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Peinliche Fotos, alte Kommentare: Dieses Tool verrät dir, was das Internet über dich weiß

Was erfahren Schnüffler im Netz über dich, wenn sie genau genug suchen? Mit dem neu gestalteten OSINT Search Tool kann das jeder selbst testen. Höchste Zeit, die alte Facebook-Chronik zu entrümpeln.
25 Oktober 2018, 5:00am
Screenshot von OSINT Search Tool und schlafender Mann auf einer Partay
Bild: Screenshot | OSINT Search Tool | inteltechniques.com || Shutterstock | rawpixel.com || Bearbeitung: Motherboard

Längst verschickst du schräge Party-Fotos via WhatsApp und stellst sie nicht auf Facebook oder Instagram. Spätestens seit dem Skandal um die Datenanalyse-Firma Cambridge Analytica hast du dein Facebook-Konto auf "privat" gestellt. Aber bist du dir wirklich sicher, dass man nicht in den Tiefen deiner Facebook-Chronik noch unvorteilhafte Fotos von dir findet, vielleicht von Freunden, die dich markiert haben? Mit dem OSINT Online-Tool kannst du selbst testen, wie leicht von dir im Netz hinterlassene Informationen von Schnüfflern zu finden sind.

Angeboten wird das Tool von einem IT-Sicherheitexperten, der sich Michael Bazzel nennt. Auf seiner Website stellt er sich als ehemaliger FBI-Agent vor; er habe nach eigenen Angaben zwanzig Jahre für die Regierung in Sachen Online-Kriminalität gearbeitet, heißt es dort. Fest steht: Bazzel legt großen Wert auf Anonymität. In Interviews, etwa auf dem YouTube-Kanal Security Weekly, ist nur seine Stimme zu hören. Auch wenn Bazzel auf der Website mehrere Hundert Dollar teure Trainings anbietet – die Grundfunktionen sind kostenlos.

Das Tool mit dem englischen Namen OSINT (Open Source Intelligence) wurde nun erneuert: "Ich habe über 60 tote Links entfernt und über 35 neue Ressourcen hinzugefügt", schreibt Bazzell in einem Blog-Eintrag. Das OSINT-Tool ist hilfreich für alle, die ihre Privatsphäre im Netz checken wollen. Egal ob du herausfinden willst, auf welchen Facebook-Fotos du markiert wurdest, welche Likes von dir öffentlich sind oder was einige Datensammel-Websites über dich wissen: Das Tool zeigt es dir.

So funktioniert das OSINT Online-Tool

Das OSINT-Tool greift nicht etwa auf eine eigene Datenbank zu, sondern es durchsucht Plattformen wie Facebook, Instagram und Twitter nach deinem Benutzernamen oder deiner Benutzernummer. Facebook-Nutzer haben nämlich eine von der Plattform automatisch erstellte Nummer, die sie eindeutig ausweist. Und die Facebook-Suchfunktionen sind die interessantesten und ausgefeiltesten vom OSINT-Tool.

Um die Facebook-Suchergebnisse des Tools zu sehen, musst du bei Facebook eingeloggt sein. Wenn du prüfen möchtest, was Fremde über dich herausfinden können, solltest du das Tool also mit einem anderen Facebook-Account nutzen und dann nach dir selbst suchen. Du wirst merken: Das Tool liefert Suchergebnisse, sogar dann, wenn du dein Facebook-Profil auf privat gestellt hast.

Zum Beispiel können einige Facebook-Gruppen sichtbar sein, in denen du Mitglied bist. Sichtbar ist es auch, wenn du in dem öffentlichen Post eines anderen Nutzers markiert wurdest oder wenn du unter einem öffentlichen Post kommentiert hast. Auch besuchte Orte können in den Suchergebnissen auftauchen.

Was weiß das Internet über deinen Namen?

Manche Journalistinnen und Journalisten verwenden das OSINT-Tool für ihre Online-Recherchen. So benutzte etwa Motherboard im März 2018 das Tool, um zu überprüfen, in welchen öffentlichen und geschlossenen Facebook-Gruppen die Accounts Mitglied sind, die sich Bundestagsabgeordneten der AfD zuordnen lassen.

Eine interessante Funktion im OSINT-Tool ist etwa die Personensuche, zu finden links im Menü unter "Real Name/ Person Search Tool". Hast du einmal den Vor- und Nachnamen eingegeben, musst du auf "Populate All" und weiter unten auf "Submit All" drücken. Das Ergebnis ist eine Liste von Anbietern, die ihrerseits automatisch Informationen über Menschen im Internet sammeln; ihre Daten stammen etwa aus öffentlichen Profilen von aktuellen oder veralteten sozialen Netzwerken.

Jeweils ein Klick auf einen Anbieter in der Liste reicht, um ein Tab mit dem entsprechenden Suchfenster und deinem Namen zu öffnen. Das erspart dir langes Tippen. Viele der Anbieter sind aber auf Daten aus den USA spezialisiert und können eine geschickte Google-Suche nicht ganz ersetzen.

