schönen Seiten im Leben, die absolut wunderbaren Dinge, die unseren Alltag bereichern, uns zum Lächeln bringen. Dinge, die wir verdammt nochmal lieben.

Da vor allem Musiker und Musikerinnen online oft die volle Wucht der Missgunst zu spüren bekommen, geben wir ihnen hier die Möglichkeit, dem Hassklima mit einer großen Ladung reiner Liebe die Stirn zu bieten. Wir geben ihnen einen komplett freien Raum, in welchem sie ihre Liebe zu einer Person, einer Sache, einem Gefühl, einem Was-auch-immer in selbst gewählte Worte fassen können.


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Blokkmonsta ist ein Rapper, der eher selten seine gefühlvolle, zärtliche Seite nach außen kehrt. Umso gespannter waren wir also, an wen oder was Blokk seine streng gehüteten Liebesgefühle richten würde, als wir die unsere Anfrage rausschickten. Umso überraschter waren wir, als wir einen "Liebesbrief an den Hater" erhielten.

Hass mit Liebe zu bekämpfen ist eine geradezu jesushafte Einstellung und Botschaft, die besonders in der heutigen Welt, in der Hass immer mehr zum Erfolgsrezept zu mutieren scheint, unheimlich wichtig zu spreaden ist. Dass ausgerechnet Blokkmonsta diese Aufgabe übernehmen würde, hätten wir zwar nicht erwartet, dafür erfreut es uns umso mehr. Und nicht nur das! Abgesehen davon erklären Blokkmonsta und KDM Shey, der Blokk beim Verfassen des Liebesbriefs assistierte, dem Hater nicht nur ihre Liebe, sondern versuchen auch dessen Wut, Schmerz und Enttäuschung zu verstehen. Glaubt ihr alles nicht? Lest einfach selbst!

Lieber Hater,

Erinnerst du dich noch daran, wie du vor fünf, zehn oder 15 Jahren deinen Lieblingsrapper entdeckt hast? Irgendwo zwischen tausenden MySpace-Seiten, Forenposts und YouTube-Playlisten bist du auf DIESES EINE Video gestoßen. Diesen bestimmten Song, der dich direkt gecatcht hat. Die Tage und Wochen danach hast du damit verbracht, jedes Tape, jeden Freetrack und alle Interviews zu tracken, die es so gab. Wer ist in seiner Crew? Mit wem hat er Features? Ein bisschen hat es sich angefühlt, wie das erste Mal verliebt sein. Alles war aufregend. Alles neu und besonders. Und wie in einer Beziehung, wird Passion schnell zur Obsession.

Andere Rapper konnten IHM nicht das Wasser reichen. Wer IHN gedisst hat, wurde dein Erzfeind. In Diskussionen hast du IHN bis aufs Blut verteidigt. Natürlich – er war doch DEIN Rapper. Dieser Underdog, auf den kein anderer setzte. Nur du und eine erlesene Bubble von Leuten, die es fühlen konnten, haben es verstanden. Wenn es Dir schlecht ging, war seine Musik da. Sie sprach zu dir. Nur zu dir!

Er prägte deine prägenden Jahre. War immer dabei. Beim ersten Kuss. Der ersten Liebe. Dem ersten Vollsuff. Das erste gebrochene Herz von seiner Musik begleitet. Keine Liebe für Hoes. Er versteht das schon. Er machte Dir Mut. Das verband euch. Jahrelang zusammen im Underground. Kein Licht. Nur dröhnende Bässe und Lyrics von Schmerz und Rebellion.

Bis zu diesem einen Tag. Diesem Tag, der alles veränderte. Du musst so um die 27 gewesen sein. Jugendliche Euphorie wich einem kritischeren Blick. Was tat er da nur? Biederte er sich etwa dem Mainstream an? Wollte er mit seiner Musik etwa Erfolg? Vielleicht sogar wirtschaftlichen Erfolg?
Und überhaupt – wieso erzählt der ständig von Schmerz und Rebellion? Der ist doch viel zu alt für sowas. Und Underground auch schon lange nicht mehr. Jetzt experimentiert der rum. Mit komischen Plug-Ins, die die beschissenen Kinder aus der Wohnung unter dir feiern. AudioTune heißt das. Oder irgendwie in der Art. Und Features macht der. Mit Sell-Outs. Trapbeats statt Memphis-Sound. Und die Videos sind auch nicht mehr auf LowRes DV-Cams entstanden. Mittlerweile bezahlt er Leute dafür, dass da professionelle Filme entstehen.

Nee. Das ist peinlich. Das bist nicht mehr du. Das ist ja nichtmal mehr ER! Wenn ihm das bloß mal jemand sagen würde. Sollte ihm UNBEDINGT mal jemand sagen. DU musst es tun. Sonst wird es niemand. Vielleicht versteht er dann ja, dass er einen ganz, ganz falschen Weg verfolgt. Ja. Das ist DIE Idee. Auf zu YouTube. "Ey XYZ – Du hast Dich verkauft! Ich war damals 2008 dein größter Fan. Aber jetzt?! Nur noch peinlich! Ich verkauf alle Deine Alben!" Und das tust Du auch. In der Facebook Gruppe "XYZ Music Merchandise Verkauf" haust du die Dinger raus, als sei es Koks direkt vom Hamburger Hafen. Erstpressungen von 2006 erzielen dreistellige Preise und helfen so deine Tränen zu trocknen.

Und als auch das letzte Shirt verschickt und das letzte Poster abgehangen wurde, überkommt dich sowas wie Wehmut. Irgendwie fehlt ER dir doch. DEIN Rapper. Dieser Typ, der immer da war. Nur für Dich. Vielleicht ist er ja doch nicht nur der geldgeile Bastard, der sich für Fame verkauft hat. Vielleicht ist er nur älter geworden und es leid, ständig das gleiche zu rappen? Vielleicht bist Du älter geworden und dem Ganzen entwachsen? Vielleicht verklärt dein nostalgischer Blick auf die frühen 2000er, als Du mitten in der Pubertät und dankbar für ein wenig Verständnis warst, auch nur dein Urteilsvermögen.

Vielleicht ist dieses Über-Ich DEINES Rappers einfach nur eine Projektion gewesen, die einfach niemals niemand hätte erfüllen können? Selbst ER nicht.

Blokkmonsta und KDM Shey

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Blokkmonsta und KDM Shey haben am 31. August ihr Kollabo-Album Ein Dadash kommt selten allein veröffentlicht. Eine Vereinigung, die viele vielleicht ebenso überraschend finden, wie einen Liebesbrief von Blokkmonsta, schließlich ist der Sound des Hirntot-Rappers und des Erfinders von Schlager-Trap doch recht unterschiedlich. Hört euch das Album auf Spotify, Apple Music und Co. an oder kauft es euch HIER. Facebook-Merchandise-Gruppen haben wir dazu bis jetzt noch keine gefunden.

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