das erste date mit

Das erste Date mit ... Landro

Neonlichter, Flipperkästen und eine alte Jukebox: Retro-Romantik mit dem Bieler Rapper Landro.

von Claire Braun
02 Oktober 2018, 9:19am

Alle Fotos von Jennifer Ries

In unserer Reihe "Das erste Date mit …" laden wir Musiker auf ein Date ein, um ihnen möglichst unangenehme Fragen zu stellen, die man bei einem ersten Date eben so stellt. Wir geben ihnen die Chance, sich möglichst von der besten Seite zu zeigen – genau wie bei einem Date.

Der junge Bieler Rapper Landro gewährt uns in seinem Debüt-Album Nostalgia einen Einblick in seine persönliche "Coming-Of-Age"-Story. Er rappt über seine Jugend, das Erwachsenwerden und alle Ups and Downs, die man dabei eben so durchlebt. Landro spielt gekonnt mit der Rap-Pop-Gruft, kombiniert und mixt, rappt und singt. Kurz vor seiner Plattentaufe auf dem Bielersee, liess er sich auf ein Date mit Noisey ein – zu daten gehört ja auch zum Erwachsenwerden dazu.

Was passt denn besser zu Nostalgia als ein Abend in einer amerikanischen Retro-Arcade? Zwischen Neonlichtern, Flipperkästen und Jukeboxes erzählt uns Landro von Dates, Fangirls und welche Musik er im Geheimen so richtig feiert.

Wir haben uns am Zürcher Hauptbahnhof verabredet. Doch ich bin mir nicht ganz sicher, ob wir uns finden würden, da sich abends gefühlt die ganze Welt dort trifft. Bis mich ein bekanntes Gesicht angrinst und meint: "Du bist es also". Wir steigen ins Tram Richtung Altstetten.

Bist du jetzt von Biel hergefahren?
Nein, ich studiere hier in Zürich und kam direkt nach der Vorlesung.

Was studierst du denn?
Medien und Kommunikation an der Uni Zürich. Ich will noch nicht 100% auf meine Musik setzen, aber mal sehen, was passiert. Mein Ziel ist es aber schon, in irgendeiner Form in der Musikbranche tätig zu sein.

Du pendelst also jeden Tag hierher?
Ja, aber man kann sich ja beschäftigen. Ich lese zum Beispiel auch ziemlich viel.

Was liest du gerade?
The Catcher in the Rye. Bereits zum zweiten Mal. Liest du auch?

Ja, ich lese gerade Fabian von Erich Kästner. Kann ich echt empfehlen!

Wir steigen aus dem Tram und gehen zu Fuss zur Arcade Outlane.

Weisst du, wo wir lang müssen?
Mal sehen.. Bis jetzt sieht’s richtig aus.

Ich vertrau dir einfach mal.
Keine gute Idee, ich hab' dir von meinem schlechten Orientierungssinn noch gar nicht erzählt.

Angekommen, setzen wir uns in die roten Retro-Sofas und fangen bei einer Flasche Cola an zu quatschen.

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Gehst du eigentlich gerne auf Dates?
Joah, ist schon eine Weile her, seit ich das letzte Mal auf einem Date war – ich war lange in einer Beziehung.

Wie spielt sich dein perfektes Date ab?
Es kommt auf die Frau an. Es muss gar nichts Spezielles sein. Am See chillen oder etwas trinken gehen, reicht eigentlich schon.

Welche Gesprächsthemen packst du da so aus?
Ich hasse Smalltalk. Wenn man auf demselben Level ist, kann man ja auch gut reden, ohne Smalltalk machen zu müssen. Und wenn nicht, bleibt's vielleicht einfach dabei. Aber gerade bei einem Date will man ja eine Person kennenlernen. Ich habe lieber richtige Gespräche. Wenn’s die richtige Person ist, merkt man das beim Gespräch ja.

Womit punktet man bei dir?
Ich habe da keine konkreten Vorstellungen. Die Frau, die einen dann flasht, ist ja meistens eh anders, als man erwartet. Sie sollte ja auch nicht genau gleich sein wie ich, sondern Eigenschaften haben, die ich selber nicht habe. Das macht’s ja spannend! Aber auch nicht zu gegenteilig. Sie sollte einfach eine einzigartige Persönlichkeit haben.

Du hast hohe Ansprüche!
Ja, schon. Vielleicht steht mir das im Weg. Aber diese Ansprüche können andere auch an mich haben. Ich will eine Frau, die mich cool findet, wie ich bin. Ich hab keinen Bock, irgendwelchen Ansprüchen zu genügen, denen ich gar nicht gerecht werden kann.

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Stellst du normalerweise die Fragen?
Nein, gar nicht. Ich höre eigentlich lieber zu und frage anschliessend weiter. Aber ich bin nicht jemand, der von Anfang an wie ein Buch redet. Doch wenn die Chemie stimmt, erzähle ich schon auch gerne von mir.