So checkst du, ob du noch auf alten Facebook-Fotos markierst bist

Die wohl praktischste Funktion: Mit dem Tool kannst du unter anderem checken, ob du auf Facebook-Fotos markiert wurdest, von denen du vielleicht nichts mehr weißt. Besuche dafür die OSINT-Seite und klicke links in der Navigation auf "Facebook Tool".

Screenshot des OSINT Search Tool

Als Erstes musst du deine sogenannte User Number herausfinden. Nur mit dieser Nummer lässt sich die Facebook-internen Suchmaschine nach deinen Inhalten durchsuchen. Gib dafür im ersten Feld in der linken Spalte deinen Facebook-Nutzernamen ein und drücke auf GO.

Deinen Nutzernamen findest du am Ende der Adresszeile im Browser, wenn du dein Profil aufrufst. Häufig sieht das so aus: https://facebook.com/DeinNutzername. Sollte in der Adresszeile in deinem Browser ein Link auftauchen, der "profile.php?id=" beinhaltet, so ist deine User Number die Nummer nach dem Gleichheitszeichen.

Screenshot des OSINT Search Tool

Als nächstes kopierst du deine User Number in das Eingabefeld neben "Photos Of -Tagged" und drückst auf GO. Das OSINT-Tool leitet dich dann zur Facebook-internen Suche weiter und zeigt dir Facebook-Bilder, auf denen du markiert wurdest.

Der Clou: Obwohl Facebook die Suchergebnisse von sich aus liefert, gibt es auf der Plattform selbst keine entsprechenden Buttons, um eine solche Suche zu starten. Das funktioniert nur über exakte Suchworte und -codes in der Browser-Adresszeile. Wer diese Codes kennt, kann sie auch selbst in den Browser tippen; oder eben das OSINT-Tool diese Arbeit machen lassen.

Screenshot von Facebook

Uralte Fotomarkierungen auf Facebook | Bild: Screenshot | Facebook.com

Wenn du mit einer Foto-Markierung auf Facebook nicht einverstanden bist und sie entfernen möchtest, ist diese Funktion alles andere als schnell zu finden. Zuerst musst du auf das Facebook-Aktivitätenprotokoll zugreifen, das du unter dem unscheinbaren Pfeil oben rechts auf Facebook findest.

Screenshot von Facebook

Dort erscheint auf der linken Seite ein Menü, bei dem du die Option "Fotos und Videos" auswählst. Im nächsten Menü kannst du die Option "Geteilt mit: Öffentlich" auswählen. Es erscheinen öffentliche Facebook-Fotos, auf denen du markiert wurdest. Nun kannst du die unerwünschten Markierungen einzeln entfernen.

Screenshot von Facebook

So lassen sich Markierungen auf Facebook entfernen | Bild: Screenshot | Facebook.com

Gibt es noch öffentliche Likes und Beiträge von dir? So findest du's raus

Screenshot von OSINT Search Tool

Auf ähnliche Weise kannst du überprüfen, ob du öffentlich einsehbar Fotos, Posts und Videos mit einem Like versehen hast. In vielen Fällen ist das wohl harmlos. Andererseits möchtest du vielleicht nicht, wenn ein potentieller Arbeitgeber bei einer Online-Recherche sehen kann, dass du vor drei Jahren reihenweise Likes bei Musikvideos hinterlassen hast, mit denen du heute nicht mehr in Verbindung gebracht werden magst.

Wenn du checken möchtest, welche deiner Likes theoretisch jeder Fremde finden kann, loggst du dich mit einem zweiten Facebook-Account ein, gibst deine Daten beim OSINT-Tool ein und wählst die Optionen"Videos liked", "Posts liked" und "Photos Liked". So würde es auch ein Schnüffler machen, der mehr über dich rausfinden will. Dann wirst du auf Facebook weitergeleitet, wo du die eventuell auffindbaren Fotos, Beiträge oder Videos von dir in einer Liste siehst. Um die Likes zu entfernen, müsstest du dich natürlich wieder in deinem richtigen Facebook-Account einloggen.


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Und wenn du schon dabei bist: Die OSINT-Tool-Optionen "Posts by User" und "Posts Commented" zeigen Beiträge und Kommentare von dir an. Du kannst auch mal die anderen Buttons wie "Video tagged" oder "Places Checked-In" durchprobieren. Auch hier lässt sich hervorragend testen, was Fremde über dich erfahren könnten – jedenfalls, wenn du das Tool bedienst, während du mit einem anderen Facebook-Account eingeloggt bist.

Bei all diesen Suchfunktionen ist die Wahrscheinlichkeit hoch, zumindest ein paar negative Überraschungen zu erleben. Das Tool rüttelt wach, wenn es um Datenschutz und Privatsphäre im Netz geht. Doch auch wenn dir das Tool dabei hilft, zumindest ein paar unerwünschte Spuren im Netz zu finden und bestenfalls zu verwischen: In manchen Fällen vergisst das Internet nicht. Trotzdem lohnt es sich, wenn du es Schnüfflern nicht noch leichter machst als nötig.

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