Anzeige
Tech

Dieses kostenlose schwule Pistolen-Game ist heute das beste Spiel der Welt

Das neue Spiel von Kult-Entwickler Robert Yang ist auf den ersten Blick simpel und wunderbar absurd. Doch hinter dem Spiel steckt ein Kampf um queeren Sex mit Twitch – wird sein Spiel auch diesmal nach wenigen Tagen von der Streaming-Plattform gelöscht?

von Dennis Kogel
30 Juni 2017, 10:33am

Bild: Screenshot, Robert Yang

Die Handlung des gestern für Windows, Mac und Linux veröffentlichten Spiels Tearoom ist denkbar simpel: Ziel ist es, vor einem fremden Kerl auf einer öffentlichen Toilette auf die Knie zu gehen. Davor müsst ihr mit ihm vorsichtig Blickkontakt aufnehmen, um Interesse zu signalisieren – denn es lauert auch Gefahr: Der Typ könnte auch ein Undercover-Cop sein, der euch festnehmen will. Aber sobald diese Hürde genommen ist, dürft ihr endlich… die Pistole lutschen, die aus dem Schritt eures Toilettenkumpels ragt.

Folgt Motherboard auf Facebook, Instagram, Snapchat und Twitter

Ja, die Männer im "historischen Klosimulator", wie das Spiel im Untertitel weiter heißt, lassen keine Penisse vor eurem Gesicht baumeln, sondern fleischfarbene Revolver und Schrotflinten. Je länger ihr sie lutscht, desto mehr weicht die Hautfarbe dem kalten Metall der Waffen – die Männer stöhnen auf und ballern in die Luft.

Manche Männer haben Schrotflinten, andere kleine Halbautomatik-Pistolen, aber das ist okay, "bumm" macht's immer. Bild: Screenshot, Robert Yang.

Das klingt im ersten Moment nach dem Fiebertraum eines CSUlers ("Todesschwänze!"), ist in Wirklichkeit aber ein Akt des Widerstands. Denn Twitch, die für Spiele immens wichtige Streaming-Plattform, verbietet in ihren Nutzungsbedingungen das Streamen von Spielen mit "pornografischem" und "obszönem" Inhalt. In der Liste für verbotene Spiele finden sich neben Second Life auch Games über Vergewaltigungen, eine genaue Definition darüber, was obszön und pornografisch ist, liefert Twitch aber nicht. Spiele mit schwuler Ästhetik wie Tearoom sind dabei in der Vergangenheit gesperrt worden, während gleichzeitig solch (großartige!) Spiele wie Witcher 3, in denen neben abgetrennten Gliedmaßen auch Sex und Nacktheit eine Rolle spielen, online blieben.

"Knarren sind eindeutig keine Penisse!"

Hinter Tearoom steckt ein Entwickler, der etwas bewegen möchte: Robert Yang. Auf seinem Blog erklärt er ausführlich die Hintergründe des Spiels und auch, warum denn eigentlich Pistolen darin vorkommen: " Knarren sind ja wohl eindeutig keine Penisse", schreibt er augenzwinkernd. Yang hat Twitch schon oft kritisiert, auch seine Spiele über schwule Autos, schwule Duschen und Dickpicks will Twitch nicht zeigen. "Sollte Twitch mein Spiel schon wieder sperren, dann ist es das erste Mal in der Geschichte, dass die Games-Industrie ein Spiel über Knarren verbietet."

"Und so geht es auch in Tearoom um die Angst überwacht und erwischt zu werden, um schwule Rückzugsorte, die systematisch zerstört werden sollen"

Robert Yang geht es aber nicht alleine darum, Twitch ans Bein zu pinkeln (...), sondern viel mehr Eindrücke über schwulen Sex zu vermitteln und die lange Geschichte des queeren Kampfes und Versteckspiels nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Tearoom spielt im Ohio der 1960er Jahre: "Die Polizei überwachte damals zwei Monate lang eine öffentliche Toilette über einen Spionspiegel", schreibt Yang. "Am Ende des Sommers nahm sie 38 Männer fest und beschuldigte sie der Sodomie", ein Jahr Freiheitsstrafe war das Mindestmaß. Darum hat auch jeder Mann im Spiel eine 23-prozentige Wahrscheinlichkeit, ein Polizist zu sein.


Ebenfalls bei Broadly: Die letzten Lesbenbars der USA


So steckt hinter der simplen Handlung von Tearoom auch eine Parabel auf die Angst, überwacht und erwischt zu werden, um schwule Rückzugsorte, die systematisch zerstört werden sollen. Und: Um die Bedeutung von Blicken. "Gamer denken 'Blicke' wären eine unbedeutende Aktion", dabei gehe es um wortlose Kommunikation und das unauffällige Aufbauen eines gemeinsamen Verständnisses. "Dieses Segment war schwer zu designen. Weil Spieler lange Zeit nicht die Macht der Blicke verstanden, musste ich mit ziemlich offensichtlichen Icons arbeiten."

Es ist 2017 und rechte Gamer nehmen die Nazis im neuen Wolfenstein in Schutz

Die Arbeit hat sich gelohnt. Auch wenn Tearoom im ersten Moment nach einem fast schon grotesken Spiel klingt, fühlt es sich aufregend, verboten und gefährlich an, Blicke auf einer öffentlichen Toilette auszutauschen.

Robert Yang schreibt hier auf seinem Blog noch sehr viel mehr über die Hintergründe des Spiels, über die Design-Ideen hinter Videospiel-Toiletten und queerer Geschichte in den USA. Tearoom (Windows, OS X, Linux) ist kostenlos über itchio erhältlich.

Tagged:
Tech
Motherboard
Gaming
polizei
Toilette
überwachung
Queerness
gay sex
Robert Yang
Schwuler Sex