Ist denn das Texten nicht genau das? Man lässt einfach alles raus?
Nein, denn genau dort kann ich alles gut reinpacken. In der Musik erzähle ich Dinge, die ich nicht allen erzählen würde. Dann kann ich mich besser ausdrücken und meine Gefühle verarbeiten.

Nur in der Musik?
Naja. Ich muss ja nicht allen gleich mein ganzes Leben erzählen und davon ausgehen, dass es sie interessiert. Ich lege also beim Kennenlernen von Leuten mehr Gewicht auf die andere Person, als darauf, mein Leben zu dokumentieren und meine Gedanken zu teilen.

Du schreibst ja auch Songs über andere Leute. Was erzählst du da genau?
Damals ging’s um eine Trennung, die ich mit meiner Musik verarbeiten wollte. Mein Album Nostalgia erzählt ja eigentlich meine ganze Jugend. Es gab positive wie auch negative Momente. Und zum Schluss halt die Trennung. Da habe ich viele Gefühle und Gedanken reingesteckt, die ich sonst immer nur mit mir selbst rumgetragen habe.

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Das ist für ein öffentliches Album ja ziemlich persönlich.
Ja, das war schon nicht einfach. In dem Moment, als ich die Songs geschrieben habe, war ich alleine in meinem Zimmer. Es hat für mich jedoch so perfekt auf das Album gepasst und das Ganze abgerundet. Ich hab da meine Gefühle dem Album ein bisschen untergeordnet, damit es ein gutes Album wird. Und damit es auch anderen Leuten, die sich vielleicht gleich fühlen, helfen könnte.

Nur würden sie es nicht so öffentlich erzählen.
Ich als Künstler opfere mich halt sozusagen auf und lasse meine Gefühle in die Welt raus.

Du hast das alles in deinem Zimmer geschrieben – bist du gern allein?
Ja, ich bin gern allein. Oder zumindest kann ich gut alleine sein, und ich brauch' das auch. Seit ich angefangen habe, Musik zu machen, hat sich das so ergeben.

Steckt in dir ein nostalgischer Oldschool-Romantiker?
Hmm nein, nicht wirklich. Ich empfinde mehr Nostalgie gegenüber der Zeit, die im eigenen Leben vorbei ist. Ich will meine eigene Vergangenheit festhalten, damit ich mich immer an diese Zeit zurückerinnern kann.

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Ich fordere Landro beim Eishockey heraus und zwinge ihn in die Knie. Beim Schiessen hingegen knackt Landro beinahe den Highscore und zeigt mir, wie man richtig zielt. Im Hintergrund läuft lautstark ein schnulziger Nickelback-Song.

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Oh Gott, Nickelback. Was hältst du von der Band?
Nicht viel. Also bei Noisey muss man ja eh Nickelback-Hater sein. Sie sind mir einfach egal. Man kennt die Songs halt einfach aus der Kindheit. Als ich mit der Familie im Auto unterwegs war, lief halt immer das Radio.

Hörst du deine eigene Musik? So im Auto?
Ich fahr' nicht.

OK, dann im Bus eben.
Ich höre sie nur, wenn sie noch in Bearbeitung ist. Ich bin halt voll selbstkritisch und bastle noch gerne rum, bevor alles öffentlich wird. Aber danach nicht mehr.

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Du trägst ja den Astroworld-Pulli! Es gibt ja viele, die den Merch gekauft haben, bevor das neue Album von Travis Scott rauskam.
… ich war auch einer von denen.

Was, echt jetzt?
Ja, ich wusste einfach, dass das Album gut sein würde.

Was hörst du denn nebst Travis Scott?
Beim Kochen höre ich immer Jazz. Und sonst viel Rap, Rock, Pop, RnB, Reggae. Ich höre eigentlich alles gern, aber es gibt nicht so viele Leute, die das verstehen. Wenn ich mit Rap-Lovern über Rockbands reden will, spreche ich gegen eine Wand.

Jede Person hat doch so einen Song, der zu uncool ist, um darüber zu reden. Was ist deiner?
Ich rede hier mit den Medien, das verrate ich sicher nicht!

Ich verrate dir auch meinen!
OK, dann los.

Backstreet Boys, "Helpless When She Smiles". In meinen ganz schwachen Momenten.
Echt jetzt? (lacht) Na gut, vielleicht so Sound von 2000er Emo-Rock-Bands. Der ist manchmal schon echt nice. Wie zum Beispiel von My Chemical Romance. Aber was ist schon cool und uncool? Schlussendlich finden Rapper Pop scheisse, Pop-Musiker finden Rap scheisse, Rocker finden Rap scheisse…

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Wir bestellen uns Hotdogs.

