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Throwback Thursday am Dienstag

Damals, als jedes Kind in die Mini Playback Show wollte

Denn nichts war cooler als durch die Zauberkugel zu latschen und als Michael Jackson, DJ Bobo oder Whitney Houston wieder rauszukommen.

von Hagen Terschueren
15 August 2017, 3:01pm

Foto: imago | United Archives

Die Mini Playback Show erfüllte damals Kinderträume: Einmal Madonna, Whitney Houston, DJ Bobo oder Mariah Carey sein – Moderatorin Marijke Amado machte es von 1990-1998 auf RTL möglich. Das Konzept der Mini Playback Show verrät dabei eigentlich schon der Sendungstitel. Kinder machen eine Playback-Show zu den Hits ihrer Lieblingsmusiker und werden hinterher von einer Promi-Jury bewertet. Der wahre Clou der Sendung war aber die riesige Kostüm-Abteilung. Denn statt wie zu Hause mit einer Haarbürste als Mikrofon durchs Zimmer zu hüpfen, konnte man in der Mini Playback Show genau in dem Outfit auf die Bühne, in dem der eigene Held vom Bravo-Poster lächelte. Ein Flashback in die goldenen Zeiten des Privatfernsehens für die ganze Familie ...

Große Bühne für kleine Leute

Marijke Amado und ihr wunderbar niederländischer Akzent (auch ganz groß in den 90ern, Shoutout an Linda de Mol, Harry Wijnvoord und R.I.P. Rudi Carell) hatten aber noch mehr auf Lager. Denn wenn der Song es verlangte, wurden auch schonmal Background-Tänzer, die natürlich selber Kinder waren, mit auf die Bühne gestellt, um die Performance zu unterstützen.

Durch die Zaubertür zum buschigen Schnörres


Dank der Magie des Fernsehens mussten die Kids einfach nur durch die Zaubertür (die später zur Zauberkugel, dann zum Zaubertunnel und im letzten Jahr sogar zur Rakete wurde) gehen und ihr Straßenoutfit verwandelte sich in einen Bühnenlook – im Falle von Freddy Mercury sogar inklusive beachtlichem Schnauzer.


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Manchmal fehlte nur das Kokain zum totalen Realismus

Aber nicht nur die Kostümabteilung leistete ganze Arbeit, auch die Auftritte der Kinder konnten sich sehen lassen. Diesem Falco-Double fehlten eigentlich nur Pulverreste in der Nase, um als Original durchzugehen. Und genau darin lag auch der Charme der Sendung, denn sie wollte wirklich nur Spaß machen und niemanden bloßstellen.

Eine Hochburg des Sozialismus

Aluhüte raus, ich habe meine eigene Crackpot-Theorie entwickelt: Ich behaupte, dass die Mini Playback Show ein Vehikel war, um sozialistische Werte in die Köpfe unserer Jugend zu Pflanzen. Und das im Privatfernsehen! Denn es ging nicht ums Gewinnen, alleine das Dabeisein war eine Leistung. Das Lob gilt allen, die sich auf die Bühne trauten, denn zusammen Spaß haben ist viel wichtiger als allein zu gewinnen. Eigentlich ein Unding in der Leistungsgesellschaft und ein Gedanke, von dem RTL sich nach dem Ende der Mini Playback Show auch sehr schnell wieder verabschiedete.

Die Jury

Dieses sozialistische Prinzip wurde auch in der Jury fortgeführt. In jeder Sendung saßen drei Prominente, um die Performances zu bewerten. Und nur positive Kritik wurde überhaupt gesendet, während negative Punkte einfach herausgeschnitten wurden. In den ersten Jahren wurden noch die ersten drei Plätze vergeben, doch das wurde später geändert, so dass es nur einen Sieger gab und die nachfolgenden Plätze nicht verteilt wurden, um noch einmal zu betonen, dass es eigentlich nur um die Teilnahme geht.

Das unrühmliche Ende

Nachdem die Sendung fast acht Jahre lang durchgehend von Marijke Amado moderiert wurde, musste sie 1998 ihr Mikrofon wegen mieser Einschaltquoten an Jasmin "Blümchen" Wagner abgeben – ja, "Boom Boom Boomerang"-Blümchen. Das lief ungefähr so gut, wie es klingt und schon drei Monate später wurde die Mini Playback Show komplett eingestellt.

Doch wer weiß, was da noch kommt. Schließlich ist absolut nichts mehr heilig und Remakes sind so viel einfacher, als neue Ideen. Wenn ihr jetzt also fleißig Kinder zeugt, stehen die Chancen gar nicht so schlecht, dass RTL eine Bühne für sie bereithalten wird.

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