Du kleckerst ja gar nicht! Hast du schon gegessen?
Nein, noch nicht.

Also dann, nehmen wir doch so einen ekligen Riesen-Biss.

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Wirst du in Biel oft erkannt und angequatscht?
Ja, im Ausgang schon.

Findest du das cool?
Meistens schon, ausser wenn es Besoffene sind oder Leute, die sonst nie mit dir reden würden. Aber wenn sich die Leute aufrichtig interessieren, freut mich das natürlich.

Würdest du einen Fan daten?
Das kommt echt mega auf die Frau an. Ich hab'... Ja, also keine Ahnung kommt drauf an.

Warte, was hast du?
(lacht) Ja, also ich hab' das auch schon erlebt. Das war richtig stressig. Ich finde so Hardcore-Fangirls auch einfach nicht attraktiv. Aber wenn jemand meine Musik toll findet, dann ist das ja cool. Dann wäre das für mich auch voll kein Grund, nicht darauf einzugehen.

Erzähl mir von diesem Girl.
Ja, die war halt genau so ein Fangirl. Aber es ging ihr nicht mal um die Musik. Für mich ist das alles halt auch neu und ich weiss in so Situationen noch nicht, wie ich reagieren soll.

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Zieht die Musiker-Nummer generell bei Frauen?
Ich behalte es für mich, solange es geht.

Wieso denn?
Ich will, dass die Person mich cool findet, weil ich bin, wie ich bin. Vielleicht ist die Musik noch ein Pluspunkt, aber es sollte echt nicht die Basis sein. Das ist einfach nicht meine Art.

Klar, verstehe. Vor allem, wenn sie dann gleich deine Musik hören wollen. Ist doch voll unangenehm.
Voll, ich hasse das! Du siehst halt die direkte Reaktion der Leute. Das mag ich gar nicht. Da habe ich halt den Vorteil mit "Holunderblüetesirup". Viele kennen den Track. Die Reaktion ist da immer: "Aaah, das bist du?"

Woher hast du eigentlich deinen Namen, Landro?
Ein Freund von mir nannte mich zum Spass immer Luca Landro. Luca heissen alle und Landro nur ich. Das macht mich voll einzigartig (lacht). Privat werde ich aber lieber Luca genannt, ist ja irgendwie komisch, mit einem Künstlernamen angesprochen zu werden.

Wir diskutieren über die Song-Auswahl in der alten Jukebox und finden beide, Helene Fischers "Atemlos" gehört definitiv weggelöscht.

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Hast du auch eine Plattensammlung zu Hause?
Yes, aber nicht eine mega grosse. Ich mag das alte Album-Format voll. Meine erste Platte war Transformer von Lou Reed.

Ich liebe Lou Reed! Wenn’s mir schlecht geht, hör' ich immer "Perfect Day".
Voll, obwohl das ja eigentlich eine Ode ans Heroin sein soll.

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Du flipperst ja wie ein Profi!
Zu Hause habe ich einen Kicker. Und das kann ich recht gut.

Hast du überhaupt Zeit für Hobbys?
Nein, nicht wirklich. Aber ich hab' schon Zeit für soziale Kontakte.

Hätte eine Frau denn Platz in deinem Leben?
Wenn es eine Frau ist, die mega viel Zeit mit mir braucht, könnte es schwierig werden.

Hast du diesen Anspruch nicht?
Doch schon. Keine Ahnung. Ich glaube, man kann alles einrichten, wenn’s wichtig genug ist. Ich klebe nicht an einer Person. Ich brauche meine Freiheit. Und ich will der Frau halt auch gerecht werden. Es gibt Phasen, in denen bei mir ständig was läuft und wieder andere, in denen ich wieder viel Zeit für mich habe.

Gehst du oft feiern, wenn du Zeit hast?
Im Moment mehr als sonst. Du?

Ja schon gerne mal. Was ist dein Lieblingsdrink?
Ich bin voll Fan von Gin geworden. Aber das süsse Zeug wie Passoã und Malibu kann ich nicht ausstehen. Das trinkt man so mit 15.

Im Gespräch über unsere Jugendsünden vertieft, verlassen wir um 21:30 die Arcade und begeben uns in die kalte Septembernacht.

Wollen wir zurückfahren oder zu Fuss gehen?
Ich spaziere gern mit dir zurück.

Zuerst wirst du zum Flippern gezwungen, musst Hot Dogs essen und jetzt noch in der Kälte zurück pilgern. Schlimmes erstes Date, was?
Ja, absolut. Das schlimmste Date ever.

**

Bald habt auch ihr die Chance, ein bisschen Zeit mit Landro zu verbringen.
Und zwar am 20. Oktober im Treppenhaus Rorschach. Hier geht's zum Event.


Landro und Chilz am Cypher 2018 – Zwei Generationen HipHop unterhalten sich über die Szene:


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